Wie können indigene Völker in Namibia wirkungsvoll ihre Kultur bewahren?
Der Verlust kultureller Identität in Afrika ist ein vielschichtiges Problem. Die Ursachen liegen im Kolonialismus, der daraus resultierenden Ausbeutung von Mensch und Natur und dem Einfluss der Moderne und Globalisierung. Gegen das Vergessen der alten Traditionen in Namibia kämpft die deutsch-namibische Organisation The Living Culture Foundation. Sie hilft namibischen Gemeinschaften dabei, sog. Lebende Museen aufzubauen. Ein Lebendes Museum ist ein authentisch nachgebautes traditionelles Dorf als Freilichtmuseum, das Besuchern die ursprüngliche Kultur und Lebensweise vor der Kolonialisierung und ohne europäische Einflüsse näherbringt.
Was sind die Hauptziele eines Lebenden Museums?
1. Erhalt der traditionellen Kultur und Stärkung der Identität
Ein Lebendes Museum dient dazu, überliefertes Wissen, Bräuche, Handwerk und Tänze der verschiedenen namibischen Volksgruppen zu schützen, zu praktizieren und an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Besonders für junge Menschen bietet das Museum eine Möglichkeit, ihre Wurzeln zu verstehen und Stolz auf ihre Kultur zu entwickeln.
2. Armutsbekämpfung durch gesichertes Einkommen
Die Lebenden Museen ermöglichen es den Mitgliedern, durch den Verkauf von traditionellem Kunsthandwerk und Führungen direkt von ihren Fähigkeiten zu profitieren. Durch den Tourismus werden in oft strukturschwachen, kommunalen Gebieten neue, nachhaltige Einnahmequellen geschaffen. Ältere, mittellose Menschen erhalten eine Aufgabe und gewinnen Unabhängigkeit.
3. Förderung des interkulturellen Dialogs
Im Lebenden Museum sollen Einheimische und Touristen auf gleicher Augenhöhe die Möglichkeit haben, sich auszutauschen und gegenseitig von einander zu lernen. Interesse und Neugierde seitens der Besucher fördern bei den einheimischen Mitgliedern Selbstbewusstsein und Stolz. Außerdem soll auch eine Annäherung innerhalb der eigenen namibischen Bevölkerungsgruppen erreicht werden. So wachsen mit der Zeit Verständnis und Toleranz füreinander.
Welche Lebenden Museen gibt es in Namibia?
Im Moment sind sechs von ursprünglich sieben Lebenden Museen für Besucher geöffnet. Die verschiedenen Volksgruppen setzen unterschiedliche Akzente für Ihre Besucher und bieten voneinander abweichende Aktivitäten an. Hier kommt ein Überblick über die bestehenden Freilichtmuseen.
Nr. 1 – Das Lebende Museum der Ju/“Hoansi-San
Dieses lebende Museum bei Grashoek ist das erste seiner Art in Namibia. Es wird seit 2004 selbstständig von den Ju/“Hoansi-San betrieben und verwaltet. Den San – früher als Buschleute bezeichnet – ist es dabei sehr wichtig, die alte Jäger-und-Sammler-Kultur genau so wie früher und so authentisch wie möglich zu präsentieren. Die angebotenen Programme sind überwiegend interaktiv, wie die (nachgestellte) Jagd mit Pfeil und Bogen oder gemeinsames Singen.
Nr. 2 – Das Lebende Museum der Damara
In der Nähe von Twyfelfontein befindet sich das Lebende Museum der Damara. Zusammen mit den San-Buschleuten gelten die Damara als die „Ureinwohner“ Namibias. Ihre jahrhundertalte Kultur ist eine Mischung aus archaischer Jäger- und Sammlerkultur und der Viehzucht von Rindern, Ziegen und Schafen. Besucher können beim Schmieden oder Gerben zuschauen und sich bei Buschwanderungen erklären lassen, welche Pflanzen medizinische Wirkung haben.
Nr. 3 – Das Lebende Museum der Mafwe
Ein touristisches Highlight der Sambesi-Region (Caprivi) im Norden Namibias ist das Lebende Museum der Mafwe, einer Bantu-Kultur. Es ist landschaftlich wunderschön an einem Hügel gelegen mit Blick auf den Kwando-Fluss. Den Mafwe bereitet es große Freude, wenn die Gäste interaktive Angebote wahrnehmen – sich beispielsweise im Flechten einer Reuse versuchen oder eine der angebotenen traditionellen Speisen probieren.
Nr. 4 – Das Lebende Museum der Mbunza
Die Bantu-Kultur des Okavango-Flusses kann man im Lebenden Museum der Mbunza kennenlernen. Wesentlicher Bestandteil des Programms für Besucher ist die traditionelle Darstellung der Fischerei- und Ackerbaukultur der Mbunza. Diese reicht von Szenen des alltäglichen Leben wie der Herstellung von Körben, über Buschwanderungen und Fischerei bis hin zu hoch spezialisierten Techniken wie Schmiedekunst, Töpferei und Trommelbau.
Nr. 5 – Das Lebende Museum der Ovahimba
Im Norden Namibias – zwischen der Stadt Opuwo und den Epupafällen am Kunene-Fluss – liegt das Lebende Museum der Ovahimba oder auch kurz nur Himba genannt. Wichtige Teile Ihrer ursprünglichen Tradition sind Nahrungsproduktion, Handwerkskunst, Errichtung der Lehmhütten sowie Singen und Tanzen. Gäste lernen die Bedeutung des Heiligen Feuers, die religiösen Anschauungen und die Wichtigkeit des Viehs für die Ovahimba-Kultur kennen.
Nr. 6 – Das Lebende Museum der Khwe
Dieses jüngste Lebende Museum präsentiert die San-Kultur der Khwe im Norden des Landes. Diese gehört zu den stark gefährdeten Kulturen in Namibia, denn nur noch etwa 4.000 Menschen zählen zur Volksgruppe der Khwe. Besucher erleben traditionelle Tänze, erhalten Einblick in die Ahnenwelt und sehen, riechen und fühlen das historische Leben der Khwe. Bei einer Buschwanderung demonstrieren die Khwe ihre exzellenten Fähigkeiten im Spurenlesen und Fallenstellen.
Auf welcher Namibiareise kann ich ein Lebendes Museum besuchen?
Auf den meisten unserer Namibiareisen gehört der Besuch eines Lebenden Museums fest zum Programm dazu. Reisenden, die besonders tief in die verschiedenen Kulturen eintauchen möchten, empfehlen wir die 16-Tage-Reise „Höhepunkte Namibias“ aus unserem Reiseangebot. Unser KrautTrotter-Team bietet Interessierten eine kostenlose Reiseberatung an.
Marion Balczun-Kocer wagte nach über 30 Jahren den Berufsausstieg als Apothekerin. Sie gründete im Februar 2024 KrautTrotter® – Safaris als Spezialagentur für Afrikareisen. Hier vereint sie Reiseleidenschaft, Afrika-Expertise und Ihre langjährige Erfahrung im Kunden-Management.
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- Namibia (Wikipedia)
Namibia (selten Namibien; amtlich Republik Namibia; deutsche Aussprache [naˈmiːbi̯a]; englisch Republic of Namibia) ist ein Staat im südlichen Afrika und grenzt (im Uhrzeigersinn) an Angola, Sambia, Botswana, Südafrika und den Atlantischen Ozean. Namibia ist aufgrund des großen Flächenanteils der namensgebenden Wüste Namib das nach der Mongolei am zweitdünnsten besiedelte Land der Welt. Das Land hat etwa 3,022 Millionen Einwohner (Stand 2023), überwiegend Christen vieler verschiedener Ethnien. Die größte Bevölkerungsgruppe bilden mit knapp 50 % die Ovambo. Die Hauptstadt und größte Stadt Namibias ist Windhoek. Die trockene Landschaft war ursprünglich von den Völkern der San („Buschleute“) und der Damara besiedelt. Etwa seit dem 14. Jahrhundert wanderten Bantu in das Land ein. Das Gebiet des heutigen Namibia wurde im Jahre 1884 ein „Schutzgebiet“ des Deutschen Reiches und blieb bis zum Ende des Ersten Weltkrieges eine deutsche Kolonie mit dem Namen Deutsch-Südwestafrika. In den Jahren 1904 bis 1908 schlug die deutsche Kolonialmacht den Aufstand der Herero und Nama gewaltsam nieder und verübte dabei einen Völkermord. 1920 stellte der Völkerbund das weiterhin als Südwestafrika bezeichnete Gebiet unter Mandatsverwaltung von Südafrika – faktisch als südafrikanische Fremdverwaltung –, die eine eigene Rechtsordnung nach sich zog und während der Apartheid zu einer tiefgehenden Integration in die Hoheitsgewalt des Staates Südafrika führte. Erst am 21. März 1990 erlangte Namibia (mit Ausnahme von Walvis Bay und den Penguin Islands, die 1994 nachfolgten) dank des Namibischen Befreiungskampfes die Unabhängigkeit von Südafrika. Der 21. März ist seitdem Nationalfeiertag des Landes. Namibia hat eine stabile parlamentarische Demokratie. Die namibische Wirtschaft ist stark durch die Bereiche Landwirtschaft, Tourismus und Bergbau (Uran, Gold, Silber und unedle Metalle) geprägt. Das Land ist seit 1990 (Resolution 652) Mitglied der Vereinten Nationen (UNO), der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrikas (SADC), der Zollunion des Südlichen Afrika (SACU) sowie der Afrikanischen Union (AU) und des Commonwealth of Nations.