Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 5 Prozent höher als im Vergleichszeitraum 2025

Unternehmensinsolvenzen bleiben auf Rekordniveau – Verbraucherinsolvenzen zeigen sich stabil

Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 5 Prozent höher als im Vergleichszeitraum 2025

Jens Decieux,VP Strategy & Alliances und Syndikusrechtsanwalt bei Septeo CNEE

Karlsruhe, 30. Juni 2026 -Der Rückblick des Insolvenzspezialisten Septeo CNEE (ehemals stp.one) auf das Insolvenzgeschehen im ersten Halbjahr 2026 zeigt, dass das laufende Jahr an 2025 anknüpft. Rund 5.940 Kapital- und Personengesellschaften (Hochrechnung) haben in diesem Jahr bereits ein Insolvenzverfahren angemeldet. Das entspricht einem Plus von rund 5 Prozent gegenüber dem 1. Halbjahr 2025 (5.637) und verdeutlicht die steigende Insolvenztendenz auf Unternehmensseite.

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Die Halbjahresanalysen der Insolvenzspezialisten Septeo CNEE (ehemals stp.one) zeigen in Deutschland eine deutliche Zunahme bei den Unternehmensinsolvenzen. Während die Zahl der Firmenpleiten weiter zunimmt und den höchsten Stand seit der Finanzkrise erreicht, erscheint das Insolvenzgeschehen bei den Verbrauchern weitgehend stabil. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland bleibt auch 2026 auf hohem Niveau. Bereits 2025 war mit insgesamt 11.350 eröffneten Verfahren der höchste Wert seit 2009 erreicht worden. Zum Vergleich: Im Corona-Jahr 2021 wurden lediglich 5.741 Unternehmensinsolvenzen registriert. Besonders auffällig: Mit 1.158 Verfahren war der April der stärkste Einzelmonat des bisherigen Jahres, gefolgt vom März mit 1.111 Verfahren.

„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass wir es nicht mehr mit einer vorübergehenden konjunkturellen Schwächephase zu tun haben, sondern mit einer strukturellen Belastung der Wirtschaft“, erklärt Jens Decieux, VP Strategy & Alliances und Syndikusrechtsanwalt bei Septeo CNEE. „Viele Unternehmen kämpfen gleichzeitig mit schwacher Nachfrage, hohen Kosten und schwindenden finanziellen Reserven.“ Besonders belastend waren die hohen Energie- und Finanzierungskosten, steigenden Zinsen, eine restriktivere Kreditvergabe sowie die anhaltend unsichere geopolitische Situation – einschließlich der internationalen Handelskonflikte und neuen Zölle.

Großinsolvenzen nehmen zu
Ein weiterer Trend ist die steigende Anzahl von Insolvenzen bei größeren Unternehmen. Insbesondere der April war von bedeutenden Verfahren geprägt, die eine auffällig hohe Quote von Sanierungen in Eigenverwaltung bei größeren Unternehmen aufwiesen. „Wir beobachten derzeit eine Welle von Großinsolvenzen, die das Gesamtgeschehen zusätzlich prägt“, ergänzt Jens Decieux. „Viele Unternehmen verfügen inzwischen nicht mehr über die finanziellen Rücklagen, die ihnen in den vergangenen Jahren geholfen haben, die Situation zu stabilisieren.“ Dennoch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass ein Teil des prozentualen Anstiegs auf der Tatsache außergewöhnlich niedriger Insolvenzzahlen während der Corona-Pandemie beruht, sprich die aktuelle Lage darf man durchaus als Normalisierung betrachten.

Verbraucherinsolvenzen auf Vorjahresniveau
Deutlich weniger dynamisch entwickelt sich das Insolvenzgeschehen bei Privatpersonen. Zwischen Januar und Mai 2026 wurden rund 44.900 Verbraucher- und sonstige Privatinsolvenzen registriert. Hochgerechnet auf das erste Halbjahr entspricht dies etwa 53.850 Verfahren und damit ungefähr dem Niveau des Vorjahres; der Sondereffekt, der durch die Verkürzung der Restschuldbefreiungsphase 2023 zu beobachten war, scheint damit endgültig überwunden und sich das Geschehen bei Verbraucherinsolvenzen auf einem stabilen Niveau eingependelt zu haben.

Hinzu kommt, dass sich die Inflationslage gegenüber den Energie- und Preisspitzen der Jahre 2022 und 2023 spürbar entspannt hat und dass sich der Arbeitsmarkt derzeit noch robust zeigt. Allerdings entwickeln sich Verbraucherinsolvenzen erfahrungsgemäß zeitverzögert zu wirtschaftlichen Belastungen.

Ausblick
Für das zweite Halbjahr 2026 ist nicht mit einer schnellen Entspannung zu rechnen. Die anhaltenden strukturellen Herausforderungen der deutschen Wirtschaft sprechen dafür, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen vorerst auf hohem Niveau bleibt. Bei den Verbraucherinsolvenzen deutet dagegen vieles auf eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung hin – vorausgesetzt, die Lage am Arbeitsmarkt verschlechtert sich nicht deutlich.

Septeo CNEE (Central Northern & Eastern Europe) ist ein führender Anbieter von Legal Tech-Plattformen zur Digitalisierung von Kanzleien, Notariaten und Insolvenzbetrieben. Das Unternehmen entwickelt Lösungen zur Workflow-Automatisierung sowie zur KI-gestützten Dokument- und Datenverwaltung. Darüber hinaus bietet Septeo CNEE spezialisierte, softwaregestützte Outsourcing-Services an. Rund 400 Mitarbeitende an fünf Standorten in Deutschland sowie Büros in der Schweiz, Österreich, Litauen, Norwegen und Bulgarien betreuen mehr als 8.500 Kunden. Weitere Informationen: www.stp.one

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Themenrelevante Wikipedia-Infos:
  • Insolvenz (Wikipedia)
    Eine Insolvenz (lateinisch insolventia, zu solvere ‚zahlen‘) bezeichnet die Situation eines Schuldners, seine Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Gläubiger nicht erfüllen zu können. Die Insolvenz ist gekennzeichnet durch akute Zahlungsunfähigkeit („Illiquidität“ oder mangelnde Liquidität) oder drohende Zahlungsunfähigkeit, die aus Überschuldung abgeleitet werden kann. Die Zahlungsunfähigkeit kann faktisch festgestellt werden, wohingegen die Überschuldung als Ergebnis ökonomischer Einschätzungen (ggf. unter Einhaltung buchhalterischer Vorschriften) nicht immer eindeutig ist. Die Rechtsform eines betroffenen Unternehmens wird um den Zusatz i. I. oder i. L. (in Liquidation) ergänzt. Die Art und Durchführung einer Insolvenz ist in den einzelnen Staaten unterschiedlich geregelt. Auch das Ziel des Insolvenzverfahrens ist von Rechtsordnung zu Rechtsordnung unterschiedlich; während das vornehmliche Ziel in Deutschland, der Schweiz und Österreich die Befriedigung der bzw. die gerechte Verteilung der Verluste auf die Gläubiger ist, ist Ziel in Frankreich der Erhalt von Arbeitsplätzen und in den USA, dem Schuldner einen fresh start zu ermöglichen. Vom Insolvenzrecht ausgenommen sind insolvenzunfähige Schuldner.
  • Pleite (Wikipedia)
    Pleite bezeichnet umgangssprachlich die Zahlungsunfähigkeit (Insolvenz) oder Bankrott einer Person oder eines Unternehmens, besonders in den festen Wendungen „Pleite machen“ (hier als Substantiv), „pleite gehen“ und „pleite sein“ (hier adjektivisch), in einem allgemeineren Sinne bisweilen auch so viel wie „Misserfolg, Niederlage, Reinfall“. Von der Pleite abgeleitet ist der Pleitegeier als sprichwörtliches Sinnbild für den Konkurs sowie die spöttische Bezeichnung Pleitier für einen insolventen Geschäftsmann.
  • Rezession (Wikipedia)
    Unter dem Begriff Konjunktur versteht man die gesamtwirtschaftliche Lage, besonders in Hinsicht auf deren aktuellen positiven oder negativen Trend, aber der Ausdruck wird auch für eine besonders gute gesamtwirtschaftliche Lage (Hochkonjunktur) verwendet, also wenn die meisten Unternehmen einen großen Umsatz haben. Wirtschaftswissenschaftlich ausgedrückt versteht man unter Konjunktur Schwankungen im Auslastungsgrad des Produktionspotenzials einer Volkswirtschaft. Weiterhin können mehr oder weniger regelmäßige Schwankungen ökonomischer Größen stattfinden wie z. B. Produktion, Beschäftigung, Zinssatz und Preise mit der Folge, dass zyklische Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Aktivität entstehen können. Gemessen werden kann dieses durch den Grad der Kapazitätsauslastung. Der wichtigste Indikator hierfür ist das reale Bruttoinlandsprodukt. Genauer versteht man unter dem Begriff „Konjunktur“, wenn Nachfrage- und Produktionsschwankungen zu Veränderungen des Auslastungsgrades der Produktionskapazitäten führen (in Abgrenzung von der Entwicklung der Kapazitäten im Sinne von wirtschaftlichem Wachstum selbst) und wenn sie eine gewisse Regelmäßigkeit aufweisen (in Abgrenzung von einmaligen Sondereinflüssen). Diese in „Konjunkturzyklen“ wiederkehrende wellenförmige Veränderungsweise des wirtschaftlichen Aktivitätsniveaus innerhalb einer Marktwirtschaft wird durch die Konjunkturtheorie untersucht und zu erklären versucht. Dabei werden unterschiedliche Methoden angewandt, um aus vorliegenden Daten das regelmäßige Ablaufmuster eines Konjunkturzyklus zu erkennen, insbesondere dessen oberen und unteren Umkehrpunkt. Im Unterschied dazu betrachtet die Wachstumstheorie den langfristigen Trend des Wachstums einer Volkswirtschaft im Gleichgewicht. Um den Konjunkturverlauf an und für sich zu betrachten, muss demzufolge von dem zugrunde liegenden Wachstumstrend abstrahiert werden. Die konjunkturtheoretische Analyse überschneidet sich zum Teil mit der Beschäftigungstheorie. Als einzelne Phasen eines Konjunkturzyklus werden häufig unterschieden: Aufschwungphasen (Expansion, Prosperität), Hochkonjunktur (Boom), Abschwungphasen (Rezession) und Tiefphasen (Depression). Je nach zugrunde …
  • Stagnation (Wikipedia)
    Stagnation (von lat. stagnatio ‚Flüssigkeitsstau‘, das im 18. Jahrhundert von der ursprünglich medizinischen Bedeutung auf jegliche Form des Stillstands übertragen wurde) bedeutet im allgemeinen Sprachgebrauch, dass eine bestimmte Variable kein Wachstum erfährt. Der Ausdruck wird neben Medizin und Technik auch in der Volkswirtschaftslehre, den Sportwissenschaften, der Psychologie, Biologie, Physik, Ozeanographie sowie in den Geisteswissenschaften verwendet. In der Wirtschaft bezeichnet Stagnation den Stillstand der wirtschaftlichen Entwicklung.
  • wirtschaft (Wikipedia)
    Wirtschaft oder Ökonomie ist die Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Befriedigung der Bedürfnisse dienen. Zu den wirtschaftlichen Einrichtungen gehören Unternehmen, private und öffentliche Haushalte, zu den Handlungen des Wirtschaftens Herstellung, Absatz, Tausch, Konsum, Umlauf, Verteilung und Recycling/Entsorgung von Gütern. Solche Zusammenhänge bestehen zum Beispiel auf welt-, volks-, stadt-, betriebs- und hauswirtschaftlicher Ebene.
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