50 Jahre Deutscher Herbst: RAF-Expertin Daniela Hillers kündigt drei Bücher für 2027 an und fordert offene Auseinandersetzung mit der RAF-Geschichte.

Die Verbrechen der RAF machen den Staat nicht unfehlbar

Drei Bücher, unterschiedliche Zugänge zur RAF-Geschichte

50 Jahre Deutscher Herbst: RAF-Expertin Daniela Hillers kündigt drei neue Bücher für 2027 an. Ihre Arbeit verbindet die historische Aufarbeitung mit Fragen nach Radikalisierung und dem Umgang mit politischer Gewalt. Für Interviews und Gastbeiträge steht sie bereits jetzt zur Verfügung.

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Hamburg, 4. November 2026. Die Bilder des Deutschen Herbstes sind im öffentlichen Gedächtnis fest verankert. Was wissen wir über die Geschichte hinter diesen Bildern? Welche Fragen sind beantwortet, welche Deutungen müssen überprüft werden? Mit drei für 2027 angekündigten Büchern zur Roten Armee Fraktion setzt die Autorin und Verlegerin Daniela Hillers ihre jahrzehntelange Beschäftigung mit diesen Fragen fort. Den 50. Jahrestag der Ereignisse von 1977 nimmt sie zum Anlass, eine öffentliche Auseinandersetzung anzustoßen, die bereits heute beginnen soll.

Aus ihrer Sicht bleibt die Beschäftigung mit der RAF zu häufig an einzelne Anlässe gebunden. Eine Festnahme, ein Prozess oder ein Jahrestag erzeugt Aufmerksamkeit. Eine dauerhafte Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Hintergründen und den Folgen der Gewalt verlangt darüber hinaus die Bereitschaft, auch vertraute Gewissheiten zu überprüfen.

„Die Verbrechen der RAF machen den Staat nicht unfehlbar“, sagt Hillers. Zur historischen Aufarbeitung gehöre deshalb auch die Prüfung staatlicher Entscheidungen und des Wissens von Sicherheitsbehörden. Die Verantwortung der Täterinnen und Täter bleibe dabei eindeutig. Gesicherte Tatsachen, begründete Thesen und offene Fragen müssten erkennbar auseinandergehalten werden.

Drei Bücher, unterschiedliche Zugänge zur RAF-Geschichte

„1977 Zitate zur RAF – von der Vorgeschichte bis zur Nachwirkung. Dokumente einer deutschen Zerreißprobe“ versammelt 1.977 Zitate aus der Geschichte der RAF und ihrer Nachwirkung. Ehemalige Täter und Überlebende kommen ebenso zu Wort wie Angehörige der Opfer, Ermittler und Staatsanwälte. Die Sammlung führt unterschiedliche Sichtweisen zusammen und macht Widersprüche in den Deutungen dieser Geschichte sichtbar. Eine Chronologie und Quellennachweise ermöglichen die historische Einordnung.

„Mythos RAF. Das Jahr 1977 enttarnt.“ nimmt die Ereignisse des gesamten Jahres erneut in den Blick. Hillers prüft anhand von Aussagen und Dokumenten, wie vertraute Darstellungen entstanden sind und welche Fragen sich bei einer erneuten Betrachtung stellen. Im Mittelpunkt steht der Unterschied zwischen einer bekannten Erzählung und einer nachvollziehbaren Rekonstruktion historischer Vorgänge.

„Zwischen Projektil und Politikum. Die RAF zwischen Ideologie, Geheimdiensten und Staatsversagen.“ entsteht gemeinsam mit dem ehemaligen Kriminalhauptkommissar Frank Rohlender. Das Buch untersucht die RAF-Geschichte mit Blick auf staatliches Wissen und Handeln sowie nachrichtendienstliche Zusammenhänge. Quellenkenntnis und kriminalistische Prüfung werden dabei verbunden, um Aussagen und Ermittlungswege zu untersuchen und offene Fragen kenntlich zu machen.

Alle drei Titel sind für 2027 im Gallip Verlag & Media angekündigt.

Warum diese Geschichte die Gegenwart betrifft

Die Beschäftigung mit der RAF berührt für Hillers Fragen, die auch heutige Debatten prägen: Wann wird politische Empörung zur Rechtfertigung für Gewalt? Wie verändert eine terroristische Bedrohung den Rechtsstaat? Welche Erfahrungen der Betroffenen geraten aus dem Blick, wenn die Aufmerksamkeit vor allem den Tätern gilt?

Historische Erkenntnisse können helfen, solche Fragen genauer zu stellen und heutige Entwicklungen kritisch zu prüfen. Unterschiede zwischen damaligen und gegenwärtigen Konflikten müssen dabei ebenso deutlich bleiben wie die persönliche Verantwortung für Gewalt.

„Wer heute über die RAF urteilt, sollte auch die Herkunft seiner Maßstäbe kennen“, sagt Hillers. Sie plädiert für einen festen Platz der RAF-Geschichte in Schule und politischer Bildung. Dazu gehöre die Möglichkeit, Quellen zu prüfen und sich mit widersprüchlichen Perspektiven auseinanderzusetzen.

Ansprechpartnerin für Redaktionen

Daniela Hillers steht bereits jetzt für Interviews, Gastbeiträge und Hintergrundgespräche zur Verfügung. Sie bietet historische Einordnungen zur RAF und zum Deutschen Herbst an. Weitere Themen sind Frauen in der RAF sowie die gesellschaftlichen Bedingungen von Radikalisierung und der Umgang mit den Folgen politischer Gewalt. Beiträge werden mit der jeweiligen Redaktion in Thema und Format abgestimmt.

Über Daniela Hillers

Daniela Hillers ist RAF-Expertin mit jahrzehntelanger Erfahrung, Buchautorin und Verlegerin des Gallip Verlags. Sie hat bereits drei Bücher zur RAF veröffentlicht. Drei weitere Titel sind für 2027 angekündigt, darunter eine gemeinsame Veröffentlichung mit Frank Rohlender (KHK A.D.).

Der Gallip Verlag mit Sitz in Hamburg ist ein unabhängiger Sachbuchverlag. Der Gallip-Leitegdanke ist, Autoren und ihren Visionen von der Idee bis zum fertigen Buch im Buchhandel ein starker Partner zu sein. Verlegt werden Bücher rund um die Themen der Persönlichkeitsentwicklung, Karriere, Coaching, Kriminalistik, True Crime, Gesellschaftskultur, Spiritualität und Unterhaltung.
Im Fokus der Gallip Verlagsarbeit stehen Denkanstöße und das Bewusstsein für Qualität ergänzend zum Mentoring rund um das Thema Buch als Business-Hebel.

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Themenrelevante Wikipedia-Infos:
  • Deutscher Herbst (Wikipedia)
    Als Deutscher Herbst werden die Zeit und ihre politische Atmosphäre in der Bundesrepublik Deutschland im September und Oktober 1977 bezeichnet, die geprägt war durch Anschläge der terroristischen Vereinigung Rote Armee Fraktion (RAF). Die Entführung und Ermordung Hanns Martin Schleyers, die Entführung des Lufthansa-Flugzeugs Landshut und die Selbstmorde der inhaftierten führenden Mitglieder der ersten Generation der RAF stellten den Schlussakt der so genannten Offensive 77 der RAF dar. Der Deutsche Herbst gilt als eine der schwersten Krisen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Der Begriff „Deutscher Herbst“ leitet sich von dem Film Deutschland im Herbst von 1978 ab, einer Collage mehrerer Dokumentarfilme von elf Regisseuren des „Neuen Deutschen Films“, die sich mit der Reaktion des Staates auf den Terrorismus aus unterschiedlichen Blickwinkeln kritisch auseinandersetzen.
  • politische Bildung (Wikipedia)
    Die politische Bildung hat ihre Wurzeln in der Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft und der Pädagogik. Ihr Ziel ist, Zusammenhänge im politischen Geschehen zu erkennen, Toleranz und Kritikfähigkeit zu vermitteln und zu stärken, damit zur Herausbildung und Weiterentwicklung von aktiver Bürgerschaft, gesellschaftlicher Partizipation und politischer Beteiligung beizutragen. In den Schulen hieß oder heißt das betreffende Unterrichtsfach Politik, Gemeinschaftskunde, Staatsbürgerkunde, Sozialkunde, Sozialwissenschaften (in Nordrhein-Westfalen) oder Politische Bildung (in Brandenburg), die fachdidaktische Bezugsdisziplin ist die Politikdidaktik.
  • Radikalisierung (Wikipedia)
    Radikalisierung beschreibt den Prozess, in dem ein Individuum oder eine Gruppe radikale oder extreme politische, soziale oder religiöse Einstellungen und Überzeugungen entwickelt oder übernimmt und sich gegebenenfalls eine dementsprechende Ideologie zu Eigen macht. Es handelt sich dabei nicht um eine einmalige, isolierte Entscheidung, sondern eine graduelle Entwicklung, die schrittweise und kumulativ zu Veränderungen des politischen, sozialen oder religiösen Denkens, des Handelns gegenüber Mitmenschen und gesellschaftlichen Institutionen, des sozialen Umfelds, der Lebensplanung sowie der Persönlichkeitsstruktur führen und im Ergebnis in Extremismus, Gesellschaftsfeindschaft und Befürwortung von oder sogar Beteiligung an verfassungsfeindlichen, revolutionären, kriegerischen oder terroristischen Akten münden kann. Die vertretenen Meinungen weichen laut Sanne B. Geeraerts in der Folge immer weiter von den vorherrschenden ab, während es dem im Prozess der Radikalisierung befindlichen Individuum immer schwerer falle, gegensätzliche Meinungen zu akzeptieren. Dieser Prozess sei nicht eindimensional, sondern von verschiedenen Faktoren abhängig.
  • RAF (Wikipedia)
    Die Rote Armee Fraktion (RAF) war eine linksextremistische terroristische Vereinigung in der Bundesrepublik Deutschland. Sie war verantwortlich für 33 Morde an Führungskräften aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung, deren Fahrern, an Polizisten, Zollbeamten und amerikanischen Soldaten sowie für die Schleyer-Entführung, die Geiselnahme von Stockholm und mehrere Sprengstoffattentate mit über 200 Verletzten. Die RAF, in ihrem Selbstverständnis eine kommunistische, antiimperialistische Stadtguerilla nach südamerikanischem Vorbild ähnlich den Tupamaros in Uruguay, wurde 1970 von Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler, Ulrike Meinhof und weiteren Personen gegründet. 1998 erklärte sie ihre Selbstauflösung. Eine als „Offensive 77“ bezeichnete Serie von Anschlägen im September und Oktober 1977, die dazu dienen sollte, inhaftierte RAF-Mitglieder der ersten Generation freizupressen, führte in eine als Deutscher Herbst bezeichnete Krise der Bundesrepublik Deutschland. Sie endete mit den Suiziden der inhaftierten Anführer der ersten Generation der RAF in der JVA Stuttgart in der sogenannten Todesnacht von Stammheim. Diverse Anschläge der späten RAF, darunter neun Morde, sind bis heute nicht aufgeklärt. 1991 verübte die RAF ihren letzten Mord, 1993 den letzten Anschlag. Im Juni 2011 wurde das letzte RAF-Mitglied aus der Haft entlassen. 2024 wurde Daniela Klette nach jahrzehntelanger Fahndung gefasst und sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Nach zwei ehemaligen Angehörigen wird bis heute gefahndet. Die Auseinandersetzung mit der RAF hatte erhebliche gesellschaftspolitische Folgen. Sie führte zur Entwicklung der negativen Rasterfahndung und der Verabschiedung einer Reihe von Anti-Terror-Gesetzen durch den Deutschen Bundestag. Die Ereignisse sind Grundlage einer Vielzahl von Sachbüchern, Fernsehdokumentationen, Spielfilmen, Theaterstücken und Romanen, erschienen im In- und Ausland.
  • Rote Armee Fraktion (Wikipedia)
    Die Rote Armee Fraktion (RAF) war eine linksextremistische terroristische Vereinigung in der Bundesrepublik Deutschland. Sie war verantwortlich für 33 Morde an Führungskräften aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung, deren Fahrern, an Polizisten, Zollbeamten und amerikanischen Soldaten sowie für die Schleyer-Entführung, die Geiselnahme von Stockholm und mehrere Sprengstoffattentate mit über 200 Verletzten. Die RAF, in ihrem Selbstverständnis eine kommunistische, antiimperialistische Stadtguerilla nach südamerikanischem Vorbild ähnlich den Tupamaros in Uruguay, wurde 1970 von Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler, Ulrike Meinhof und weiteren Personen gegründet. 1998 erklärte sie ihre Selbstauflösung. Eine als „Offensive 77“ bezeichnete Serie von Anschlägen im September und Oktober 1977, die dazu dienen sollte, inhaftierte RAF-Mitglieder der ersten Generation freizupressen, führte in eine als Deutscher Herbst bezeichnete Krise der Bundesrepublik Deutschland. Sie endete mit den Suiziden der inhaftierten Anführer der ersten Generation der RAF in der JVA Stuttgart in der sogenannten Todesnacht von Stammheim. Diverse Anschläge der späten RAF, darunter neun Morde, sind bis heute nicht aufgeklärt. 1991 verübte die RAF ihren letzten Mord, 1993 den letzten Anschlag. Im Juni 2011 wurde das letzte RAF-Mitglied aus der Haft entlassen. 2024 wurde Daniela Klette nach jahrzehntelanger Fahndung gefasst und sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Nach zwei ehemaligen Angehörigen wird bis heute gefahndet. Die Auseinandersetzung mit der RAF hatte erhebliche gesellschaftspolitische Folgen. Sie führte zur Entwicklung der negativen Rasterfahndung und der Verabschiedung einer Reihe von Anti-Terror-Gesetzen durch den Deutschen Bundestag. Die Ereignisse sind Grundlage einer Vielzahl von Sachbüchern, Fernsehdokumentationen, Spielfilmen, Theaterstücken und Romanen, erschienen im In- und Ausland.
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