Stefan Kühn: Die Party geht weiter! (Teil 2) – Viele Indikatoren sprechen für einen Markt im späten Zyklus.

Das Tapering beginnt, die US-Notenbank nimmt den Fuß langsam vom Gas und hat das auch richtig kommuniziert! Die Aktienmärkte haben darauf sehr enthusiastisch reagiert – Viel ,heißes‘ Geld im Markt.

BildEinige Indikatoren deuten allerdings darauf hin, dass wir uns in einem späten Zyklus der Marktentwicklung befinden! Ein wichtiges Signal ist dabei, dass die Gewinnentwicklung sehr positiv überrascht.

4 Bespiele von Phänomenen für einen Markt im späten Zyklus

1. Die Manie der ,Meme-Aktien‘ ist zurück!

Sie erinnern sich wahrscheinlich an die Kurskapriolen von Aktien wie Gamestop im Januar dieses Jahres. Zu ähnlich verrückten Bewegungen kam es an den US-Börsen in der Woche vom 1. November: Die Aktien des Autovermieters Avis sprangen am Dienstag um mehr als 100% in die Höhe, ebenso die Titel des Detailhändlers Bed, Bath & Beyond. US-Anleger scheinen erneut auf der Jagd nach ,Meme-Aktien‘ zu sein. Das Wort „Meme“ stammt dabei vom altgriechischen Wort „mimema“ ab und bedeutet Nachahmung. Es bezeichnet Informationen, die nachgeahmt und oft übe ,Mundpropaganda ‚in sozialen Medien verbreitet werden. Eine Meme-Aktie ist also eine ,geteilte Idee‘ zum Investieren, die von anderen Investoren dann nachgeahmt wird. Also Titel, die in den Fokus von Anlegern auf Internet-Foren wie etwa Reddit geraten. Das hat den Kurs von GameStop, aber auch von Konsumaktien wie AMC Entertainment und Bed Bath & Beyond zuletzt wieder beflügelt. Bei letzteren erwirkten Spekulanten gar einen Short-Squeeze, bei dem sich Leerverkäufer schnell mit den Titeln eindecken mussten, um ihre Position zu decken.

2. Der Optionshandel von Retailkunden

Nicht nur die Aktien des Elektroautopioniers sind derzeit im Fokus solchen Verhaltens. Der gleitende 20-Tage-Durchschnitt der auf dem US-Aktienmarkt gehandelten Call-Optionen ist 2020 sprunghaft gestiegen, bewegt sich seither mit über 20 Mio. ausstehender Kontrakte deutlich über dem Niveau von vor der Pandemie und hat zuletzt wieder zugenommen.
So richtig Fahrt aufgenommen hatte der Handel mit Call-Optionen im Sommer 2020. Schon damals wetteten Spekulanten auf Tesla. Zudem riefen Reddit-Nutzer dazu auf, in die Aktien des serbelnden Detailhändlers für Videospiele GameStop zu investieren. Mit Erfolg: Anfang 2021 schoss der Aktienkurs durch die Decke.
Der jüngste Kursanstieg scheint auch von technischen Faktoren beeinflusst zu sein. In diesem Fall von einem sogenannten ,Gamma swueeze‘: dabei mussten Verkäufer von Optionen in riesigen Volumen Call-Optionen von Tesla mit kurzer Restlaufzeit kaufen, um ihr Positionsrisiko abzusichern. Das wiederum hat den Kurs immer weiter in die Höhe getrieben, den Käufern der Calls hohe Gewinne beschert und weitere Käufe von Call-Optionen nach sich gezogen. Kurzlaufende Optionen sind für den Verkäufer (oder Schreiber) sehr gefährliche Instrumente, da kleine Bewegungen des unterliegenden Werts massive Auswirkungen auf den Wert der Option haben können. Das Preisverhalten wird dadurch schwer berechenbar und die Rückkopplungseffekte führen zu einer weiteren Kursbewegungen – nach oben und nach unten!‘, erläutert Finanzexperte Stefan Kühn, Vorstand der Autark AG, Duisburg, dieses Phänomen. Wir werden darüber noch detailliert berichten.

,Laut Bloomberg dürften die spekulativen Käufe in den kommenden Wochen weiter hoch bleiben. Sobald es Rufe nach einer Santa-Claus-Rally in die Chatrooms schaffen, könnten gerade Aktien von Detailhändlern und anderen Konsumtiteln sowie Call-Optionen auf diese stark gefragt sein – wenn die Probleme mit den globalen Lieferketten diesen Enthusiasmus nicht dämpfen.

3. Tradingplattformen beseitigen Eintrittsbarrieren und Kosten

Die deutlich erhöhten Handelsvolumen sind auch eng verknüpft mit dem Aufstieg der Handelsplattform Robin Hood. Dort können Kleinanleger gratis oder zu sehr günstigen Konditionen mit Aktien handeln. Nicht wenige Investoren dürften so das Geld aus den US-Stimulusmassnahmen zur Soforthilfe und Ankurbelung der Wirtschaft sowie ihre freie Zeit während des Lockdowns genutzt haben! Sie sehen das soziale Umfeld und die technischen Möglichkeiten das Geschehen an der Börse beeinflusst!

Zuletzt ist die Aktivität auf Robin Hood und anderen Retail-Brokern zwar deutlich gesunken. Gemäß Daten des Clearinghauses für Optionen OCC übersteigt das Volumen der durch Kleinanleger gehandelten Call-Optionen aber das langfristige Niveau – und in der Regel auch das Volumen der durch Grosz Investoren gehandelten Kontrakte.

Derartige Preisbewegungen entziehen sich jeder Schwerkraft in Form von Bewertungsmodellen. Spekulationsblasen können sich – getrieben durch solche Turbos – so z.B. in ihrer letzten, von Euphorie getriebenen Phase sehr lange aufblähen – viel länger, als die meisten Beobachter annehmen!‘, gibt Finanzprofi Stefan Kühn von der Musical and More AG, Duisburg, zu bedenken.

4. Immer mehr Gesellschaften wagen den Börsengang!
,Ebenfalls ein Indikator für einen Markt im späten Zyklus die hohe Zahl von IPOs, also Börsengängen, in der Woche vom 1. November waren es allein 11 Stück, darunter der Tesla-Rivale Rivian. Das defizitäre Unternehmen wird bereits mit USD 100 Mia. bewertet!

Traditionelle Börsengänge haben im bisherigen Jahresverlauf USD 155 Mia. eingenommen, ein Anstieg von 185% gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2021 wurden bisher 417 Börsengänge eingereicht, ein Anstieg um 106% gegenüber dem gleichen Zeitraum 2020. Die Motivation ist klar: an die Börse gehen, solange die Investoren noch hungrig sind!‘, fasst Finanzexperte Stefan Kühn, Vorstand der Autark AG, Duisburg, zusammen.

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Stefan Kühn ist Ökonom; er befasst sich seit einigen Jahren mit den volkswirtschaftlichen Veränderungen und der Interdependenz der Märkte sowie der politischen Einflussnahme in Bezug auf Unternehmen, Gesellschaft und den Geldmarkt. Er vertritt die These, dass es sich bei makroökonomischen keynesianischen und neu-keynesianischen Modellen meistens um vollständig interdependente ökonomische Systeme handelt, die nicht rekursiv, sondern nur simultan gelöst werden können. Dabei betrachtet er nicht allein rein wissenschaftliche Methoden, sondern bezieht seine Erkenntnisse aus seiner langjährigen Tätigkeit als Unternehmer und Consultant des Managements überwiegend börsennotierter Unternehmen wie der Autark Entertainment Beteiligungsholding AG, Musical & More AG, Autark Entertainment AG, u.a

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