18 Organisationen und 6 Verbände mit über 230 Mitgliedsorganisationen fordern Bundesverteidigungsminister Pistorius auf, das Rekrutierungsalter für Bundeswehrsoldaten sofort auf 18 Jahre anzuheben
Angesichts schwerer Kinderrechtsverletzungen wie sexueller Gewalt und eines massiven Anstiegs der Zahl der minderjährigen Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr auf über 3.100 in 2025 fordern 18 Organisationen und 6 Dachverbände mit über 230 Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen Menschenrechte, Frieden, Umwelt, Kirche und Gewerkschaft mit zusammen über einer halben Million Mitgliedern Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius auf, das Rekrutierungsalter für Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr durch eine Dienstanweisung sofort auf 18 Jahre anzuheben und Bundeswehrwerbung bei Minderjährigen zu beenden.
Sehr geehrter Herr Bundesminister Pistorius,
wir sind 18 nationale und internationale Organisationen und 6 Dachverbände mit über 230 Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen Menschenrechte, Frieden, Umwelt, Kirche und Gewerkschaften, die zusammen über eine halbe Million Mitglieder repräsentieren. Wir sind sehr besorgt über die immer weiter steigende Rekrutierung minderjähriger Soldat*innen in die Bundeswehr, die schweren Kinderrechtsverletzungen dort und die Missachtung des internationalen 18-Jahre-Standards (Straight 18) bei der Rekrutierung.
Der aktuelle Bundeswehrskandal mit sexueller Gewalt, Rechtsextremismus, Alkoholexzessen und Drogenmissbrauch und über 55 beschuldigten Soldaten in einer Fallschirmjäger-Kaserne in Zweibrücken zeigt so wie viele ähnliche Skandale zuvor: Eine Armee ist kein Ort für Minderjährige, auch nicht in der Ausbildung. Dort können weder die Sicherheit garantiert noch Kinderrechte und Jugendschutz eingehalten werden. Unter den Opfern in Zweibrücken war nach Angaben Ihres Ministeriums auch mindestens eine minderjährige Soldatin. Bekannt ist auch, dass 2023 zwei Fallschirmjäger dieser Kaserne eine 18-Jährige Soldatin vergewaltigt haben und dafür gerichtlich verurteilt wurden, ebenso wie im selben Jahr zwei Bundeswehrsoldaten in Köln für die Vergewaltigung einer 18-Jährigen in einer Kaserne.
Auch zahlreiche von Ihrem Ministerium veröffentlichten Daten (1) belegen, dass es jedes Jahr zu schweren Kinderrechtsverletzungen bei minderjährigen Soldat*innen der Bundeswehr kommt, darunter sexuelle Gewalt, Unfälle und psychische Erkrankungen. Das sind schwere Verstöße gegen die Verpflichtungen der UN-Kinderrechtskonvention und der ILO-Konvention 182 zur Beendigung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit, die riskante Arbeiten für alle unter 18-Jährigen streng verbietet – darunter fällt auch der Dienst als Soldat*in, auch schon in der Ausbildung.
Als verantwortlicher Minister halten Sie bisher trotz der genannten schwerwiegenden Vorfälle und Probleme, die seit langem bekannt sind und sich jedes Jahr wiederholen, an der Rekrutierung Minderjähriger als Soldat*innen fest – obwohl Gutachten verschiedener Rechtswissenschaftler wie Dr. Hendrik Cremer und Prof. Michael Krennerich (2) nachgewiesen haben, dass diese Praxis rechtswidrig ist, weil sie gegen nationale Gesetze wie das Jugendschutzgesetz und das Jugendarbeitsschutzgesetz verstößt und gegen völkerrechtliche Verpflichtungen der UN-Kinderrechtskonvention und ihrer Zusatzprotokolle.
2025 wurden sogar so viele minderjährige Soldatinnen und Soldaten in die Bundeswehr rekrutiert wie nie zuvor, über 3.100, ein starker Anstieg um über 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Sie erhalten dieselbe militärische Ausbildung an der Waffe wie Erwachsene und werden in Kasernen und bei Übungen mit diesen zusammen untergebracht, trotz der bekannten gravierenden Risiken und Missstände.
Wir fordern Sie dringend auf, künftig keine Minderjährigen mehr als Soldat*innen der Bundeswehr zu rekrutieren und den internationalen 18-Jahre-Standard (Straight 18) einzuhalten – wie dies schon über 150 Staaten weltweit tun, darunter die große Mehrheit aller NATO- und EU-Staaten. Dies und ein Verbot von Bundeswehrwerbung bei Minderjährigen fordert die SPD-Fraktion in einem Positionspapier (3), ebenso der UN-Kinderrechteausschuss (4) und Mitglieder des UN-Menschenrechtsrats wie Schweden (UPR-Empfehlung an Deutschland) (5). Als Verteidigungsminister können Sie beide Forderungen sofort durch eine Dienstanweisung umsetzen.
Wir bitten Sie eindringlich: Handeln Sie, beenden Sie endlich die schweren Kinderrechtsverletzungen bei minderjährigen Soldat*innen!
Wir würden uns über eine baldige Antwort und die Möglichkeit freuen, das wichtige Thema Kindesschutz in der Bundeswehr und unsere dringenden Forderungen mit Ihnen zu besprechen.
Mit freundlichen Grüßen
Maike Finnern
Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Joshua Hofert
Vorstandssprecher Terre des Hommes Deutschland e.V.
Birgit Wehner und Odilo Metzler
Bundesvorsitzende, pax christi Deutsche Sektion e.V.
Kristian Golla
Geschäftsführer Netzwerk Friedenskooperative
Jürgen Grässlin
Bundessprecher DFG-VK
Dr. Christoph Dembowski
Vorstandsmitglied IPPNW – Internationale Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzt*innen in sozialer Verantwortung e.V.
Annegret Krüger
Vorsitzende Frauennetzwerk für Frieden e. V.
Dieter Müller-Nöhring und Wilfried Gaum
Erster und Zweiter Vorsitzender der Quäker-Hilfe e.V.
Ralf Willinger und Frank Mischo
Sprecher Deutsches Bündnis Kindersoldaten
Günter Burkhardt, im Namen des Forum Menschenrechte
Koordinationskreis Forum Menschenrechte und Sprecher der AG Frieden
Bianka Pergande und Sven Stumpf
Sprecher:innen National Coalition Deutschland – Netzwerk zur Umsetzung der UN – Kinderrechtskonvention
Renate Wanie
Co-Vorsitzende Bund für Soziale Verteidigung e.V.
Jan Gildemeister
Geschäftsführer Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden e.V.
Holger Hofmann
Bundesgeschäftsführer Deutsches Kinderhilfswerk
Martin Kaiser
Geschäftsführender Vorstand, Greenpeace e.V.
Philipp Frisch
Direktor Human Rights Watch Deutschland
Michael Müller
Bundesvorsitzender NaturFreunde Deutschlands e.V.
Ria Noskovics
Bundesvorstand BUNDjugend
Felix Krauß
Vorstandsvorsitzender Nürnberger Menschenrechtszentrum e.V.
Therese Wenzel
Geschäftsführerin Weltfriedensdienst e.V.
Mariana Lechterbeck
Co-Vorsitzende der Women’s League for Peace and Freedom Germany
Rudolf Mehl
Vorsitzender des deutschen Zweiges des internationalen Versöhnungsbundes
Br. Jürgen Neitzert und Br. Markus Fuhrmann
Deutsche Franziskanerprovinz
Gerhard E. Fuchs-Kittowski
Präsident Deutscher Friedensrat e.V.
Benno Malte Fuchs
Landesgeschäftsführer DFG-VK NRW
(1) Unter anderem: Antwort auf Bundestagsanfrage: https://dserver.bundestag.de/btd/20/119/2011991.pdf
und Antwort des BMVG auf Abgeordnetenanfrage: download
(2) Michael Krennerich (2020): Schattenbericht Kindersoldaten, bei unter18nie.de unter Publikationen
(3) Positionspapier der SPD-Bundestagsfraktion
(4) Aktuelle Empfehlungen (Concluding Observations) Nr. 44 und 45 des UN-Kinderrechteausschusses an Deutschland (2022)
(5) Empfehlung Schwedens im UN-Menschenrechtsrat an Deutschland (2023), dokumentiert im Report of the Working Group on the Universal Periodic Review Germany, Absatz 140.262
Verantwortlicher für diese Pressemitteilung:
Unter 18 Nie! Keine Minderjährigen in der Bundeswehr c/o Terre des Hommes Deutschland e.V.
Herr Ralf Willinger
Ruppenkampstr. 11a
49084 Osnabrück
Deutschland
fon ..: 0541-7101-108
web ..: https://www.unter18nie.de
email : r.willinger@tdh.de
„Unter 18 Nie! Keine Minderjährigen in der Bundeswehr“ ist ein Bündnis von 10 Organisationen aus den Bereichen Menschenrechte, Frieden, Kirche und Gewerkschaft, die sich für eine Anhebung des Rekrutierungsalter von Soldat:innen der Bundeswehr auf 18 Jahre und einen Stopp der Bundeswehrwerbung bei Minderjährigen einsetzen. www.unter18nie.de
Pressekontakt:
Unter 18 Nie! Keine Minderjährigen in der Bundeswehr c/o Terre des Hommes Deutschland e.V.
Herr Ralf Willinger
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- Politik, Recht, Gelellschaft (Wikipedia)
Politik bezeichnet die Strukturen (Polity), Prozesse (Politics) und Inhalte (Policy) zur Regelung der Angelegenheiten eines Gemeinwesens durch allgemein verbindliche und somit in der Regel auf politischer Macht beruhende Entscheidungen. Politik regelt dabei insbesondere das öffentliche, aber teilweise auch das private (Zusammen-)Leben der Bürger, die Handlungen und Bestrebungen zur Führung des Gemeinwesens nach innen und außen sowie die Willensbildung und Entscheidungsfindung über Angelegenheiten des Gemeinwesens. Abstrakt formuliert wird in der Politikwissenschaft auch von der „Verteilung von Werten (materiellen wie Geld oder nicht-materiellen wie Demokratie)“ gesprochen.