Digitale Betriebsprüfung: Warum eine verspätete Buchführung teuer werden kann

Digitale Betriebsprüfung: Warum eine verspätete Buchführung teuer werden kann

Steuerberater Roland Franz

Essen – In Zeiten der Digitalisierung hat jeder Betriebsprüfer jederzeit Zugriff auf die einzelnen Buchungsdaten. Somit ist mit wenig Aufwand feststellbar, wann die Buchung erfolgte und zwangsläufig auch, ob dies zeitnah erfolgt ist. Roland Franz, Geschäftsführender Gesellschafter der Steuerberatungskanzlei Roland Franz & Partner in Essen und Velbert, weist darauf hin, dass ein Verzicht auf eine zeitnahe Erfassung den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung widerspricht und Konsequenzen hat.

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Nach der Abgabenordnung und dem Handelsgesetzbuch (§ 239 Abs. 2 HGB und § 146 Abs. 1 AO) sind die Buchungen zeitgerecht vorzunehmen, das heißt, die Geschäftsvorfälle müssen so zeitnah wie möglich bzw. in einem engen zeitlichen Zusammenhang gebucht werden. Zwar ist keine tägliche Eintragung in die Bücher erforderlich (Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 24.03.1970 (I R 38/68, BStBl II 1970, 540), jedoch ist jeder Geschäftsvorfall zeitnah, das heißt möglichst unmittelbar nach seiner Entstehung, in einer Grundaufzeichnung oder in einem Grundbuch unveränderlich zu erfassen.

Zeitgerechte Buchungen (zeitnah):

Geschäftsvorfälle müssen so zeitnah wie möglich nach ihrer Entstehung erfasst werden. „Kasseneinnahmen und -ausgaben bei Kassengeschäften müssen täglich festgehalten werden. Unbare Geschäftsvorfälle sollten laufend, zumindest aber zeitnah verbucht werden. Eine Sammlung von Belegen über Monate hinweg ist unzulässig. Es soll verhindert werden, dass Geschäftsvorfälle in der Schwebe bleiben oder später manipuliert werden“, erläutert Steuerberater Roland Franz die Fristen und den Zweck.

Unveränderliche Buchungen (Festschreibung):

Buchungen dürfen nicht so verändert werden, dass der ursprüngliche Inhalt nicht mehr nachvollziehbar ist. Elektronische Buchungen müssen elektronisch gegen nachträgliche Änderungen geschützt werden.

Seit dem 01.01.2020 müssen elektronische Kassensysteme über eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung (TSE) verfügen, die Daten unveränderlich speichert.

„Fehlerhafte Buchungen dürfen nicht einfach gelöscht oder überschrieben werden. Notwendige Korrekturen müssen so erfolgen, dass sowohl der ursprüngliche als auch der korrigierte Stand erkennbar bleibt“, ergänzt Steuerberater Roland Franz.

Eine ordnungsgemäße Buchführung ist nur dann gegeben, wenn sie
– richtig,
– vollständig,
– zeitgerecht,
– nachvollziehbar und
– übersichtlich ist.

„Wird die Buchführung nicht ordnungsgemäß durchgeführt, können die Finanzbehörden selbst eine Schätzung der Besteuerungsgrundlagen vornehmen. Wer inkorrekte oder unvollständige Angaben in der Buchführung macht, muss mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafen rechnen“, erklärt Steuerberater Roland Franz die Konsequenzen.

Insbesondere im Insolvenzfall bzw. bei einer Insolvenzverschleppung folgen auf Verstöße gegen die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) Freiheitsstrafen (§ 283 Strafgesetzbuch (StGB)).

Liegen erhebliche formelle oder inhaltliche Mängel bei der Buchführung vor, gilt sie nicht als ordnungsgemäß. In einem solchen Fall können folgende steuerrechtliche Konsequenzen eintreten:

– Das Finanzamt schätzt die Besteuerungsgrundlagen, die nicht den tatsächlichen Grundlagen des jeweiligen Unternehmens entsprechen müssen. Eine solche Einschätzung kann für das Unternehmen von erheblichem Nachteil sein.
– Steuerliche Vergünstigungen, die an bestimmte buchhalterische Nachweise geknüpft sind, werden dem Unternehmen entzogen.
– Die Beweislast wird umgekehrt.
– Dem Unternehmen werden Zwangsmittel angedroht und es kann sogar zu Strafverfahren kommen.

Straf- und zivilrechtlich gilt:
– Der Beweiswert der Geschäftsbücher wird infrage gestellt.
– Insolvenzvergehen nach §§ 283 ff. StGB sind strafbar (Bankrott).
– Kapitalgesellschaften kann der Bestätigungsvermerk versagt werden.

„Die Einhaltung von GoB und GoBD ist für Unternehmen essenziell, um gesetzliche Vorgaben zu erfüllen und eine ordnungsgemäße Buchführung sicherzustellen. Besonders im digitalen Kontext ist es wichtig, die GoBD zu berücksichtigen, um bei Betriebsprüfungen keine Nachteile zu erleiden. Unternehmen sollten daher ihre Buchführungsprozesse regelmäßig überprüfen und an die aktuellen gesetzlichen Anforderungen anpassen“, resümiert Steuerberater Roland Franz.

Die Kanzlei Roland Franz & Partner in Essen und Velbert ist seit mehr als 40 Jahren die erste Adresse für kompetente Steuerberatung und mehr. Die rund 30 Mitarbeiter der Niederlassungen bieten individuelle, auf die jeweilige Situation angepasste Lösungen. Um für jeden Mandanten möglichst viele Synergieeffekte ausschöpfen zu können, arbeiten in der Kanzlei mehrere Spezialisten zusammen. So profitieren die Mandanten von der Qualifikation und Erfahrung vieler Experten. Denn bei vielschichtigen Problemen kann keine Teillösung, sondern nur eine ganzheitliche Beratung zum Erfolg führen.

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Themenrelevante Wikipedia-Infos:
  • Abgabenordnung (Wikipedia)
    Die Abgabenordnung (AO) ist das elementare Gesetz des deutschen Steuerrechts. Da sich in ihr die grundlegenden und für alle Steuerarten geltenden Regelungen über das Besteuerungsverfahren finden, wird sie auch als Steuergrundgesetz bezeichnet. Als sogenanntes allgemeines Steuerrecht und Steuerverfahrensrecht ist in ihr geregelt, wie die Besteuerungsgrundlagen ermittelt werden, Steuern festgesetzt, erhoben und vollstreckt werden und außergerichtliche Rechtsbehelfe verfahrensrechtlich zu behandeln sind. Daneben enthält die Abgabenordnung auch wesentliche materiell-rechtliche Vorschriften zum Steuerstraf- und -ordnungswidrigkeitenrecht, zum Gemeinnützigkeitsrecht und zum Steuerschuldrecht. Während die einzelnen Steuergesetze (z. B. Einkommensteuergesetz oder Umsatzsteuergesetz) die Entstehung und Berechnung der Steuer regeln, enthält die AO grundsätzliche Regelungen darüber, wie die Steuer festzusetzen ist und wann sie zu entrichten ist.
  • Betriebsprüfung (Wikipedia)
    Die Außenprüfung ist im Bereich des Steuerrechts eine – von der Finanzbehörde im Außendienst vorzunehmende – Gesamtüberprüfung steuerlich relevanter Sachverhalte. Die Außenprüfung dient der Ermittlung, Prüfung und Beurteilung der Verhältnisse eines Steuerpflichtigen, um die Gleichmäßigkeit der Besteuerung sicherzustellen. Weil eine umfangreiche steuerliche Überprüfung – neben der Steuerfahndung – den stärksten Eingriff in die Rechte eines Steuerbürgers darstellt, gelten für die Durchführung besondere Voraussetzungen und Vorschriften. Die von der deutschen Zollverwaltung durchzuführenden Prüfungen auf dem Gebiet der Zölle und des Außenwirtschaftsverkehrs werden rechtlich den steuerlichen Außenprüfungen gleichgestellt. Die ordnungsgemäße Erhebung und Abführung der Beiträge zur Sozialversicherung wird ebenfalls durch Außenprüfungen gesichert.
  • Buchführungspflicht (Wikipedia)
    Buchführung bezeichnet die in Zahlenwerten vorgenommene, lückenlose, chronologisch, zeitlich und sachlich geordnete wertmäßige Aufzeichnung aller Geschäftsvorfälle aufgrund von Belegen auf Bestands- und Erfolgskonten, die mit der Gründung eines Betriebes beginnen und mit der Liquidation enden. Sie ist das zahlenmäßige Spiegelbild eines Unternehmens und wichtige Informationsquelle für den Unternehmer; sie dient außerdem dazu, den gesetzlich festgelegten Informationsanforderungen von Behörden nachzukommen. Die Buchführung erfasst alle wirtschaftlich relevanten Vorgänge in einem Unternehmen, insbesondere alle Wertzuwächse (Erträge) und Werteverbräuche (Aufwände) einer Periode sowie die Höhe bzw. die Zusammensetzung des Vermögens und des Kapitals (Bilanz). Aufzeichnungen wirtschaftlicher Vorgänge gehören zu den ältesten Schriftstücken überhaupt. Das heute vorherrschende System der doppelten Buchführung oder Doppik wurde im Mittelalter in Italien entwickelt und ist seitdem weitgehend unverändert in Gebrauch.
  • Buchhaltung (Wikipedia)
    Die Buchhaltung (englisch accounting, bookkeeping) ist die Organisationseinheit eines Unternehmens, die sich mit der Buchführung befasst. Häufig wird auch der umfassendere Begriff Rechnungswesen verwendet. Die Begriffe Buchhaltung und Buchführung werden als Tätigkeit umgangssprachlich häufig synonym verwendet. In der Betriebswirtschaftslehre bezeichnet der Begriff Buchführung nur die Methodik oder Tätigkeit. Personen, die mit der Buchhaltung betraut sind, werden als Buchhalter bezeichnet. Je nach Größe und Art der Organisation kann es sinnvoll sein, die Buchhaltung in Teilbereiche zu untergliedern. Die Finanzbuchhaltung bucht Vorgänge, die zur Bilanzierung und Gewinn- und Verlustrechnung nötig sind. Die Debitorenbuchhaltung verarbeitet die Forderungen an Kunden. Die Kreditorenbuchhaltung verarbeitet die Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten. Die Anlagenbuchhaltung verwaltet Güter des Anlagevermögens. Die Lohnbuchhaltung wickelt die Lohn- und Gehaltsabrechnungen ab. Die Kosten- und Leistungsrechnung ordnet zu, welche Kosten die einzelnen Unternehmensteile und/oder die Projekte verursachen. Die Lager- oder Mengenbuchhaltung ist für die Verbuchung von Geschäftsvorfällen in der Materialwirtschaft zuständig. Die Energiebuchhaltung wird im kommunalen Facilitymanagement angewendet. Die Kameralistik bzw. Kameralbuchhaltung ist eine Sonderform, die in der Vergangenheit vorwiegend in staatlichen Organisationen angewendet wurde, aber auch dort seit einigen Jahren zunehmend durch die doppische Buchhaltung abgelöst wird.
  • Finanzamt (Wikipedia)
    Ein Finanzamt ist eine Behörde der Finanzverwaltung.
  • GoBD (Wikipedia)
    Die Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff (GoBD) sind eine Verwaltungsanweisung des Bundesministerium der Finanzen der Bundesrepublik Deutschland. Als Verwaltungsvorschrift sind die GoBD nur für nachgeordnete Verwaltungsbehörden und Bedienstete des Finanzministeriums verbindlich.
  • Handelsgesetzbuch (Wikipedia)
    Das Handelsgesetzbuch (HGB) enthält den Kern des Handelsrechts in Deutschland. Das Bürgerliche Gesetzbuch gilt für Kaufleute neben dem HGB nur subsidiär. Das HGB setzt vor allem auf den Rechtsschein, um die vorzunehmenden Geschäfte zu erleichtern. Außerdem ist das HGB der deutsche Rechnungslegungsstandard. Daneben enthält das HGB die Regelungen für die Offene Handelsgesellschaft (OHG), die Kommanditgesellschaft (KG) und die stille Gesellschaft. Für Kapitalgesellschaften enthält das HGB Regelungen zu Abschlüssen und Berichten. Ergänzungsvorschriften betreffen Versicherungsunternehmen, Kreditinstitute und Genossenschaften. Mit wenigen Strafvorschriften zählt das HGB zum Nebenstrafrecht. Aktuell wird das Handelsrecht stark durch Rechtsetzungen der Europäischen Union beeinflusst. Außerdem beeinflusst der Wettbewerb Deutschlands mit anderen Volkswirtschaften innerhalb der EU das HGB, weshalb unter anderem die haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft als Gesellschaftsform in Konkurrenz zur englischen Limited eingeführt wurde, die in Deutschland seit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU nicht mehr zur Verfügung steht. Die umfassendste Veränderung in jüngerer Zeit erfuhr das deutsche Gesellschaftsrecht durch das Personengesellschaftsrechtsmodernisierungsgesetz, welches ausländische (EU-)Gesellschaften als Komplementäre deutscher Gesellschaften erlaubt. Das deutsche Handelsgesetzbuch galt ab 1939 großteils auch in Österreich. Mit dem 1. Januar 2007 wurde das österreichische Handelsgesetzbuch (HGB) mit dem Handelsrechts-Änderungsgesetz (HaRÄG), öBGBl I Nr. 2005/120 in großem Umfang novelliert und dabei in Unternehmensgesetzbuch (UGB) umbenannt.
  • Kassensystem (Wikipedia)
    Unter einem Kassensystem versteht man eine EDV-Lösung zur Einbindung von Peripheriegeräten oder Software mit einer Personal-Computer- oder elektronischen Registrierkasse.
  • Schätzung (Wikipedia)
    Unter Schätzung versteht man die genäherte Bestimmung von Zahlenwerten, Größen oder Parametern durch Augenschein, Erfahrung oder statistisch-mathematische Methoden. Das Ergebnis einer Schätzung weicht im Regelfall vom wahren Wert ab. Jede Messung – in welchem Genauigkeitsbereich auch immer – ist mit unvermeidlichen Messunsicherheiten behaftet, sodass man nie wahre Werte erhält, sondern nur wahrscheinlich(st)e Werte. Das gilt auch für zählbaren Größen.
  • TSE (Wikipedia)
    Tse ist der Familienname folgender Personen: David Tse, chinesisch-US-amerikanischer Elektroingenieur Elyse Tse (* 2004), neuseeländische Tennisspielerin Nicholas Tse (* 1980), chinesisch-kanadischer Schauspieler und Sänger Rico Tse Yee Hin (* 2000), hongkong-chinesischer Sprinter Toby Tse (* 2004), Hongkonger Squashspielerin Tse Bun (* um 1965), Badmintonspieler aus Hongkong Tse Ka Chun (* 1986), chinesischer Tischtennisspieler (Hongkong) Tse Ka Wing (* 1999), Hongkonger Fußballtorhüter Tse Ying Suet (* 1991), Badmintonspielerin aus Hongkong Weitere Bedeutungen: Tse (Buchstabe), Bezeichnung des Schriftzeichens څ aus dem arabischen Alphabet der paschtunischen Sprache tse steht für: Tunesische Gebärdensprache (ISO-639-3-Code) TSE steht für: Technische Sicherheitseinrichtung für Kassensysteme Transmissible spongiforme Enzephalopathie, Sammelbegriff für durch Prionen übertragene Erkrankungen Test of Spoken English, Test zur Feststellung der mündlichen Ausdrucksfähigkeit im Englischen Flughafen Astana in Kasachstan (IATA-Code) Verschiedene Börsen: Teheraner Börse Tokyo Stock Exchange Taiwan Stock Exchange Toronto Stock Exchange Tokyo Stock Exchange 2nd Section Index Handelshochschule Turku in Finnland Theologisches Seminar Ewersbach des Bundes Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland Thindy Storm Engine, 3D-Grafik-Engine, die eine Sound-Engine und eine Physik-Engine enthält Toulouse School of Economics, Hochschule wirtschaftswissenschaftlicher Fachrichtung Tribunal Superior Eleitoral, Oberstes Wahlgericht in Brasilien Trägerstaueffekt, unter anderem in Halbleiterventilen auftretender Effekt Raya Airways (ehemals Transmile Air Services), eine malaysische Fluggesellschaft (ICAO-Code) Türk Standardları Enstitüsü, Institut für Türkische Normen TSE (Kurzfilm), Kurzfilm von Roee Rosen aus dem Jahr 2010 Tradespace Exploration, eine Methode zu Entscheidungsunterstützung in der Produktentwicklung Siehe auch:
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