ARAG Experten über Arbeitsplatzhygiene, Raumklima und Arbeitsschutz
Ein gesundes Arbeitsumfeld ist zu jeder Jahreszeit wichtig – in der Erkältungssaison rücken Hygiene und Raumluft jedoch besonders in den Fokus. Arbeitgeber müssen angemessene Bedingungen am Arbeitsplatz gewährleisten: von sauberen Sanitäranlagen und ausreichender Frischluft bis zum Schutz vor Schimmel, Geruchsbelastungen und Lärm. Doch welche Mindeststandards gelten konkret und welche Rechte haben Beschäftigte?
Welche grundsätzlichen Pflichten hat der Arbeitgeber?
Die wichtigste Grundlage bildet Paragraf 618 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Er verpflichtet Arbeitgeber, Arbeitsräume und Einrichtungen so einzurichten und zu unterhalten, dass Beschäftigte gegen Gefahren für Leben und Gesundheit geschützt sind, soweit es die Tätigkeit zulässt. Öffentlich-rechtliche Vorschriften wie zum Beispiel das Arbeitsschutzgesetz oder die Arbeitsstättenverordnung gestalten die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers aus. Arbeitgeber müssen die mit der Arbeit verbundenen Gefährdungen beurteilen und daraus geeignete Schutzmaßnahmen ableiten. Dabei geht es nicht nur um Unfallrisiken, sondern auch um gesundheitliche Belastungen durch die Arbeitsumgebung.
Welche Hygienestandards gelten im Büro?
Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, Arbeitsstätten in einem hygienisch angemessenen Zustand zu halten (Arbeitsstättenverordnung, Anhang Ziffer 4.1). Verunreinigungen und Ablagerungen, die zu gesundheitlichen Gefährdungen führen können, müssen beseitigt werden. Das betrifft Arbeitsräume ebenso wie Gemeinschaftsbereiche und Sanitäranlagen.
Allerdings weisen die ARAG Experten darauf hin, dass regelmäßige Reinigung die Eigenverantwortung der Beschäftigten nicht ersetzt. Wer krank ist, sollte andere nicht unnötig gefährden. Schickt der Arbeitgeber erkältete Mitarbeiter zum Schutz der Belegschaft nach Hause, muss der Lohn grundsätzlich weitergezahlt werden. Urlaub oder Zeitguthaben müssen dafür in der Regel nicht eingesetzt werden.
Muss der Arbeitgeber für frische Luft sorgen?
Gerade in der Erkältungszeit wird regelmäßiges Lüften im Büro wichtig. In Arbeitsräumen muss laut Arbeitsstättenverordnung während der Nutzungsdauer ausreichend gesundheitlich zuträgliche Atemluft vorhanden sein. Je nach Gebäude kann dies durch Fensterlüftung oder eine technische Lüftungsanlage sichergestellt werden. Für deren ordnungsgemäßen Betrieb und die Wartung ist der Arbeitgeber verantwortlich. Als Orientierung gilt ein Kohlendioxidgehalt von höchstens 1.000 ppm. Wird dieser Wert dauerhaft überschritten, können Konzentration und Leistungsfähigkeit leiden.
Kann Händehygiene erlernt werden?
Wie wichtig konsequente Händehygiene ist, zeigt eine Studie der University of Surrey. In einer 19-wöchigen Untersuchung in zwei Krankenhaustoiletten in Dänemark wuschen sich 43,7 Prozent der beobachteten Nutzer nach dem Toilettengang nicht die Hände. Die Studie macht damit deutlich, dass Händewaschen selbst in einem besonders hygienerelevanten Umfeld keine Selbstverständlichkeit ist. Zugleich zeigen die Ergebnisse, dass gezielte Erinnerungen und Verhaltensimpulse helfen können, die Händehygiene zu verbessern. Die Ergebnisse lassen sich zwar nicht unmittelbar auf Büros übertragen, zeigen nach Ansicht der ARAG Experten aber, dass grundlegende Hygienemaßnahmen keineswegs selbstverständlich sind.
Was tun bei Schimmel oder schlechter Raumluft?
Auffällige Gerüche können ein Hinweis auf Probleme mit der Raumluft, Feuchtigkeit oder verwendeten Materialien sein. Schimmel wiederum kann auf Feuchtigkeitsschäden oder bauliche Mängel hindeuten und sollte nicht einfach überstrichen werden. Die ARAG Experten weisen darauf hin, dass Arbeitgeber im Rahmen ihrer Gefährdungsbeurteilung mögliche gesundheitliche Belastungen berücksichtigen und erforderliche Maßnahmen ergreifen müssen (Paragraf 5 Arbeitsschutzgesetz).
An wen können sich Beschäftigte wenden?
Wer sich durch schlechte Luft, Schimmel, erhebliche Geruchsbelastungen oder Lärm beeinträchtigt fühlt, sollte den Mangel zunächst dem Arbeitgeber oder der zuständigen Führungskraft melden. Eine möglichst konkrete Beschreibung hilft dabei, das Problem schneller zu beheben. Bleibt eine Reaktion aus, können sich Beschäftigte nach Auskunft der ARAG Experten an den Betriebsrat, die Fachkraft für Arbeitssicherheit oder den Betriebsarzt wenden. Ist ein Betriebsrat vorhanden, hat dieser nach Paragraf 87 Abs. 1 Nr. 7 Betriebsverfassungsgesetz bei Regelungen zur Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten sowie beim Gesundheitsschutz mitzubestimmen, soweit keine gesetzliche oder tarifliche Regelung besteht.
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- ARAG (Wikipedia)
ARAG bezeichnet die ARAG SE, ein Versicherungskonzern die ARAG (Range), bestehend aus den Häfen Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen und Gent - arbeitgeber (Wikipedia)
Arbeitgeber sind natürliche oder juristische Personen sowie rechtsfähige Personengesellschaften, die Arbeitnehmer in einem Arbeitsverhältnis beschäftigen. - Arbeitsschutz (Wikipedia)
Arbeitsschutz sind in der Arbeitswissenschaft und im Arbeitsrecht alle Maßnahmen des Arbeitgebers zur Verhütung von Arbeitsunfällen und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren einschließlich Maßnahmen der menschengerechten Arbeitsgestaltung. Diese Legaldefinition aus § 2 Abs. 1 ArbSchG legt das Tätigkeitsgebiet der Arbeitgeber beim Arbeitsschutz fest. Arbeitsschutz ist eine Prävention, durch die Arbeitsunfälle verhindert und gesundheitsgefährdende Arbeitsbelastungen und Arbeitsumgebungen vermieden werden sollen. In diesem Sinne ist der Arbeitsschutz ein Sozialstandard. Zum Arbeitsschutz gehören sichere Arbeitsbedingungen (etwa Helmpflicht, Schutzkleidung), Gesundheitsschutz (beispielsweise Vermeidung von Krankheiten, Schädigungen durch Gefahrstoffe oder Lärm) und personenbezogener Schutz (Jugendschutz, Mutterschutz). - Arbeitsschutzgesetz (Wikipedia)
Das Arbeitsschutzgesetz (Abkürzung ArbSchG) ist ein deutsches Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie 89/391/EWG (Arbeitsschutz-Rahmenrichtlinie). Das Arbeitssicherheitsgesetz ist das „Controlling-Gesetz“ zum Arbeitsschutzgesetz. Ziel des Gesetzes ist es, die Gesundheit aller Beschäftigten – einschließlich der des öffentlichen Dienstes – durch Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu sichern und zu verbessern (§ 1). - Arbeitsstättenverordnung (Wikipedia)
Arbeitsstättenverordnung steht für: die deutsche Verordnung über Arbeitsstätten (ArbStättV); siehe Arbeitsstättenverordnung (Deutschland) die österreichische Verordnung der Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit und Soziales, mit der Anforderungen an Arbeitsstätten und an Gebäuden auf Baustellen festgelegt und die Bauarbeiterschutzverordnung geändert wird (AStV); siehe Arbeitsstättenverordnung (Österreich) - fürsorge (Wikipedia)
Fürsorge bezeichnet die freiwillig oder gesetzlich verpflichtend übernommene Sorge für andere Personen oder Personenvereinigungen. Daraus abgeleitet bezeichnet Fürsorge die Sorge, auf die Menschen unter bestimmten Umständen ein Recht haben, und bezeichnet ebenfalls das aus der Ethik der Barmherzigkeit oder der Almosenpraxis erwachsene System der öffentlichen Fürsorge. - Raumklima (Wikipedia)
Das Raumklima beschreibt die Faktoren, die in Innenräumen einen Einfluss auf das Wohlbefinden von Menschen haben können. Das Raumklima gilt als ein wesentlicher Bestandteil der Wohnqualität und Behaglichkeit. Es wird vor allem durch die Temperatur der Luft (Raumtemperatur) und die Luftfeuchtigkeit bestimmt. Einfluss auf die Behaglichkeit eines Raumes haben auch die chemische Zusammensetzung der Luft (Raumluft) mit möglichen Schadstoffen und Geruchsbelästigung, abweichende Oberflächentemperaturen der Wände, Fußböden und Möbel, Luftzug, die Beleuchtung, insbesondere die Sonneneinstrahlung sowie künstliches Licht und dessen Farbtemperatur. Die Luftfeuchtigkeit wird vom Menschen nur bei Extremwerten bemerkt. Allerdings führt schon moderat hohe relative Luftfeuchte zu Kondensation und Schimmelbildung an kühlen Oberflächen. Das Phänomen wird in der Bauphysik auch als Sommerkondensation bezeichnet. Bei sehr geringer Luftfeuchtigkeit werden Materialien wie Holz, Leder oder Plastik spröde oder rissig und trocknen aus. Auch der menschliche Körper reagiert empfindlich auf zu geringe Luftfeuchtigkeit. Brennende Augen, spröde Lippen und trockene Schleimhäute können die Folge sein. Dies konnte allerdings durch Untersuchungen bisher nicht bestätigt werden. Beim Menschen wird die eingeatmete Luft durch die Nasenschleimhäute befeuchtet, so dass auch unter extremen raumklimatischen Bedingungen keine diesbezüglichen gesundheitlichen Risiken zu erwarten sind. Gegebenenfalls besteht allerdings ein erhöhter Flüssigkeitsbedarf, um die in die Luft abgegebene Feuchtigkeit zu ersetzen. Auch die Stimmbänder werden durch trockene Luft nicht stärker strapaziert. Nachgewiesen sind dagegen eine Zunahme der Hautrauhigkeit und vermehrte elektrostatische Aufladungen in einem direkten Zusammenhang mit niedrigen Luftfeuchten. Zu niedrige Luftfeuchtigkeit in öffentlichen Gebäuden mit hohem Besucheraufkommen führt zu erhöhter Ansteckungsgefahr. Zu hohe Luftfeuchtigkeit wird hingegen zumeist als drückend empfunden. Kalte Oberflächen können einen geheizten Raum unbehaglich machen. Innere und äußere Lasten können Temperatur und Feuchtigkeit maßgeblich beeinflussen: Zu den inneren Lasten gehören: die … - Schimmel (Wikipedia)
Schimmel steht für: Schimmelpilze Schimmel (Pferd), ein weißes Pferd Schimmel (Familienname), deutscher Familienname eine Fellzeichnung bei Hausmeerschweinchen, siehe Hausmeerschweinchen#Farben Glocke und Hammer, ein Würfelspiel Schimmel (An der Poststraße), ein Ortsteil der Gemeinde An der Poststraße Unternehmen: Wilhelm Schimmel Pianofortefabrik, Klavierhersteller in Braunschweig Schimmel & Co., ehemaliger Hersteller von Riechstoffen Siehe auch: Amtsschimmel Grauer Schimmel, Berggipfel in Osttirol Nacht und Schimmel, Werk von Stanisław Lem Schimmel-Fichte, Art der Gattung Fichte