Krebsforschung: Gewürzbestandteil Curcumin könnte zentrale Schutzfunktion von Zellen verbessern

Ein unerwarteter Wirkstoff bringt Krebszellen aus dem Gleichgewicht – und eröffnet neue Therapieansätze

Krebsforschung: Gewürzbestandteil Curcumin könnte zentrale Schutzfunktion von Zellen verbessern

Krebsforschung: Gewürzbestandteil Curcumin könnte zentrale Schutzfunktion von Zellen verbessern

Lindenberg, 18. Juni 2026. Ein Gewürz aus der Küche rückt in den Fokus der Krebsforschung: Curcumin, der Hauptbestandteil von Kurkuma, könnte eine entscheidende Schwachstelle vieler Tumoren ausgleichen. Forschende der Ludwig-Maximilians-Universität München haben herausgefunden, dass die Substanz einen wichtigen zellulären Schutzmechanismus überbrücken kann, der bei mehr als der Hälfte aller Dickdarmkrebserkrankungen außer Kraft gesetzt ist.

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Dickdarmkrebs zählt weltweit zu den häufigsten Krebsarten – und oft fehlt den betroffenen Zellen ein zentraler „Wächter“: das Tumorsuppressorgen p53. Fällt dieses Gen durch Mutationen aus, verlieren Zellen eine ihrer wichtigsten Kontrollinstanzen. Genau hier setzt die neue Forschung an.

Das Forschungsteam konnte nun zeigen, dass Curcumin diesen Verlust teilweise kompensieren kann. Der Naturstoff aktiviert einen alternativen Signalweg – mit bemerkenswerten Folgen.

Im Zentrum steht dabei ein kleines, aber mächtiges Molekül: miR-34. Es gilt als entscheidender Faktor für die Tumorunterdrückung. Während seine Produktion normalerweise durch p53 gesteuert wird, gelingt es Curcumin, diesen Prozess unabhängig davon anzustoßen.

Die Forschenden konnten in Zellkulturen und im Mausmodell nachweisen, dass Curcumin in Tumorzellen die Bildung sogenannter reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) erhöht. Diese lösen eine Signalkaskade aus, an deren Ende der Transkriptionsfaktor NRF2 die Produktion von miR-34 ankurbelt. Das Ergebnis: Krebszellen altern vorzeitig, verlieren ihre Teilungsfähigkeit und sterben ab.

Doch damit nicht genug. Die behandelten Tumorzellen zeigen auch eine deutlich eingeschränkte Beweglichkeit – ein entscheidender Faktor bei der Metastasierung. Tatsächlich konnte das Team beobachten, dass die Streuung von Dickdarmkrebszellen in die Lunge im Mausmodell gehemmt wurde.

Die Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für die Krebsbehandlung. Statt ausschließlich auf klassische Therapieansätze zu setzen, könnten künftig auch alternative Signalwege gezielt genutzt werden, um Tumoren zu bekämpfen – möglicherweise mit Substanzen, die bislang vor allem aus der Küche bekannt sind.

Noch stehen weitere Studien aus, bevor aus dieser Entdeckung konkrete Therapien werden. Doch schon jetzt zeigt sich: Manchmal liegen vielversprechende Ansätze näher, als man denkt.

(Quelle: Darmkrebs: Curcumin aktiviert Tumor-hemmenden Signalweg, Ludwig-Maximilians-Universität München, Informationsdienst Wissenschaft (idw))

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Themenrelevante Wikipedia-Infos:
  • Curcumin (Wikipedia)
    Curcumin (abgeleitet aus arabisch كركم kourkoum ‚Safran‘) ist eine intensiv orange-gelbe, natürlich vorkommende chemische Verbindung, aus der Gruppe der Diarylheptanoide. Über eine ungesättigte C7-Kette, die eine 1,3-Diketoneinheit enthält, sind dabei zwei o-Methoxyphenolreste miteinander verbunden. Die Verbindung kann zur Stoffgruppe der pflanzlichen Polyphenole gezählt werden. Curcumin ist der Hauptbestandteil des Würz-, Heil- und Färbemittels Kurkuma, das zusammen mit anderen Gewürzen im Currypulver verwendet wird.
  • Krebsforschung (Wikipedia)
    Krebs bezeichnet in der Medizin die unkontrollierte Vermehrung und das wuchernde Wachstum von Zellen, d. h. eine bösartige Gewebeneubildung (maligne Neoplasie) bzw. einen auch Krebsgeschwulst oder Malignom genannten malignen (bösartigen) Tumor. Bösartig bedeutet, dass neben der Zellwucherung auch Absiedelung (Metastasierung) und Invasion in gesundes Gewebe stattfindet. Im engeren Sinn sind die malignen epithelialen Tumoren (Karzinome), dann auch die malignen mesenchymalen Tumoren (Sarkome) gemeint. Im weiteren Sinne werden auch die bösartigen Hämoblastosen als Krebs bezeichnet, wie beispielsweise Leukämie als „Blutkrebs“. Gutartige Tumoren wie Muttermale und Fettgeschwülste (Lipome) werden in der Fachsprache nicht als Krebs bezeichnet, aber sie können trotzdem gefährlich werden, da sie entarten können oder lebenswichtige Organe in deren Funktion beeinträchtigen (etwa der Kleinhirn-Brückenwinkeltumor). Krebs ist im allgemeinen Sprachgebrauch ein Sammelbegriff für eine Vielzahl verwandter Krankheiten, bei denen Körperzellen unkontrolliert wachsen, sich teilen und gesundes Gewebe verdrängen und zerstören können. Nach aktuellem Stand des Wissens entwickeln Plazenta-Säugetiere häufiger aggressive Epitheltumoren im Vergleich zu anderen Spezies, der Grund hierfür könnte die Evolution der feto-maternalen Immuntoleranz sein. An sich kann unkontrolliertes Zellwachstum aber in allen mehrzelligen Lebewesen vorkommen. Krebs hat unterschiedliche Auslöser, die alle zu einer Störung des genetisch geregelten Gleichgewichts zwischen Zellzyklus (Wachstum und Teilung) und Zelltod (Apoptose) führen. Die sich den Krebserkrankungen widmende medizinische Fachdisziplin ist die Onkologie.
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