Verpackungen

PPWR: Kreislaufwirtschaft beginnt im Design

Verpackungen

Kreislaufwirtschaft beginnt im Design. (Bildquelle: yes or no Media GmbH)

Recyclingfähigkeit wird vom freiwilligen Qualitätsmerkmal zur regulatorischen Voraussetzung. Die neue Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) der EU schreibt vor, dass Verpackungen ab 2030 recyclingfähig sein und verbindliche Quoten von Post-Consumer-Rezyklat enthalten müssen. Unternehmen stehen vor steigenden Anforderungen, höheren Materialkosten und wachsendem Druck auf Lieferketten. Gleichzeitig verringert der Materialkreislauf die Abhängigkeit von Primärrohstoffen und reduziert das Abfallaufkommen.

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Über den Kreislauf wird bereits beim Design entschieden. Materialwahl, Farben, Verbundstrukturen und Additive bestimmen, ob eine Verpackung effizient recycelt werden kann oder ob wertvolle Rohstoffe verloren gehen. Design for Recycling wird damit zum zentralen Hebel für nachhaltige und künftig zugelassene Verpackungen.

Eckpunkte der PPWR
Ab 2030 gilt ein verbindlicher Standard: Alle Verpackungen müssen mindestens zu 70 Prozent stofflich verwertbar sein. Die EU-Verordnung klassifiziert die Recyclingfähigkeit von Verpackungen in drei Grade:

– Klasse A: bis 95 Prozent
– Klasse B: bis 80 Prozent
– Klasse C: bis 70 Prozent (Untergrenze)

Verpackungen der Klasse C werden langfristig vom Markt ausgeschlossen.

Gleichzeitig gelten verbindliche Quoten für Post-Consumer-Rezyklate (PCR), die in den jeweiligen Verpackungsdesigns eingesetzt werden müssen:

– PET-Kontaktverpackungen: 30 Prozent
– Kontaktsensible Nicht-PET-Kunststoffe: 10 Prozent
– Einweg-Getränkeflaschen: 30 Prozent
– Andere Kunststoffverpackungen: 35 Prozent

Bis 2040 steigen diese Quoten je nach Kategorie von 25 Prozent bis auf 65 Prozent.

Knapp werdende Rezyklate
Die PPWR könnte Kunststoffverpackungen deutlich verteuern. Design, Herstellung und Beschaffung müssen an die erforderlichen Recyclingkriterien und vorgeschriebenen Rezyklat-Mengen angepasst werden. Deshalb prognostizieren Studien, dass die Nachfrage nach PCR das verfügbare Angebot um rund 30 Prozent übersteigen könnte.

Experten rechnen aus diesem Grund mit Versorgungslücken bei recycelten Kunststoffen. Mögliche Engpässe und entstehende Mehrkosten würden Markt und Verbraucher deutlich belasten.

Billigimporte können kurzfristig das Rezyklat-Angebot erhöhen und die Preise entlasten. Anbieter aus Ländern mit niedrigeren Umwelt- und Arbeitsstandards sowie geringeren Energiepreisen gefährden jedoch die europäische Recyclingindustrie: Regionale Recycler sind mit ihrer Auflagen- und Kostenstruktur nicht konkurrenzfähig. Investitionen in Design for Recycling und lokale Recyclingkapazitäten werden weniger rentabel und hochwertige PCR-Lieferketten destabilisiert. Das führt zu Qualitätseinbußen sowie hoher Importabhängigkeit mit erheblichen Beschaffungsrisiken.

Langfristig gesehen, entscheidet Design for Recycling – neben einer effizienten Sammlung recycelbarer Kunststoffe und der Entwicklung neuer Recyclingverfahren – darüber, ob Europa ausreichend hochwertiges Post-Consumer-Rezyklat aus eigenen Stoffströmen generieren und eine unabhängige Kreislaufwirtschaft etablieren kann.

Vorbereitung ist maßgebend
Der führende Hersteller für starre Kunststoffverpackungen ALPLA denkt Recycling bei der Produktion gleich mit. ALPLA-CEO Philipp Lehner: „Wir integrieren den kompletten Recyclingprozess in Europa, vom Ballen bis zur Herstellung von Post-Consumer-Rezyklat. Wir verzichten auf Billigimporte.“ Mit eigenen Recyclingwerken und dem „Closed-loop-Ansatz“ fördert der Konzern zum einen die Kreislaufwirtschaft, sichert zum anderen seine Produktionssicherheit und Materialqualität.

Das Beispiel ALPLA zeigt: Wer frühzeitig auf Design for Recycling, hochwertige PCR-Lieferketten und effiziente Recyclingprozesse setzt, verschafft sich regulatorische Sicherheit, stabile Produktionsprozesse und langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Denn die PPWR macht deutlich: Kreislaufwirtschaft beginnt nicht bei der Entsorgung, sondern im Design – und wer hier konsequent agiert, legt den Grundstein für nachhaltigen Erfolg.

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Themenrelevante Wikipedia-Infos:
  • Design (Wikipedia)
    Design [dɪˈzaɪn] steht im Englischen für den Entwurf und das Entwerfen in einem sehr umfassenden Sinn. Im Deutschen wird unter dem Begriff im Allgemeinen die äußerliche Form- und Farbgestaltung verstanden (→ Formgebung), insbesondere die Gestaltung von Gebrauchsgegenständen. Je nach Kontext wird unter dem Begriff Entwurf Unterschiedliches verstanden, im Englischen etwa auch die Gestaltung von Prozessen und Konzepten bis hin zu planvollem Handeln ganz allgemein. Wie das deutsche Entwerfen kann sich der Begriff ebenso auf die architektonische Gestaltung von Gebäuden wie auf den ingenieurtechnischen Aspekt des Konstruierens beziehen. Auch beim Objektdesign umfasst die Tätigkeit des Designers häufig nicht nur die äußerliche Formgebung, sondern auch die Auseinandersetzung mit der technischen Funktion eines Objekts sowie mit dessen Interaktion mit einem Benutzer (Interfacedesign). Im Design-Prozess kann Einfluss auf die Funktion, Bedienbarkeit und Lebensdauer eines Objekts genommen werden, was insbesondere beim Produktdesign relevant ist. Man spricht heute auch von Software-Design, wobei allerdings der Entwurf von Algorithmen und nicht der gegenständlicher Formen gemeint ist.
  • Kreislaufwirtschaft (Wikipedia)
    Eine Kreislaufwirtschaft (englisch circular economy) ist ein regeneratives System, in dem Ressourceneinsatz und Abfallproduktion, Emissionen und Energieverschwendung durch das Verlangsamen, Verringern und Schließen von Energie- und Materialkreisläufen minimiert werden; dies kann durch langlebige Konstruktion, Instandhaltung, Reparatur, Wiederverwendung, Remanufacturing, Refurbishing und Recycling erzielt werden. Das Konzept der Kreislaufwirtschaft spielt auch bei der Verbundproduktion eine zentrale Rolle. Die Kreislaufwirtschaft zielt auf die Ersetzung des traditionellen linearen Wirtschaftsmodells – das Modell der Entnahme, Herstellung und Entsorgung – durch ein regeneratives System. Sie strebt eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen an. Sie wird oft als Lösung für große Umweltprobleme wie Ressourcenknappheit, Umweltverschmutzung und Verlust der Biodiversität vorgeschlagen. Die Kreislaufwirtschaft wird gelegentlich mit Recycling verwechselt, geht jedoch weit über das Recycling hinaus; Recycling ist zumeist lediglich das Mittel letzter Wahl zur Etablierung einer Kreislaufwirtschaft. Das Gegenteil zur Kreislaufwirtschaft wird zumeist Linearwirtschaft (auch „Wegwerfwirtschaft“) genannt. Dabei wird ein Großteil der eingesetzten Rohstoffe nach der jeweiligen Nutzungsdauer der Produkte deponiert oder verbrannt; nur ein geringer Anteil wird einer Wiederverwendung zugeführt.
  • Kunststoff (Wikipedia)
    Als Kunststoff, auch Plastik beziehungsweise regional Plaste oder Plast, werden Werkstoffe bezeichnet, die hauptsächlich aus Makromolekülen bestehen. Wichtige Merkmale von Kunststoffen sind ihre technischen Eigenschaften, wie Formbarkeit, Härte, Elastizität, Bruchfestigkeit, Temperatur-, Wärmeformbeständigkeit und chemische Beständigkeit, die sich durch die Wahl der Makromoleküle, Herstellungsverfahren und in der Regel durch Beimischung von Additiven in weiten Grenzen variieren lassen. Kunststoffe werden bezüglich ihrer physikalischen Eigenschaften in drei großen Gruppen unterteilt: Thermoplaste, Duroplaste und Elastomere. Die ISO 1043 legt für eine große Anzahl von Kunststoffen Kurzzeichen fest. Kunststoffe werden zu Formteilen, Halbzeugen, Fasern oder Folien weiterverarbeitet. Sie dienen als Verpackungsmaterialien, Textilfasern, Wärmedämmung, Rohre, Bodenbeläge, Bestandteile von Lacken und Klebstoffen, Waschmitteln und Kosmetika, als Material für Sportgeräte und Spielzeug, in der Elektrotechnik für Isolierungen, Leiterplatten, Gehäuse, im Fahrzeugbau für Reifen, Polsterungen, Armaturenbretter, Benzintanks und vieles mehr. Die jeweiligen Makromoleküle eines Kunststoffes sind Polymere und daher aus wiederholenden Grundeinheiten aufgebaut. Die Größe der Makromoleküle eines Polymers variiert zwischen einigen tausend bis über eine Million Grundeinheiten. Beispielsweise besteht das Polymer Polypropylen (Kurzzeichen PP) aus sich vielfach wiederholenden Propyleneinheiten. Die Polymere können unverzweigte, verzweigte oder vernetzte Moleküle sein. Die Polymere können aus Naturstoffen gewonnen oder rein synthetisch sein. Synthetische Polymere werden durch Kettenpolymerisation, Polyaddition oder Polykondensation aus Monomeren oder Prepolymeren erzeugt. Halbsynthetische Kunststoffe entstehen durch die Modifikation natürlicher Polymere (vorwiegend Zellulose zu Zelluloid), während andere bio-basierte Kunststoffe wie Polymilchsäure oder Polyhydroxybuttersäure durch die Fermentation von Zucker oder Stärke hergestellt werden. Zwischen 1950 und 2015 wurden weltweit rund 8,3 Mrd. Tonnen Kunststoff hergestellt – das ergibt etwa eine Tonne pro Kopf der Weltbevölkerung. Die Hälfte …
  • Recycling (Wikipedia)
    Beim Recycling (gelegentlich als RC abgekürzt) bzw. bei der regenerativen Abfallverwertung werden nicht mehr gebrauchte Produkte und Materialien wiederverwertet, indem sie vollständig oder teilweise zu Sekundärrohstoffen aufbereitet werden. Die so produzierten Stoffe werden als Rezyklate (seltener: Recyclate) oder Regenerate bezeichnet. Der Begriff „Recycling“ ist ein Lehnwort aus dem Englischen (recycling – ausgesprochen [ɹɪˈsaɪklɪŋ] – für „Wiederverwertung“ oder „Wiederaufbereitung“); etymologisch leitet er sich vom griechischen kýklos (Kreis) sowie dem lateinischen Präfix re- (zurück, wieder) ab. Recycling trägt als wesentlicher Bestandteil der Kreislaufwirtschaft dazu bei, Materialkreisläufe zu schließen oder zu verlangsamen und so den Einsatz natürlicher Ressourcen und die Erzeugung von Emissionen zu vermindern. Gesetzlich wird erst von Recycling gesprochen, wenn der Rohstoff zuvor als Abfall einzustufen war; andernfalls handelt es sich um Wiederverwendung. Der umgangssprachliche Gebrauch des Begriffs „Recycling“ umfasst oft beide Bedeutungen.
  • Verpackung (Wikipedia)
    Als Verpackung (in der Kaufmannssprache auch (französisch) Emballage genannt; englisch packaging) wird allgemein die äußere Hülle bzw. (die teilweise oder vollständige) Umhüllung einer Sache oder Sachgesamtheit insbesondere zu deren Schutz oder zur besseren Handhabung bezeichnet. Zugleich beschreibt der Begriff auch den Vorgang des Verpackens bzw. des Verpacktwerdens. Vorbild aus der Natur für Verpackungen ist die Fruchtschale. Als Verpackung wird die Gesamtheit der Packmittel und Packhilfsmittel bezeichnet, um das Packgut, Personen und die Umwelt zu schützen. Packgut ist der Inhalt einer Verpackung, das fertig verpackte Produkt ist das Packstück. Im Handel ist die Verpackung die äußere Umhüllung einer Ware zu deren Schutz bis zu ihrem Verbrauch oder Gebrauch. Weitere Funktionen der Verpackung sind die Inhaltsbeschreibung und Werbung. Packung ist die Einheit von Verpackung und Packgut: Packmittel und Packhilfsmittel ergeben zusammen die Verpackung. Die Verpackung und ihr Inhalt, das Packgut, werden als Packung bezeichnet.
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