Wenn das Licht ausgeht: Wie Hausbesitzer ihre Stromversorgung für den Ernstfall absichern

Notstrom und Ersatzstrom für Eigenheime: Was PV-Anlage und Batteriespeicher im Blackout wirklich leisten – und was nicht

Wenn das Licht ausgeht: Wie Hausbesitzer ihre Stromversorgung für den Ernstfall absichern

(Bildquelle: @Elektro+)

Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, Batteriespeicher im Keller – und trotzdem kein Licht beim Stromausfall? Für viele Hausbesitzer ist das eine unangenehme Überraschung. Auch hat der großflächige Stromausfall in Berlin Anfang des Jahres deutlich gemacht, wie wichtig es ist, Netze und Energieinfrastruktur resilienter zu machen. Wer seine Energieversorgung resilient, also krisenfest, aufstellen will, muss genauer hinschauen. Denn nicht jedes System mit Speicher schützt automatisch vor Netzausfällen. „Die meisten Hausbesitzer mit PV-Anlage glauben, sie sind im Ernstfall auf der sicheren Seite. Das stimmt leider nur, wenn die Anlage von Anfang an auf Notstromfähigkeit ausgelegt wurde – oder nachgerüstet wird“, sagt Marc Woehner, Experte der Initiative Elektro+.

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Das deutsche Stromnetz ist gut – aber kein Garant
Deutschland verfügt über eines der stabilsten Stromnetze weltweit. Laut Bundesnetzagentur lag die durchschnittliche Versorgungsunterbrechung je Haushalt zuletzt bei rund zwölf Minuten pro Jahr. Dennoch können Extremwetterereignisse, Leitungsschäden oder regionale Netzüberlastungen einzelne Haushalte für Stunden oder Tage treffen. „Wer einmal tagelang ohne Strom war, weil ein Sturm die Leitungen in seiner Straße beschädigt hat, denkt über Eigenversorgung ganz anders nach“, sagt Woehner.

Strom für medizinische Geräte: unterschätztes Risiko
Für die meisten Haushalte ist ein mehrstündiger Stromausfall eine lästige Unterbrechung. Für Menschen, die auf elektrische Medizinprodukte angewiesen sind, kann er zur ernsten Gefahr werden. Treppenlifte, Atemhilfsgeräte oder Insulin-Kühlschränke benötigen eine verlässliche Stromversorgung. „Viele denken bei Notstrom zunächst an Komfort – Licht, Kühlschrank, WLAN. Wer medizinische Geräte im Haushalt hat, sollte das bei der Planung ausdrücklich ansprechen, damit Leistung und Speichergröße gezielt darauf abgestimmt werden“, erklärt Woehner.

Notstrom oder Ersatzstrom – zwei Lösungen mit großem Unterschied
Fachleute unterscheiden zwei Versorgungsformen: Beim Notstrom versorgt ein notstromfähiger Hybridwechselrichter bei Netzausfall einzelne definierte Steckdosen – typisch bis zu 3.000 Watt, genug für Kühlschrank, Router und Beleuchtung. Die übrige Hausinstallation bleibt ohne Strom. Beim Ersatzstrom hingegen trennt sich das gesamte System automatisch vom öffentlichen Netz und versorgt das ganze Haus weiter – so als wäre nichts geschehen. Das System baut dabei ein eigenes, vom öffentlichen Netz getrenntes Versorgungsnetz auf – in der Fachsprache auch „Inselbetrieb“ genannt. Das öffentliche Netz liefert Strom über drei getrennte Stromkreise, in der Fachsprache Phasen genannt. Normale Steckdosen hängen an einer Phase, leistungsstarke Geräte wie Herd, größere Wärmepumpen oder Wallboxen benötigen in der Regel alle drei gleichzeitig. Wer im Winter zwar Licht, aber keine Heizung hat, weil der Wechselrichter nur einphasig ausgelegt ist, hat an der falschen Stelle gespart. Für die dreiphasige Ersatzstromversorgung ist zusätzlich eine Umschalteinheit – oft als „Backup Box“ bezeichnet – erforderlich. Moderne Systeme übernehmen die Umschaltung vollautomatisch, teils in unter einer Sekunde.

Ich habe PV und Speicher – bin ich also automatisch abgesichert?
Diese Annahme ist weit verbreitet – und falsch. Eine Standard-Photovoltaikanlage schaltet sich bei einem Netzausfall automatisch ab – auch wenn ein Batteriespeicher vorhanden ist. Der sogenannte Wechselrichter, das Gerät, das den von der PV-Anlage erzeugten Gleichstrom in haushaltsüblichen Wechselstrom umwandelt, trennt die Anlage vom Hausnetz, sobald er Abweichungen im öffentlichen Netz registriert. Das ist gesetzlich vorgeschrieben und schützt Handwerker, die am Netz arbeiten. „Notstromfähigkeit muss man aktiv planen und bestellen – sie ist kein Standard und auch bei teuren Systemen nicht automatisch enthalten“, betont Woehner. Wer im Ernstfall versorgt sein will, braucht zwingend einen speziell ausgelegten Hybridwechselrichter mit integrierter Notstromfunktion sowie einen ausreichend dimensionierten Batteriespeicher.

Was kostet Notstromfähigkeit?
Die einphasige Notstromfunktion ist bei vielen aktuellen Hybridwechselrichtern bereits enthalten oder gegen geringen Aufpreis erhältlich; der Richtwert für das Gerät liegt bei rund 1.200 bis 2.500 Euro. Für die dreiphasige Ersatzstromversorgung kommen Kosten für Backup Box und gegebenenfalls Motorschalter hinzu – diese Position ist nicht automatisch im Systempreis enthalten. Bei der Speichergröße gilt: Für eine Grundversorgung werden mindestens 5 bis 10 Kilowattstunden (kWh) empfohlen. Wichtig dabei: Viele Speicher lassen sich so konfigurieren, dass ein fester Prozentsatz – etwa 10 bis 20 Prozent der Kapazität – dauerhaft als Notfallreserve zurückgehalten wird und nicht für den normalen Betrieb zur Verfügung steht. Diese Reserve sollte bei der Planung der Gesamtkapazität eingerechnet werden. Das Laden eines Elektroautos über den Speicher ist im Notstrombetrieb in der Regel nicht sinnvoll: Wallboxen benötigen hohe Leistung und meist alle drei Phasen – das übersteigt, was ein typischer Hausspeicher im Ernstfall zuverlässig liefern kann.
Für Auswahl, Planung und fachgerechte Installation empfiehlt sich die Beratung durch einen Elektrofachbetrieb. Unterstützung bietet die Initiative Elektro+ unter www.elektro-plus.com/fachbetriebssuche Weitere Informationen und kostenlose Broschüren finden Interessierte unter www.elektro-plus.com/downloads

Checkliste für Hausbesitzer
Wer seine Anlage auf Notstromfähigkeit prüfen oder neu planen möchte, sollte folgende Fragen stellen:
-Ist mein Wechselrichter explizit als notstrom- oder ersatzstromfähig ausgewiesen?
-Bin ich einphasig oder dreiphasig abgesichert – und reicht das für meine wichtigsten Verbraucher?
-Ist eine Umschalteinheit (Backup Box) verbaut?
-Ist mein Speicher groß genug, um kritische Geräte über mehrere Stunden zu versorgen – inklusive eingerechneter Notfallreserve?
-Kann der Speicher tagsüber über die PV-Anlage nachgeladen werden, auch wenn das Netz nicht verfügbar ist?

Die Standards der Elektroausstattung in Wohngebäuden zu verbessern und Bauherr:innen und Modernisierer:innen herstellerübergreifend und markenneutral über die Vorteile einer modernen, zukunftssicheren Elektroinstallation aufzuklären, ist Anliegen der Initiative ELEKTRO+. Die Initiative vereint die Fachkompetenz führender Markenhersteller und Verbände der Elektrobranche. Weitere Informationen unter www.elektro-plus.com

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Themenrelevante Wikipedia-Infos:
  • Notstrom (Wikipedia)
    Notstrom, Notstromanlage oder Notstromversorgung steht für: Ersatzstromversorgungsanlage (auch Netzersatzanlage), sichert im Rahmen der „Allgemeinen Ersatzstromversorgung“ die Verfügbarkeit von elektrischer Energie durch eine zusätzliche netzunabhängige Stromquelle Unterbrechungsfreie Stromversorgung, schützt vor Schäden durch Schwankungen und Ausfall der Stromversorgung Stromerzeugungsaggregat, werden unabhängig von ihrem Einsatz häufig als Notstromaggregate bezeichnet Siehe auch:
  • photovoltaik (Wikipedia)
    Unter Photovoltaik bzw. Fotovoltaik versteht man die direkte Umwandlung von Lichtenergie, meist aus Sonnenlicht, mittels Solarzellen in elektrische Energie. Seit 1958 wird sie in der Raumfahrt genutzt, später diente sie auch zur Energieversorgung einzelner elektrischer Geräte wie Taschenrechnern oder Parkscheinautomaten. Heute ist mit großem Abstand die netzgebundene Stromerzeugung mit Photovoltaikanlagen auf Dachflächen und mit Freiflächenanlagen das wichtigste Anwendungsgebiet. Ende 2025 waren weltweit Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von ca. 2,8 Terawatt (TW, 1 TW = 1000 GW) installiert, wobei mehr als 600 GW neu zugebaut wurden. Zwischen 2016 und 2025 stieg die weltweit installierte Photovoltaik-Leistung mit einer Wachstumsrate von durchschnittlich 27 % pro Jahr. Nach einer 2019 erschienenen Arbeit in Science wird erwartet, dass die installierte Leistung bis 2030 ca. 10 TW erreichen und 2050 bei 30 bis 70 TW liegen könnte. Die Stromerzeugung aus Photovoltaik lag 2025 bei 2.778 TWh; das waren 8,7 % der weltweiten Stromerzeugung. Damit lag sie erstmals vor der Windenergie (2715 TWh) und nur noch minimal hinter der Kernenergie (2812 TWh). Binnen eines Jahres stieg die PV-Stromerzeugung um 636 TWh bzw. 29,7 % an. Mit Stand April 2026 verdoppelt sich die Solarstromerzeugung alle drei Jahre. In 42 Staaten lieferte die Photovoltaik 2025 mindestens 10 % der Stromerzeugung; den größten Anteil hatte sie in Ungarn mit 25 %. Die Internationale Energieagentur hielt 2020 fest, dass Photovoltaikanlagen, die auf guten Standorten und mit günstigen institutionellen Bedingungen errichtet werden, inzwischen die günstigste Form der Stromerzeugung der Geschichte seien. Dank der durch Massenproduktion stark gefallenen Preise der Anlagenkomponenten war damit die lange Zeit akzeptierte Einschätzung überholt, dass die Photovoltaik die teuerste Form der Stromerzeugung mittels erneuerbarer Energien sei. Bereits 2014 lagen die Stromgestehungskosten der Photovoltaik in bestimmten Regionen der Erde auf gleichem Niveau oder sogar niedriger als bei fossilen Konkurrenten. Unter Berücksichtigung externer Kosten der fossilen Stromerzeugung (d. h. Umwelt-, Klima- und …
  • Stromausfall (Wikipedia)
    Ein Stromausfall (auch: ungeplante Versorgungsunterbrechung) ist eine plötzlich ungeplant auftretende Netzstörung im Stromnetz, durch die unbeabsichtigt die Elektrizitätsversorgung der Stromverbraucher unterbrochen ist, teils in ganzen Ländern und halben Kontinenten, siehe Liste historischer Stromausfälle. Dagegen werden geplante Versorgungsunterbrechungen zuvor angekündigt und müssen in Deutschland ggf. der Bundesnetzagentur gemeldet werden. Die längerfristige absichtliche Einstellung der Energieversorgung, beispielsweise wegen ausbleibenden Zahlungen, wird als Stromsperre bezeichnet.
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