Neue Josephus-Forschung belebt Debatte über die Wunder Jesu | dreieinigkeit.de

Ein einziges Wort bei Josephus verändert, wie Historiker über die Wunder Jesu diskutieren

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Künstlich erstellt: Josephus Flavius (Bildquelle: @dreieinigkeit.de)

Aktuelle Forschung zum jüdisch-römischen Historiker Flavius Josephus rückt eine der bekanntesten außerbiblischen Stellen über Jesus von Nazareth erneut in den Mittelpunkt. Im Fokus steht das sogenannte Testimonium Flavianum aus den „Jüdischen Altertümern“ des Josephus – und besonders die Frage, wie dessen Hinweis auf die außergewöhnlichen Taten Jesu zu verstehen ist.

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Der Historiker T. C. Schmidt, Autor von Josephus and Jesus: New Evidence for the One Called Christ, argumentiert, dass Josephus Jesus nicht zwingend mit christlich-theologischer Sprache beschreibt. Vielmehr könne die Formulierung darauf hindeuten, dass Jesus bereits im ersten Jahrhundert als jemand bekannt war, dessen Taten als außergewöhnlich, irritierend oder schwer erklärbar galten.Eine Schlüsselrolle spielt dabei das griechische Wort paradoxa. Es kann mit „wunderbare“, aber auch mit „ungewöhnliche“, „befremdliche“ oder „erstaunliche“ Dinge wiedergegeben werden. Genau diese Mehrdeutigkeit macht den Begriff historisch bedeutsam. Josephus musste demnach nicht selbst an die Wunder Jesu im christlichen Sinn glauben, um dennoch eine frühe Erinnerung an ungewöhnliche Taten Jesu zu überliefern.Damit erhält auch die Diskussion um die Echtheit des Testimonium Flavianum neues Gewicht. Lange wurde vermutet, christliche Schreiber hätten den Text stark verändert oder sogar vollständig eingefügt. Neuere philologische Argumente legen jedoch nahe, dass Sprache, Stil und Bedeutungsfelder der Passage besser zu Josephus passen, als viele Kritiker bisher annahmen. Diese Perspektive wurde auf  dreieinigkeit.de bereits verständlich aufbereitet.

Historisch entscheidend ist nicht, ob Josephus ein christliches Bekenntnis ablegte. Gerade weil Josephus kein Christ war, ist seine mögliche Erwähnung Jesu für die Forschung von besonderem Interesse. Sie könnte zeigen, dass die Erinnerung an Jesu außergewöhnliche Taten nicht erst spät innerhalb christlicher Gemeinden entstand, sondern bereits früh auch außerhalb christlicher Überlieferung wahrgenommen wurde.

Zugleich bleibt eine nüchterne Einordnung notwendig. Geschichtswissenschaft kann nicht beweisen, dass ein Wunder im theologischen Sinn geschehen ist. Sie kann aber  wissenschaftlich untersuchen, wie antike Quellen Jesus darstellen, welche Begriffe sie verwenden und ob die Wundertradition früh oder spät bezeugt ist.Die neue Debatte um Josephus, Jesus und das Wort paradoxa verbindet damit philologische Detailarbeit mit einer zentralen Frage der historischen Jesusforschung: Wurden die Wunder Jesu erst später ausgeschmückt – oder gehörten sie von Anfang an zur öffentlichen Erinnerung an Jesus von Nazareth?

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Themenrelevante Wikipedia-Infos:
  • Bibel (Wikipedia)
    Als Bibel (Femininum in Großschreibung altgriechisch Βίβλος Bíblos, deutsch ‚(das) Buch (überhaupt)‘) oder (Die) Heilige Schrift bezeichnet man die wichtigste religiöse Textsammlung im Judentum wie auch im Christentum. Sie gilt Gläubigen als göttlich inspiriert, mindestens aber als orientierender Maßstab, und wird darum im religiösen wie im kulturellen Leben immer wieder angeeignet. Die jüdische und die christliche Bibel haben sich im Lauf ihrer Entwicklung gegenseitig beeinflusst; sie sind parallel zueinander, teilweise in Abgrenzung voneinander entstanden. Die Bibel des Judentums ist der dreiteilige Tanach, der aus der Tora („Weisung“, auch Torah), den Nevi’im („Propheten“) und Ketuvim („Schriften“) besteht. Während die Tora nach ihrem Selbstzeugnis von Gott dem Mose am Sinai gegeben sei und einige ihrer Texte von Mose auch selbst niedergeschrieben seien, stellt sich dies aus historischer Sicht anders dar. Denn erst seit dem 9. oder 8. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich in Israel eine Schriftkultur aus einer vorausgehenden Kultur der mündlichen Überlieferung, und erst in hellenistischer und römischer Zeit hatten größere Teile der Bevölkerung die Möglichkeit, biblische Texte auch privat zu lesen und sich dadurch anzueignen. Ein Teil der frühjüdischen Literatur wurde in den jüdischen Bibelkanon aufgenommen, andere Schriften jedoch nicht. Während dieser Prozess noch im Gange war, entstand das Christentum und bezog sich von Anfang an auf die heiligen Schriften Israels. Jesus von Nazaret deutete sein Wirken im Licht dieser Texte, und die erste christliche Gemeinde sah diese Schriften durch die Auferstehung Jesu Christi als erfüllt an. Das Christentum eignete sich so die heiligen Schriften Israels und weitere frühjüdische Literatur (als Altes Testament) an, schuf aber auch eigene Texte, von denen einige verbindliche Bedeutung erlangten und schließlich als Neues Testament dem Alten Testament angefügt wurden. Die christliche Bibel ist das am häufigsten gedruckte und publizierte und in die meisten Sprachen übersetzte schriftliche Werk der Welt.
  • Glaube (Wikipedia)
    Unter Glauben versteht man ein Fürwahrhalten ohne methodische Begründung. Glauben in diesem Sinne bedeutet, dass ein Sachverhalt für anscheinend (hypothetisch) wahr oder wahrscheinlich gehalten wird. Darin unterscheidet sich „Glauben“ im weiteren Sinne einerseits vom religiösen Glauben im engeren Sinne, indem der religiöse Glaube auf dem Vertrauen auf Autorität oder Überlieferung beruht und die absolute Wahrheit des Glaubensinhalts (z. B. der Existenz Gottes) unterstellt; andererseits unterscheidet sich Glauben von Wissen, dessen Gegenstand als wahre und gerechtfertigte Tatsache verstanden werden kann. Demgegenüber steht die „bloße“ Meinung, der sowohl subjektiv als auch objektiv eine hinreichende Begründung fehlt. (In der Erkenntnistheorie werden Meinung und Glauben jedoch auch bedeutungsgleich verwendet.) Glauben im alltäglichen Sprachgebrauch ist also eine Vermutung oder Hypothese, welche die Wahrheit des vermuteten Sachverhalts zwar annimmt, aber zugleich die Möglichkeit einer Widerlegung offenlässt, falls sich die Vermutung durch Tatsachen oder neue Erkenntnisse als ungerechtfertigt herausstellen sollte. Wird diese Möglichkeit aufgrund eines gesteigerten Grades an subjektiver Gewissheit kaum noch zugelassen, spricht man von einer Überzeugung. Das Verb „glauben“ kann jedoch in unterschiedlichen Zusammenhängen unterschiedlich verwendet werden, etwa (in Bezug auf Personen) in der Bedeutung von „jemandem vertrauen“ oder auch in juristischen Kontexten.
  • Jesus (Wikipedia)
    Jesus von Nazaret (hebräisch Jeschua oder Jeschu, gräzisiert Ἰησοῦς; * zwischen 7 und 4 v. Chr., wahrscheinlich in Nazareth; † 30 oder 31 in Jerusalem) war ein jüdischer Wanderprediger. Etwa ab dem Jahr 28 trat er öffentlich in Galiläa und Judäa auf. Zwei bis drei Jahre später wurde er auf Befehl des römischen Präfekten Pontius Pilatus von römischen Soldaten gekreuzigt. Das Neue Testament (NT) ist als Glaubensdokument der Urchristen zugleich die wichtigste Quelle für die historische Jesusforschung. Danach hat Jesus Nachfolger berufen, den Juden seiner Zeit das nahe Reich Gottes verkündet und sein Volk darum zur Umkehr aufgerufen. Seine Anhänger verkündeten ihn nach seinem Tod als Jesus Christus, den Messias und Sohn Gottes. Daraus entstand eine neue Weltreligion, das Christentum. Auch außerhalb des Christentums wurde Jesus bedeutsam.
  • Religion (Wikipedia)
    Religion (von lateinisch religio ‚gewissenhafte Berücksichtigung, Sorgfalt‘, zu lateinisch relegere ‚bedenken, achtgeben‘, ursprünglich gemeint ist „die gewissenhafte Sorgfalt in der Beachtung von Vorzeichen und Vorschriften“) ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl unterschiedlicher Weltanschauungen, deren Grundlage meist der jeweilige Glaube an bestimmte transzendente (überirdische, übernatürliche, übersinnliche) Kräfte sowie häufig auch an heilige Objekte darstellt. Im deutschen Sprachraum wird der Begriff Religion zumeist sowohl für die individuelle Religiosität als auch für die kollektive Religionstradition verwendet. Die Lehren einer Religion sind meist nicht beweisbar im Sinne der Wissenschaftstheorie, sondern beruhen auf dem Glauben an Mitteilungen bestimmter Vermittler (Religionsstifter, Propheten, Schamanen) oder an intuitive und individuelle Erfahrungen. Solche spirituellen Mitteilungen oder Erfahrungen werden in vielen Religionen als Offenbarung bezeichnet. Skeptiker und Religionskritiker suchen demgegenüber allein nach kontrollierbarem Wissen durch rationale Erklärungen. Religion kann wie auch andere Weltanschauungen Wertvorstellungen normativ beeinflussen, menschliches Verhalten, Handeln, Denken und Fühlen prägen, und in diesem Zusammenhang eine Reihe von ökonomischen, politischen und psychologischen Funktionen erfüllen. Diese umfassenden Eigenschaften von Religion bergen in sich das Risiko der Bildung religiöser Ideologien. In der Religionswissenschaft nimmt man heute nicht mehr an, dass Religion ein Phänomen sei, das in allen Kulturen und Zeitaltern anzutreffen sei und daher ein menschliches Grundbedürfnis wäre. Vielmehr gilt der Religionsbegriff in der heutigen Ausformung als modernes Konzept. Während unterschiedliche Wissenschaftler die Entstehung des Religionsbegriffes in der heutigen Bedeutung erst in die Mitte des 19. Jahrhunderts datieren, nehmen andere bereits für das 18. oder 17. Jahrhundert eine Konsolidierung des Begriffes an. Es ist darum problematisch, vor dieser Zeit von „Religion“ zu sprechen. Dennoch lassen sich in vormodernen Kulturen fast ausnahmslos Phänomene finden, die mit dem modernen Begriff „Religion“ zu beschreiben …
  • wissenschaft (Wikipedia)
    Das Wort Wissenschaft (mittelhochdeutsch wizzen[t]schaft beinhaltet Wissen, Vorwissen, Genehmigung; lateinisch scientia) bezeichnet die Gesamtheit des menschlichen Wissens, der Erkenntnisse und der Erfahrungen einer Zeitepoche, die systematisch erweitert, gesammelt, aufbewahrt, gelehrt und tradiert wird. Wissenschaft ist die Methodik des überprüfbaren Erkenntnisgewinns. Sie nutzt dazu die Arbeitsmittel Beobachtung, Experiment, Analyse, Theorie, Veröffentlichung, Kritik, Überprüfung, Überarbeitung und Weiterentwicklung. Alte obsolete Wissensstände können ihrerseits Untersuchungsgegenstand im Rahmen der Wissenschaftsgeschichte werden.
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