Neue Veranstaltungen der Deutschen Psychologen Akademie zu Neurodiversität mit Schwerpunkt ADHS sowie ein Ausblick auf weitere Angebote im Jahr 2027

Neurodiversität in der psychologischen Praxis

Key Facts

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– Was? Neue Veranstaltungen der Deutschen Psychologen Akademie zu Neurodiversität in der psychologischen Praxis mit Schwerpunkt ADHS sowie ein Ausblick auf weitere Angebote 2027
– Wann? Herbst 2026 / Frühjahr 2027
– Wo? Berlin und online
– Für wen? PsychotherapeutInnen; PsychologInnen; psychologische Fachkräfte in Diagnostik, Beratung und Behandlung; weitere Fachkräfte mit fachlichem Bezug
– Format: Praxisorientierte Seminare und Vorträge, einzeln buchbar
– Schwerpunkte: ADHS im Erwachsenenalter, Diagnostik und Behandlung, ganzheitliche Interventionen bei ADHS über die Lebensspanne, Psychopharmakotherapie, Autismus-Spektrum-Störungen, Neurodiversität in der Arbeitswelt
– Anmeldung:  psychologenakademie.de

Mit dem wachsenden Bewusstsein für Neurodiversität steigt auch der Bedarf an fundierten Fortbildungen für psychologische Fachkräfte. Viele Menschen, die eine Diagnose wie ADHS oder Autismus erhalten, bezeichnen sich heute als „neurodivergent“ und verstehen ihre neurologischen Besonderheiten nicht ausschließlich als Defizit. Diese Perspektive gewinnt auch in Therapie, Beratung und Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung. Neurodivergente Menschen bringen unterschiedliche Stärken und Unterstützungsbedarfe mit, die sich je nach Kontext verschieden auswirken. Für PsychotherapeutInnen, PsychologInnen und andere Fachkräfte ergeben sich daraus konkrete Fragen: Entstehen Beeinträchtigungen vor allem aus der neurologischen Besonderheit selbst oder auch aus Strukturen, die wenig Raum für unterschiedliche Arbeits- und Denkweisen lassen? In der Praxis spielen häufig beide Faktoren eine Rolle.

Ein Thema, das die Praxis verändert

Der Begriff Neurodiversität hat sich in fachlichen und gesellschaftlichen Debatten etabliert. Das Konzept wurde ursprünglich in der Selbstvertretungsbewegung neurodivergenter Menschen entwickelt und wird inzwischen auch wissenschaftlich breit diskutiert. ADHS betrifft nicht nur Kinder und Jugendliche. Bei einem erheblichen Teil der Betroffenen bleibt die Symptomatik bis ins Erwachsenenalter bestehen, wird dort jedoch häufig erst spät diagnostiziert. Ähnliches gilt für Autismus-Spektrum-Störungen, bei denen insbesondere Frauen aufgrund eines oft anders ausgeprägten Symptombildes lange ohne Diagnose bleiben. Beide Diagnosen verweisen auf ein breiteres Spektrum neurodivergenter Ausprägungen, das in Therapie, Beratung und Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Ein affirmativer Zugang bedeutet dabei nicht, Beeinträchtigungen kleinzureden oder auf Diagnostik zu verzichten. Vielmehr gilt es zu prüfen, welche Folgen sich aus der neurologischen Besonderheit selbst ergeben und welche durch Umgebungen entstehen, die wenig Raum für andere Wahrnehmungs-, Denk- und Arbeitsweisen lassen. Zugleich sind Komorbiditäten etwa bei ADHS und Autismus-Spektrum-Störungen klinisch gut dokumentiert und haben unmittelbare Konsequenzen für Diagnostik, Beratung sowie für die Gestaltung von Arbeits- und Lebensbedingungen.

Fortbildungen 2026 und Ausblick auf 2027

Den Auftakt macht das zweitägige Seminar „ADHS bei Erwachsenen diagnostizieren und behandeln“ (04.–05.09.2026, Berlin) mit Dr. med. Lenka Staun. Es vermittelt die Diagnostik von ADHS im Erwachsenenalter mithilfe etablierter Testverfahren wie HASE und DIVA und stellt mit der Mentalisierungsbasierten Therapie (MBT-ADHS) einen Ansatz vor, der gezielt auf Schwierigkeiten der Emotionsregulation fokussiert. Im September folgt das Online-Seminar „Von ADHS bis Zwangsstörung“ (25.–26.09.2026) mit Dr. Thomas Riemer, das einen praxisnahen Überblick über Psychopharmakotherapie von gängigen Wirkstoffklassen bis zu innovativen Ansätzen wie Psychedelika und Neurostimulation bietet.

Im Oktober bietet M. Sc. Leon Schäfer-Kaupp in Berlin das Tagesseminar „Chaotisch – Genial – Erfolglos? ADHS im Erwachsenenalter“ (14.10.2026) an. Im Mittelpunkt stehen Strategien für die therapeutische Arbeit mit Erwachsenen, bei denen ADHS oft erst spät erkannt wird und sich über Jahre auf Ausbildung, Beruf und Alltag ausgewirkt hat. Am 09. und 10.11.2026 folgt das Online-Seminar „Hummeln im Hirn – Ganzheitliche Interventionen bei ADHS über die Lebensspanne“ mit Dipl.-Psych. Claudia Reinicke. Es vermittelt praxisnahe Interventionen für unterschiedliche Lebensphasen und zeigt, wie sich ressourcenorientierte Techniken in die therapeutische Arbeit übertragen lassen.

Im November richtet der Online-Vortrag „Vielfalt im Kopf“ (20.11.2026) mit M. Sc. Saskia Rauh den Blick über die klinische Praxis hinaus und zeigt, wie inklusive Strukturen in der Arbeitswelt das Potenzial neurodivergenter Menschen sichtbarer machen können.

Für 2027 stehen bereits weitere Veranstaltungen fest. Dazu zählen das Online-Seminar „Autismus-Spektrum im Erwachsenenalter“ (12.03.2027) mit Dipl.-Psych. Heiko Thomas Bartels sowie das Online-Seminar „Fallseminar: Hochfunktionaler Autismus“ (12.04.2027) mit Dipl.-Psych. Manon Weßler.

Alle Angebote richten sich an PsychotherapeutInnen, PsychologInnen und psychologische Fachkräfte in Diagnostik, Beratung und Behandlung. Weitere Veranstaltungen zu Neurodiversität in der Arbeitswelt und zu angrenzenden Themenfeldern sind in Vorbereitung.

Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen und die Anmeldung finden sie unter psychologenakademie.de

Als Bildungseinrichtung des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen ist die Deutsche Psychologen Akademie der führende Fort- und Weiterbildungsanbieter im Bereich der angewandten Psychologie in Deutschland. Seit mehr als 30 Jahren bieten wir mit einem breiten Angebot von rund 400 Veranstaltungen jährlich bundesweit fachliches Know-how aus erster Hand. In Zusammenarbeit mit renommierten Universitätsinstituten, Fachgesellschaften, praxiserfahrenen DozentInnen und spezialisierten PraktikerInnen entwickeln wir anspruchsvolle Bildungsangebote auf hohem Niveau.

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https://www.psychologenakademie.de

Themenrelevante Wikipedia-Infos:
  • ADHS im Erwachsenenalter (Wikipedia)
    Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bei Erwachsenen oder adulte ADHS ist die bei Erwachsenen fortbestehende Form der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Dabei handelt es sich um eine neurobiologisch bedingte Entwicklungsabweichung der Selbstregulation, die in der Kindheit beginnt. Die Störung zeichnet sich durch Probleme mit Aufmerksamkeit, Impulsivität, den exekutiven Funktionen und manchmal auch Hyperaktivität aus. Die Diagnosekriterien für ADHS sind für alle Altersgruppen im Wesentlichen gleich. Die Verbreitung von ADHS unter Erwachsenen beträgt nach einer Vielzahl von Studien in mehreren Erdteilen ca. 2,5 %; diese Werte werden aber noch als vorläufig betrachtet.
  • Deutsche Psychologen Akademie (Wikipedia)
    Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e. V. (BDP) vertritt die beruflichen Interessen von niedergelassenen, selbstständigen und angestellten/beamteten Psychologen in Deutschland.
  • Neurodiversität (Wikipedia)
    Neurodiversität ist ein Konzept, das neurologische Unterschiede zwischen Menschen – wie sie etwa bei Autismus, ADHS oder Legasthenie auftreten – als natürliche und wertvolle Formen der menschlichen Vielfalt betrachtet. Diese Perspektive fordert die traditionelle Auffassung heraus, die solche neurokognitiven Ausprägungen als Defizite oder Störungen ansieht. Stattdessen betont sie die Notwendigkeit von Akzeptanz, passender Unterstützung und Inklusion für als neurodivergent bezeichnete Menschen. Der Begriff entstand in den 1990er-Jahren innerhalb autistischer Gemeinschaften und ist mit der Behindertenrechtsbewegung verknüpft. Die Neurodiversitätsbewegung argumentiert, dass die gesellschaftlichen und medizinischen Erwartungen daran, wie Menschen sein und funktionieren sollen, auf Vorurteilen beruhen. Sie fordert einen Paradigmenwechsel hin zu einem von sozialen Behinderungsmodellen geprägten Ansatz. Dabei wird Behinderung in erster Linie nicht als Merkmal einer Person, sondern als Folge unpassender Umgebungen, unflexibler Systeme und mangelnder Akzeptanz verstanden. Befürwortet werden jedoch z. B. die Förderung einer effektiven Kommunikation grundlegender Bedürfnisse, der Abbau schädlicher Verhaltensweisen sowie die Behandlung gleichzeitig auftretender Erkrankungen (z. B. Ängste, Epilepsie). Die Bewegung setzt sich insbesondere für den Abbau von Stigmatisierung und Ableismus (Behindertenfeindlichkeit) ein. Sie vergleicht diese Formen der Diskriminierung mit jener anderer Gruppen, etwa aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit, des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung. Sensorische, soziale und andere Barrieren sollen beseitigt werden, beispielsweise im Bildungsbereich, am Arbeitsplatz und im Gesundheitswesen. Ein weiteres Hauptziel der Bewegung ist der Ausbau der Selbstbestimmung neurodivergenter Menschen („nichts über uns ohne uns“) in Entscheidungsprozessen wie etwa der Festlegung von Forschungsprioritäten. Forschung zur Beseitigung von Autismus, etwa durch genetische Selektion, lehnt sie ab. Viele Fachleute arbeiten weiterhin mit der Sicht auf Autismus als Störung, es findet aber eine zunehmende Verschiebung in Richtung des Neurodiversitätsmodells statt. Eine …
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