Warum hat die Apotheke mein Arzneimittel nicht?

Leere Schubladen: Lieferschwierigkeiten bei Medikamenten

Apotheker in Sorge: Lieferschwierigkeiten und ihre Ursachen

Mainz – Immer wieder kommt es zu Lieferschwierigkeiten auch bei gängigen Arzneimitteln. Patienten können dann in der Apotheke ihr verordnetes Medikament nicht gleich erhalten oder sie müssen auf ein wirkgleiches anderes Produkt umgestellt werden. Nicht selten sind Betroffene dann verunsichert oder gar verärgert. Der Apothekerverband Rheinland-Pfalz klärt darum darüber auf, welche vielfältigen Ursachen hinter den Lieferschwierigkeiten stecken, so Vorstand Petra Engel-Djabarian. „Wir können unseren Patienten oft nur schwer verständlich machen, dass in einem hochentwickelten und reichen Land wie Deutschland ein Arzneimittel nicht verfügbar ist. Doch Tatsache ist, dass Arzneimittel-Hersteller sich zunehmend vom deutschen Markt verabschieden. Hintergrund ist ein ausufernder Preiskampf und Preisdruck. Das führt dann zu einem Mangel.“

In den letzten Jahren haben vor allem Lieferschwierigkeiten bei Schilddrüsen-Präparaten, Hormonpflastern, Blutdruckmitteln aber auch bei Antibiotika für Schlagzeilen gesorgt. Der Apothekerverband Rheinland-Pfalz setzt sich seit vielen Jahren aktiv mit der Problematik auseinander. Engel-Djabarian: „Wesentliche Gründe für Lieferschwierigkeiten bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln sind beispielsweise
Wirkstoff-Engpässe. Fast alle Ausgangsstoffe für unsere Arzneimittel werden aus Kostengründen nicht mehr in Deutschland und auch nicht mehr in Europa hergestellt. Sie kommen überwiegend aus Asien, vor allem Indien. Hersteller in Deutschland und Europa sind auf diese Wirkstoffe angewiesen.“ Wenn es bei den Vorlieferanten zu Ausfällen beispielsweise wegen Produktionsschwierigkeiten komme, könnten entsprechende Arzneimittel nicht produziert werden und fehlten in den Apotheken. „Dann bleibt meine Schublade für die Versorgung von Patienten leer.“

Eine weitere Auswirkung globalisierter Märkte schlägt auch bei Arzneimitteln zu: Unterschiedliche Preisbildungssysteme für Fertigarzneimittel in Europa und darüber hinaus können bewirken, dass Arzneimittelhersteller oder Zwischen- und Großhändler die Ware eher ins Ausland als nach Deutschland liefern, weil dort höhere Preise für die Arzneimittel erzielt werden können, erklärt Engel-Djabarian. „Hintergrund ist eine sehr restriktive Preispolitik in Deutschland, die schon seit vielen Jahren praktiziert wird. Für Hersteller und Zwischenhändler ist es nicht selten lukrativer, ihre Ware außerhalb Deutschlands zu verkaufen. Denn was Arzneimittel angeht, ist Deutschland seit langem kein Hochpreisland mehr. Diese Marktverschiebungen führen dazu, dass nicht immer alles verfügbar ist.“

Im deutschen Gesundheitswesen werden seit vielen Jahren große Sparanstrengungen unternommen, die oft auch nötig sind. Die Kosten für die allgemeine Gesundheitsversorgung muss mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln bezahlt werden. Hier zu steuern, ist sinnvoll, bekräftigt Engel-Djabarian. „Die Sparschrauben sind mittlerweile aber so stark angezogen, dass die Versorgungsqualität und -sicherheit mitunter nicht mehr gewährleistet werden kann. Wir fordern deswegen seit längerem von der Politik, dass gerade im Gesundheitsbereich nicht um jeden Preis gespart werden darf. Wir müssen wieder zu einem guten Gleichgewicht von Kostensenkung und Versorgungssicherheit kommen.“ Auch die Konzentration auf einige wenige Arzneimittelhersteller, die durch die Rabattverträge der Krankenkassen beflügelt wird, mache anfällig für Lieferausfälle.

Der Apothekerverband Rheinland-Pfalz e. V. – LAV vertritt die Interessen der selbstständigen Apothekerinnen und Apotheker in Rheinland-Pfalz. Er ist Vertragspartner der Krankenkassen und schließt mit diesen Verträge ab. Von den gut 1.000 Apothekenleitern sind rund 95 Prozent freiwillige Mitglieder im Verband.

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