Regen entscheidend für Streuobsternte 2026: 450.000 Tonnen erwartet

Regen entscheidend für Streuobsternte 2026: 450.000 Tonnen erwartet

Statistik – Streu-/ Gartenobst in Deutschland 2001-2026

Der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e. V. (VdF) rechnet für 2026 mit einer Streuobsternte von rund 450.000 Tonnen. Ob diese Menge tatsächlich erreicht wird, hängt jedoch entscheidend von den Niederschlägen in den kommenden Wochen ab.

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„Die Zahl der Äpfel an den Bäumen ist ausreichend, die Früchte sind derzeit jedoch noch sehr klein“, erklärt VdF-Geschäftsführer Klaus Heitlinger. „Schon ein Zentimeter mehr Durchmesser kann die Erntemenge deutlich erhöhen. Deshalb kommt es jetzt auf Regen an. Bleiben die Niederschläge aus, wachsen die Äpfel nicht weiter und können vorzeitig von den Bäumen abgeworfen werden.“

Nach Einschätzung des Verbands werden die kommenden zwei Wochen entscheidend für die weitere Entwicklung der Ernte sein. Erfahrungsgemäß können sich gute Ernten im Saisonverlauf noch verstärken, während schwächere Ernten häufig weiter nach unten korrigiert werden müssen.

Große regionale Unterschiede möglich
Streuobsternten unterliegen starken jährlichen Schwankungen. Ursache ist unter anderem die sogenannte Alternanz, also der Wechsel zwischen stärkeren und schwächeren Ertragsjahren. Dieses im Obstbau bekannte Phänomen wurde durch den Spätfrost im Jahr 2017 zusätzlich verstärkt.

Auch regional können die Erntemengen deutlich voneinander abweichen. Lokale Regenfälle in den kommenden Wochen können dazu führen, dass sich die tatsächlichen Erträge vor Ort erheblich von der bundesweiten Prognose unterscheiden.

Ertragspotenzial der Bestände nimmt ab
Unabhängig von den jährlichen Schwankungen ist das Ertragspotenzial vieler Streuobstbestände in Deutschland in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Während für 2018 noch eine Ernte von mehr als einer Million Tonnen prognostiziert wurde, haben insbesondere die trockenen Sommer der Jahre 2019 bis 2023 den Bäumen zugesetzt.

Viele Streuobstbäume leiden unter unzureichender Wasserversorgung. Hinzu kommt das hohe Alter zahlreicher Bestände. Ein großer Teil der Bäume ist älter als 80 Jahre und erreicht zunehmend das Ende seiner natürlichen Lebensdauer.

Streuobstwiesen sind wertvolle Ökosysteme
Klaus Heitlinger betont die Bedeutung der Streuobstwiesen über ihre wirtschaftliche Funktion hinaus: „Mehr als 5.000 Tier- und Pflanzenarten finden auf Streuobstwiesen einen Lebensraum. Zugleich steht die Vielfalt der angebauten Obstarten für besondere Geschmacksprofile, die von vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern geschätzt werden. Produkte wie Streuobstwiesen-Apfelsäfte sowie Quitten- und Birnensäfte erfreuen sich daher großer Beliebtheit.“

Angesichts der Folgen des Klimawandels und der Überalterung vieler Bestände setzen sich die deutschen Fruchtsafthersteller für den Erhalt und die Förderung des Streuobstanbaus ein. Zu den Maßnahmen gehören unter anderem Pflanzaktionen und Aufpreismodelle, mit denen höhere Erzeugerpreise für Streuobst ermöglicht werden.

Ernteschätzung mit Augenmaß
Seit 32 Jahren führt der VdF die sogenannte Kelterapfel-Behangdichtenschätzung durch. Das Verfahren wurde am Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee entwickelt.

Mit einem Spezialfernrohr, dem sogenannten „Gucki“, nehmen ehrenamtliche Schätzer jeweils zehn Ausschnitte eines Baumes ins Visier und zählen den Apfelbehang. Auf Grundlage eines festgelegten Berechnungsverfahrens lässt sich daraus eine bundesweite Ernteprognose ableiten.
In diesem Jahr beteiligen sich 45 ehrenamtliche Schätzer an der Erhebung. Mit ihrer Arbeit leisten sie zugleich einen wichtigen Beitrag dazu, die wirtschaftliche und ökologische Bedeutung der Streuobstbestände sichtbar zu machen.

Der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e. V. in Bonn wurde 1951 gegründet. Rund 300 Fruchtsaft-, Fruchtnektar-, Gemüsesaft- und Gemüsenektarhersteller Deutschlands sind Mitglied.
Der Verband vertritt die gemeinsamen Interessen der Branche im In- und Ausland.

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Themenrelevante Wikipedia-Infos:
  • Ernte (Wikipedia)
    Die Ernte (mittelhochdeutsch ẹrnde bzw. ẹrne ‚Ernte, Erntezeit‘, aus ursprünglicher Bedeutungsentwicklung von ‚Feldarbeit‘ zu ‚Verdienst daraus‘) fasst alle Arbeiten zusammen, die zum Einbringen landwirtschaftlicher Gewächse und Früchte notwendig sind. Ziel aller zur Ernte angewandten Verfahren ist es, die landwirtschaftlichen Erzeugnisse in der Zeit, in der sie den Anbauzweck (menschlicher oder tierischer Verzehr oder sonstige Nutzung, z. B. Fasergewinnung) bestmöglich erfüllen, weitestgehend verlustfrei vom Anbaustandort wegzunehmen.
  • Fruchtsaft (Wikipedia)
    Fruchtsaft, spezieller auch Obstsaft, ist ein aus Früchten einer oder mehrerer Fruchtarten gewonnenes flüssiges Erzeugnis, das für die menschliche Ernährung bestimmt ist. Der Fruchtgehalt muss 100 % betragen. Es wird zwischen Direktsaft und Fruchtsaft aus Konzentrat unterschieden. Bei letzterem wird Fruchtsaft im Herkunftsland konzentriert und im Zielland rückverdünnt. Von Fruchtsaft abgegrenzt werden Fruchtnektare und Fruchtsaftgetränke, bei denen weitere Zutaten zugesetzt werden dürfen.
  • Kelterei (Wikipedia)
    Eine Kelter (von lateinisch calcatorium, deutsch Fußtretung, nach der anfangs üblichen Arbeitsweise, das Pressgut barfüßig zu zerstampfen) ist eine Presse zur Gewinnung von Frucht- und Obstsäften, auch als Vorstufen von Wein und vergorenem Most. In Südtirol, der Ostschweiz, in Südbaden und Schwaben ist der Name Torkel oder Torgg(e)l verbreitet; in der Schweiz und in Südwestdeutschland heißt sie Trotte. Um den hohen Pressdruck zu erzeugen, werden unterschiedliche mechanische Umsetzungsverfahren (wie etwa Hebel oder Gewindespindeln) und Antriebsverfahren (Muskelkraft von Tier und Mensch; inzwischen in der Regel elektrische Energie) benutzt. Moderne Keltern arbeiten zum Pressen mit Druckluft und/oder Unterdruck. Verallgemeinert stehen die Bezeichnungen Kelter, Torkel und Trotte auch für ein Press- oder Kelterhaus, den Raum oder das Gebäude, in dem die Presse steht.
  • Obst (Wikipedia)
    Obst ist ein Sammelbegriff für durch den Menschen roh genießbare Früchte oder Samen, die von mehrjährigen, ganz oder teilweise verholzten Wild- oder Kulturpflanzen stammen.
  • Streuobst (Wikipedia)
    Die Streuobstwiese, regional Obstwiese, Obstgarten, Stückle, Bitz, Bangert, Bongert oder Bungert (Baumgarten) genannt, ist eine traditionelle Form des Obstbaus in Europa. Auf Streuobstwiesen stehen verstreut starkwüchsige, hochstämmige und großkronig erzogene Obstbäume meist unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Arten und Sorten. Größere, landschaftsprägende Streuobstwiesen befinden sich in Süddeutschland, Österreich und in der Schweiz. Obstbäume können den Boden an Hängen vor Bodenerosion schützen. Extreme Temperaturen werden durch den Luftaustausch zwischen schattigen und besonnten Flächen abgeschwächt, und die Windgeschwindigkeit wird durch die höhere Strukturvielfalt vermindert. Die Bestände haben europaweit seit den 1920er-Jahren abgenommen. Auf extensiv bewirtschafteten Streuobstwiesen komplettiert je nach Artenzusammensetzung, Standortfaktoren und Zweitnutzung eine artenreiche Tierwelt (Fauna) die Lebensgemeinschaft (Biozönose). Streuobstanbau wurde im Jahr 2021 in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
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