Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen: Rechenstörung ist eine anerkannte Entwicklungsstörung – Bildungspolitik muss handeln, um Diskriminierung zu stoppen
Während Legasthenie (Lese-Rechtschreibstörung) in den meisten Bundesländern schulrechtlich anerkannt ist und betroffene Schülerinnen und Schüler Nachteilsausgleiche erhalten, fehlen vergleichbare Regelungen für Kinder mit Dyskalkulie (Rechenstörung) vollständig. Fachverbände, Elterninitiativen und Wissenschaftler fordern die Bildungsministerien der Länder auf, diese Lücke umgehend zu schließen und verbindliche schulrechtliche Rahmenbedingungen für Betroffene zu verabschieden.
Dyskalkulie – auch Rechenstörung genannt – ist keine Frage mangelnder Intelligenz oder fehlenden Fleißes. Die hirnfunktionalen Ursachen sind bereits seit Jahren wissenschaftlich belegt. Bildgebende Verfahren wie die funktionelle Magnetresonanztomografie zeigen, dass bei Betroffenen spezifische Hirnareale, insbesondere im Bereich des intraparietalen Sulcus, anders arbeiten. Diese Region ist maßgeblich für die Verarbeitung von Mengen und Zahlen verantwortlich. „Kinder mit Dyskalkulie haben keinen automatisierten Zugang zu numerischen Größen“, erklärt Prof. Dr. Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, LMU-Klinikum, München. „Was für andere Kinder intuitiv erfassbar ist – etwa, dass sieben mehr ist als vier – bleibt für sie eine nicht lösbare Aufgabe.“
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert Dyskalkulie in der ICD-10 als umschriebene Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten. Schätzungen zufolge sind etwa 3 bis 5 Prozent aller Schülerinnen und Schüler betroffen – das entspricht in Deutschland mehreren hunderttausend Kindern. Die Beeinträchtigungen reichen bis ins Erwachsenenalter.
+++ Fehlende schulrechtliche Regelungen führen zu Bildungsungerechtigkeit +++
Trotz der Anerkennung der Dyskalkulie als Erkrankung durch die WHO existieren in den meisten Bundesländern keine verbindlichen schulrechtlichen Regelungen für den Umgang mit Dyskalkulie. Die Folgen für die betroffenen Kinder und Jugendlichen sind extrem belastend und führen häufig zu psychosomatischen Folgeerkrankungen, wie z.B. Depression. Fehlende Nachteilsausgleiche verhindern erfolgreiche Schulabschlüsse oder enden im Extremfall in einem Schulabbruch ohne Schulabschluss. Individuelle Fördermaßnahmen finden in unserem Schulsystem nur selten statt oder werden als nicht realisierbar dargestellt, da qualifizierte Förderkräfte fehlen. Schülerinnen und Schüler mit einer Dyskalkulie erhalten infolgedessen zu wenig Unterstützung und Förderung und werden an der Teilhabe am Unterricht gehindert, was sich auf ihre gesamte Schullaufbahn und ihre Berufsperspektiven negativ auswirkt.
„Es ist ein Widerspruch, dass Legasthenie schulrechtlich anerkannt, Dyskalkulie aber ignoriert wird – obwohl beide Störungen vergleichbare neurobiologische Grundlagen haben“, kritisiert Tanja Scherle, Vorsitzende des Bundesverbands Legasthenie und Dyskalkulie e.V.
Die Bildungsministerien der Länder müssen sich gemeinsam mit der Bildungsministerkonferenz ihrer Verantwortung stellen und für mehr Chancengleichheit in den Ländern sorgen, indem sie Dyskalkulie als Behinderung im Sinne des Schulrechts anerkennen und entsprechende schulrechtliche Regelungen verabschieden. Es müssen verbindliche Nachteilsausgleiche definiert werden, um eine gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen. Evidenzbasierte Förderkonzepte entsprechend der „S3-Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung der Rechenstörung“ sollten in den Schulalltag integriert werden, um betroffene Kinder und Jugendliche individuell und nachhaltig zu fördern. Auch die Einbindung externer Förderkräfte mit entsprechender Qualifizierung ist dabei eine entscheidende Maßnahme, um möglichst zeitnah die dringend notwendige Förderung umzusetzen. Nur so werden Kinder und Jugendliche vor seelischen Belastungssituationen, bedingt durch ihre Dyskalkulie, geschützt.
+++ Chancengleichheit als Verfassungsauftrag +++
Das Grundgesetz garantiert in Artikel 3 die Gleichbehandlung aller Menschen und verbietet die Benachteiligung aufgrund einer Behinderung. Die UN-Behindertenrechtskonvention, die Deutschland 2009 ratifiziert hat, verpflichtet zudem zu einem inklusiven Bildungssystem.
„Solange Schülerinnen und Schüler mit Dyskalkulie bundesweit keine fairen schulischen Bedingungen erhalten, verletzen wir diesen Auftrag“, mahnt Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen. „Die Länder sind aufgerufen zu handeln, damit Schülerinnen und Schüler in ihrer Verschiedenheit gleichberechtigt teilhaben können.“
Weitere aktuelle Informationen zur Dyskalkulie finden Sie in einer Übersicht zur Rechenstörung unter Übersicht-zur-Rechenstörung-2024.pdf von Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne sowie unter www.bvl-legasthenie.de
Über den Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V.:
Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. besteht seit über 45 Jahren und ist eine Interessenvertretung von Betroffenen und deren Eltern sowie von Fachleuten (Pädagogen, Psychologen, Ärzten, Wissenschaftlern, Therapeuten und im sozialen Bereich Tätigen), die sich in Theorie und Praxis mit der Legasthenie und Dyskalkulie auseinandersetzen. Er trägt dazu bei, dass gesetzliche Grundlagen und wissenschaftliche sowie praktische Möglichkeiten der Hilfe in allen Bundesländern geschaffen und verbessert werden. Durch persönliche Beratung, Informationsschriften und Hinweise auf geeignete Literatur sollen die Eltern die Schwierigkeiten ihrer betroffenen Kinder besser verstehen lernen.
Der BVL fördert durch wissenschaftliche Kongresse und Veröffentlichungen die Forschung und den wissenschaftlichen Dialog unter Fachleuten aller beteiligten Disziplinen. Durch Informationen und Zusammenarbeit mit den Medien macht der BVL die Probleme von Menschen mit Legasthenie und Dyskalkulie bekannt.
Weitere Informationen: http://www.bvl-legasthenie.de
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- Ausbildung (Wikipedia)
Ausbildung umfasst die Vermittlung von Fertigkeiten und Wissen durch eine dazu befugte Einrichtung, beispielsweise eine staatliche Schule, eine Hochschule oder ein privates Unternehmen. Im Regelfall steht am Ende einer institutionellen Ausbildung eine Abschlussprüfung des Absolventen, der nach erfolgreicher Teilnahme ein Dokument erhält, das den positiven Abschluss der Ausbildung bescheinigt und seine erworbene Befähigung nachweist, beispielsweise ein akademischer Titel, ein beruflicher Abschluss oder eine Befähigung in einem bestimmten Sachgebiet. Die Ausbildung unterscheidet sich vom Begriff Bildung durch ihre Vollendung und Zweckbestimmtheit. - Bildung (Wikipedia)
Bildung (von althochdeutsch bilidōn ‚bilden', ‚sich bilden', ‚gestalten', ‚erschaffen', ‚versinnbildlichen', ‚nachahmen'; Abstraktum: bildunga ‚Vorstellung, Vorstellungskraft‘) ist ein vielschichtiger, unterschiedlich definierter Begriff, den man im Kern als Maß für die Übereinstimmung des persönlichen Wissens und Weltbildes eines Menschen mit der Wirklichkeit verstehen kann. Je höher die Bildung ist, desto größer wird die Fähigkeit, Verständnis für Zusammenhänge zu entwickeln und wahre Erkenntnisse zu gewinnen. Der Ausdruck wird sowohl für den Bildungsvorgang („sich bilden“, „gebildet werden“) wie auch für den Bildungszustand („gebildet sein“) einer Person verwendet. Im Hinblick auf den innerhalb einer Bevölkerung gemeinhin erwartbaren Bildungsstand wird von Allgemeinbildung gesprochen. Im weiteren Sinn bezeichnet Bildung die Entwicklung eines Menschen hinsichtlich seiner Persönlichkeit zu einem „Menschsein“, das weitgehend den geistigen, sozialen und kulturellen Merkmalen entspricht, die jeweils in der Gesellschaft als Ideal des voll entwickelten Menschen gelten können, wie zum Beispiel das humboldtsche Bildungsideal. Ein Merkmal von Bildung, das nahezu allen modernen Bildungstheorien entnehmbar ist, lässt sich umschreiben als das reflektierte Verhältnis zu sich, zu anderen und zur Welt. Im Gegensatz zur beruflichen oder zweckbestimmten Ausbildung bezieht sich Bildung auf eine grundsätzliche und grundlegende kulturelle Formung des Menschen. Vorausgesetzt, wenn auch selten angesprochen, sind hierbei elementare Kulturtechniken wie Auswendiglernen, Lesen, Schreiben, Rechnen. Solche Kulturtechniken werden stets in einem sozialen Kontext vermittelt, dem Bildungswesen im weitesten Sinne. Zum Bildungswesen gehören spezielle Institutionen wie beispielsweise Schulen und Hochschulen, aber auch alle anderen Lehr- und Lernverhältnisse, etwa in Familie, Beruf oder aus eigener Initiative. Der moderne, dynamische und ganzheitliche Bildungsbegriff steht für den lebensbegleitenden Entwicklungsprozess des Menschen zu der Persönlichkeit, die er sein kann, aber noch nicht ist. Diesem Prozess sind allerdings Grenzen gesetzt: durch persönliche Voraussetzungen – bezüglich … - Bildungspolitik (Wikipedia)
Bildungspolitik ist Politik, die auf Gestaltung, Legitimation und Administration des Bildungswesens zielt. - BVL (Wikipedia)
BVL steht für: Bolsa de Valores de Lisboa, die Wertpapierbörse Lissabons von 1769 Bul Air, bulgarische Fluggesellschaft nach dem ICAO-Code Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Bundesvereinigung Logistik sowie BVL Seminare, Logistikakademie BV 08 Lüttringhausen, ehemaliger deutscher Fußballverein Bundesverband Lebensrecht, Zusammenschluss verschiedener deutscher Lebensrechtsgruppen Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine e.V. BvL steht für: Bernard van Lengerich, Hersteller von Landmaschinen sowie Oberflächen- und Elektrotechnik bvl steht für: Bolivianische Gebärdensprache (ISO-639-3-Code) - Chancengleichheit (Wikipedia)
Chancengleichheit bezeichnet in modernen Gesellschaften das Recht auf einen gleichen Zugang zu Lebenschancen. Dazu gehört insbesondere das Verbot von Diskriminierung beispielsweise aufgrund des Geschlechtes, des Alters, der Religion, der kulturellen Zugehörigkeit, einer Behinderung oder der sozialen Herkunft, das in den Menschenrechten festgeschrieben ist. Während in der Natur Chancen nach statistisch beschreibbaren Regeln, per Zufall oder über die Macht des Stärkeren / Ersteren / Angepasstesten (englisch fittest) verteilt werden, werden Chancen in menschlichen Gesellschaften durch Menschen reguliert. In den Bemühungen um Chancengleichheit drückt sich das Verständnis von Gerechtigkeit als Demokratie aus. Mangelnde Chancengleichheit wird als ungerecht empfunden und kann den sozialen Frieden gefährden. - Dyskalkulie (Wikipedia)
Dyskalkulie ist eine Beeinträchtigung des arithmetischen Denkens. Sie wird in der Fachsprache auch Arithmasthenie, im allgemeinen Sprachgebrauch auch Rechenstörung oder Rechenschwäche genannt. Die Abgrenzung der Begriffe Dyskalkulie, Rechenstörung und Rechenschwäche ist in der Literatur nicht eindeutig. - Legasthenie (Wikipedia)
Die Lese- und Rechtschreibstörung (LRS), fachsprachlich Legasthenie (von lateinisch legere ‚lesen‘ und altgriechisch ἀσθένεια asthéneia, deutsch ‚Schwäche‘, also ‚Leseschwäche‘), bezeichnet die massive und lang andauernde Störung des Erwerbs der Schriftsprache (geschriebenen Sprache). Eine bloße Leistungsschwäche hingegen (z. B. von Schülern im Vergleich zu Gleichaltrigen) wird als Lese-Rechtschreib-Schwäche bezeichnet. Menschen mit einer Lese- und Rechtschreibstörung haben Probleme mit der Umsetzung der gesprochenen Sprache in geschriebene Sprache (und umgekehrt). Als Ursache werden eine genetische Veranlagung, Probleme bei der auditiven und visuellen Wahrnehmungsverarbeitung, bei der Verarbeitung von Sprache und vor allem bei der phonologischen Bewusstheit angenommen. Ein eindeutiger, wissenschaftlich fundierter Beweis steht noch aus (Stand März 2021). Die Legasthenie tritt isoliert und erwartungswidrig auf: Das heißt, es gibt für die schriftsprachlichen Probleme ohne gründliche Untersuchung durch einen Neurologen keine plausible Erklärung (wie generelle Minderbegabung oder unzureichende Beschulung). Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie schätzt, dass in Deutschland 4 % der Schüler von einer Legasthenie betroffen sind. Bei frühzeitiger Erkennung können die Probleme in vielen Fällen kompensiert werden; doch je später eine Therapie einsetzt, desto geringer sind in der Regel die erzielbaren Effekte. Dass entsprechende Hoffnungen in der Praxis nur bedingt berechtigt sind, belegt eine Studie der Universitätsklinik München, der zufolge 4 % aller deutschen jungen Erwachsenen nur ein durchschnittliches Rechtschreibniveau von Viertklässlern erreicht haben. - Schule (Wikipedia)
Die Schule (lateinisch schola von altgriechisch σχολή [skʰoˈlɛː]) ist eine Institution. Sie wird auch Bildungsanstalt oder Lehranstalt genannt. Ihr Bildungsauftrag besteht im Lehren und Lernen, also in der Vermittlung von Wissen und Können durch Lehrer und Pädagogen an Schüler, aber auch in der Wertevermittlung und in der Erziehung und Bildung zu mündigen, sich verantwortlich in die Gesellschaft einbringenden Persönlichkeiten. Die Ursprungsbedeutungen sind „Müßiggang“, „Muße“, später „Studium“ und „Vorlesung“. - Schüler (Wikipedia)
Als Schüler wird eine Person bezeichnet, die im organisatorischen Rahmen einer Schule lernt oder zur Anhängerschaft bzw. zu den Unterrichteten eines Lehrers gehört. Dabei erhält sie von entsprechenden Lehrern Unterricht, um in einem Lernprozess Fertigkeiten, Wissen, Einsichten, Wertvorstellungen und Verhaltensweisen zu erwerben, zu erweitern, einzuüben und zu vertiefen. Die Gesamtheit aller Schüler einer Schule bildet die Schülerschaft.