Wendepunkt bei Pyrogentest an Kaninchen und Pfeilschwanzkrebsen
Wichtige Schritte zur Beendigung des Leids der Pfeilschwanzkrebse
Ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte der Arzneimittelsicherheit: Organisiert vom Europäischen Rat und Vertretern der Europäischen Kommission und der Industrie fand am 25. und 26. Februar 2026 in Brüssel das Symposium „Pyrogen Testing 2.0“ statt. Im Fokus stand der endgültige Abschied von grausamen Tierversuchen bei der Prüfung auf Fieber erzeugende Stoffe (Pyrogene).
Seit dem 1. Januar 2026 ist der Pyrogentest an Kaninchen (RPT) offiziell aus dem Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) gestrichen. Mit der Streichung endet eine Ära von 55 Jahren, in denen dieses Verfahren als Standard für die Prüfung auf fiebererzeugende Stoffe galt. Bei diesem Test wurden Kaninchen stundenlang in enge Kästen fixiert, um ihnen Testsubstanzen in die Ohrvene zu spritzen und den Temperaturanstieg zu messen. Dank beharrlicher Lobbyarbeit von Seiten des Tierschutzes sank die Zahl der für diese Tests missbrauchten Kaninchen bereits zwischen 2015 und 2020 um 49 %. Als moderne, tierfreie Methode dient nun vor allem der Monozyten-Aktivierungstest (MAT), der mit menschlichen Blutzellen arbeitet und deutlich präzisere Ergebnisse liefert. Das Streichen aus dem Europäischen Arzneibuch bedeutet, dass der Test offiziell in der EU nicht mehr für Pyrogentestungen akzeptiert wird.
Ein weiterer großer Erfolg betrifft den Schutz der Pfeilschwanzkrebse. Für den sogenannten LAL-Test werden diese urzeitlichen Tiere lebendig „angezapft“, um ihnen ihr blaues Blut zu entnehmen. Die Europäische Koalition zur Beendigung von Tierversuchen (ECEAE) hatte erst im Dezember 2025 rund 34.000 gesammelte Unterschriften an die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA überreicht. Die Kampagne zeigt Wirkung. Der synthetische, tierfreie Ersatz „Recombinant Factor C“ (rFC) wird als offizielle Methode (Methode G) fest im Arzneibuch verankert. Ab dem 1. Januar 2027 müssen Unternehmen nicht mehr mühsam beweisen, dass der tierfreie Test die gleichen Resultate liefert wie der tierische, was eine enorme bürokratische Erleichterung für den Umstieg ausmacht. Die EMA empfiehlt Herstellern nun ausdrücklich, auf den LAL-Test zu verzichten und stattdessen moderne tierversuchsfreie Testmethoden zu nutzen.
„Es ist erfreulich zu sehen, dass sich sowohl bei der Industrie, als auch bei den EU-Institutionen ein Bewusstsein für die Notwendigkeit der Abschaffung des LAL-Tests entwickelt hat. Der Wille zum Umstieg ist vorhanden und der Weg dahin geebnet“, sagt Dr. Tamara Zietek, Geschäftsführerin Wissenschaft bei Ärzte gegen Tierversuche, die als Vorsitzende der ECEAE in Brüssel vor Ort bei dem Symposium dabei war. „Es ist nun wichtig, dass sowohl Industrie als auch Behörden die tierfreie Testung in der Praxis etablieren, damit auch der grausame LAL-Test aus dem Arzneibuch gestrichen wird.“
Obwohl Europa hier als Vorbild dient, bleibt die fehlende weltweite Harmonisierung ein Hindernis für die vollständige Eliminierung der tierbasierten Pyrogentestung. Solange andere Länder noch Tierversuche vorschreiben, müssen Firmen für den Export weiterhin Kaninchen quälen. „Dieses Symposium beweist: Die Wissenschaft ist soweit, und die Behörden ziehen endlich langsam nach“, erklärt Zietek. „Wir fordern nun alle internationalen Behörden auf, dem europäischen Beispiel zu folgen und das Ausbluten von Krebsen und das Leiden von Kaninchen weltweit endlich zu beenden“.
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„Medizinischer Fortschritt ist wichtig – Tierversuche sind der falsche Weg!“ – Unter diesem Motto setzt sich Ärzte gegen Tierversuche e. V. seit 1979 für eine tierversuchsfreie Forschung ein, die auf dem Einsatz von modernen Methoden z.B. mit menschlichen Zellkulturen und Organchips sowie der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten basiert. Ziel ist die Abschaffung aller Tierversuche und damit eine ethisch vertretbare, am Menschen orientierte Medizin – eine Wissenschaft, die durch moderne, tierversuchsfreie Testmethoden zu relevanten Ergebnissen gelangt.
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Lustheide 85
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email : neumann@aerzte-gegen-tierversuche.de
- Medizin, Gesundheit, Wellness (Wikipedia)
Die Medizin (von lateinisch medicina) ist die Wissenschaft der Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Krankheiten, Verletzungen und Behinderungen bei Menschen und Tieren. Sie wird von medizinisch ausgebildeten Heilkundigen ausgeübt mit dem Ziel, die Gesundheit zu erhalten oder wiederherzustellen. Dabei handelt es sich meist um Ärzte, aber auch um Angehörige weiterer Heilberufe. Zum Bereich der Medizin gehören neben der Humanmedizin die Zahnmedizin, die Veterinärmedizin (Tiermedizin) und in einem weiteren Verständnis auch die Phytomedizin (Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten und Schädlingen). In diesem umfassenden Sinn ist Medizin die Lehre vom gesunden und kranken Lebewesen. Die Kulturgeschichte kennt eine große Zahl von unterschiedlichen medizinischen Lehrgebäuden, beginnend mit den Ärzteschulen im europäischen und asiatischen Altertum, bis hin zur modernen Vielfalt wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die Medizin umfasst auch die anwendungsbezogene Forschung ihrer Vertreter zur Beschaffenheit und Funktion des menschlichen und tierischen Körpers in gesundem und krankem Zustand, mit der sie ihre Diagnosen und Therapien verbessern will. Die (natur)wissenschaftliche Medizin bedient sich dabei seit etwa 1845 zunehmend der Grundlagen, die Physik, Chemie, Biologie und Psychologie erarbeitet haben. Als Mediziner bezeichnet man eine Person, die Medizin studiert hat.