Experten fordern mehr Diversität in deutschen und internationalen Spenderregistern

Herkunft beeinflusst Erfolg der Stammzelltransplantation

Vita34.de – Stammzelleneinlagerung, Nabelschnurblut, Nabelschnurgewebe

Deutschland zählt zu den Ländern mit den größten Stammzellspenderregistern weltweit. Dennoch profitieren nicht alle Patientinnen und Patienten gleichermaßen von diesen Strukturen. Menschen mit familiären Wurzeln außerhalb Europas haben deutlich geringere Chancen, einen passenden Stammzellspender zu finden – mit unmittelbaren Folgen für ihre Überlebenschancen.

Stimmungsbarometer:unverb. KI-Analyse*

Für viele Betroffene mit Leukämie oder Lymphomen ist die allogene Stammzelltransplantation die einzige kurative Therapieoption. Voraussetzung für den Erfolg ist eine möglichst vollständige Übereinstimmung der sogenannten HLA-Merkmale zwischen Spender und Empfänger. Die deutschen Konsensus-Empfehlungen sehen eine Übereinstimmung in zehn relevanten HLA-Merkmalen vor.(1) Je geringer die Übereinstimmung, desto höher das Risiko schwerer Transplantat-gegen-Wirt-Reaktionen.

Genetische Vielfalt trifft auf strukturelle Ungleichheit

Die Herausforderung liegt in der genetischen Vielfalt: Von jedem relevanten HLA-Gen existieren hunderte Varianten. Weltweit ergeben sich daraus Millionen möglicher Kombinationen. Die Wahrscheinlichkeit einer Übereinstimmung ist daher grundsätzlich gering – und stark abhängig von der ethnischen Herkunft.

Zwar stehen internationale Register mit über 40 Millionen potenziellen Spendern zur Verfügung. Doch diese Register sind historisch gewachsen und überwiegend europäisch geprägt. Rund 70 Prozent der Transplantationen erfolgen über unverwandte Spender aus diesen Datenbanken.(2) Die genetische Diversität der Weltbevölkerung bildet sich darin jedoch nur unzureichend ab.

Die Folgen sind wissenschaftlich belegt: Während Menschen mit europäischem Hintergrund in fast 80 Prozent der Fälle eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, einen geeigneten Spender zu finden, sinkt diese Quote bei Personen aus Ostasien auf rund 40 Prozent. Für Menschen mit afrikanischer Herkunft liegt sie bei lediglich etwa 20 Prozent.(3)

Damit entscheidet die Herkunft in vielen Fällen mit darüber, ob eine lebensrettende Therapie realistisch verfügbar ist.

Gesundheitspolitischer Handlungsbedarf

Diese strukturelle Ungleichheit ist nicht allein ein medizinisches, sondern auch ein gesundheitspolitisches Problem. Deutschland ist ein Einwanderungsland. Dennoch spiegelt sich diese gesellschaftliche Realität in den Stammzellregistern bislang nicht ausreichend wider.

Expertinnen und Experten fordern daher gezielte Aufklärungskampagnen in Communities mit unterrepräsentierter Herkunft sowie niedrigschwellige Registrierungsangebote. Eine größere Diversität unter Stammzellspendern würde die Chancengleichheit deutlich verbessern und langfristig Leben retten.

Zugleich braucht es eine stärkere politische Priorisierung dieses Themas. Registerarbeit, Typisierung und langfristige Spenderbindung sind kostenintensiv und auf nachhaltige Finanzierung angewiesen. Eine diversitätsorientierte Registerstrategie sollte als Bestandteil nationaler Gesundheitsvorsorge verstanden werden.

Nabelschnurblut als ergänzende Vorsorgeoption

Neben der strukturellen Verbesserung der Register kann auch individuelle Vorsorge eine Rolle spielen. Stammzellen aus Nabelschnurblut gelten als immunologisch toleranter und können unter Umständen bei geringerer HLA-Übereinstimmung eingesetzt werden.(2)

Die Einlagerung von Nabelschnurblut bei der Geburt ermöglicht es Familien, im Bedarfsfall auf eine eigene Stammzellquelle zurückzugreifen. Gerade für Familien mit selteneren HLA-Konstellationen kann dies eine zusätzliche therapeutische Option darstellen.

Fazit

Die Stammzelltransplantation ist ein medizinischer Meilenstein – doch ihre Verfügbarkeit ist nicht gleich verteilt. Eine moderne, gerechte Gesundheitsversorgung muss genetische Vielfalt systematisch mitdenken. Mehr Diversität in den Registern, gezielte politische Maßnahmen und ergänzende Vorsorgestrategien sind entscheidende Schritte, um bestehende Ungleichheiten zu reduzieren.

Quellen
1 Fleischhauer, K. et al. (2021). Deutscher Konsensus 2021 zur Spenderauswahl für die allogene Stammzelltransplantation. DAG-HSZT, PAS&ZT, DGI. Version vom 29.09.2021.
2 Deutsches Ärzteblatt (2024). Nabelschnurblutspenden in Deutschland rückläufig – Relevanz könnte zunehmen. Januar 2024.
3 Gragert, L. et al. (2014). HLA Match Likelihoods for Hematopoietic Stem-Cell Grafts in the U.S. Registry. New England Journal of Medicine, 371, 339-348. DOI: 10.1056/NEJMsa1311707

Die FamiCord Group, die in Deutschland unter der Marke Vita34 bekannt ist, ist der Pionier und Marktführer im Zellbanking in Europa. Mit rund 750 Mitarbeiter*innen sind wir in mehr als 30 Ländern tätig und erwirtschaften einen Jahresumsatz von über EUR 75 Mio. In über 25 Jahren Unternehmensgeschichte haben wir über eine Million Zellpräparate eingelagert und die Therapie von über 7.000 Menschen unterstützt.

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Themenrelevante Wikipedia-Infos:
  • Baby (Wikipedia)
    Als Säugling (englisch baby) wird ein Kind im ersten Lebensjahr bezeichnet. Nach der Geburt wird ein junger Mensch naturgemäß mit Muttermilch ernährt, durch Stillen oder Säugen an der weiblichen Brust. Ähnlich dem Nachwuchs anderer Säugetiere ist der menschliche Säugling für diese Ernährungsform kompetent durch angeborene Reflexe wie den Such- und den Saugreflex. Sie ermöglichen auch die Aufnahme flüssiger Nahrung durch Saugen an einer Babyflasche und so eine Ernährung mit Muttermilchersatz, wenn der Säugling nicht gestillt wird.
  • forschung (Wikipedia)
    Unter Forschung versteht man, im Gegensatz zum zufälligen Entdecken, die systematische Suche nach neuen Erkenntnissen sowie deren Dokumentation und Veröffentlichung. Publiziert wird überwiegend als wissenschaftliche Arbeit in relevanten Fachzeitschriften und/oder über die Präsentation bei Fachtagungen. Forschung und Forschungsprojekte werden im wissenschaftlichen und industriellen, aber auch im künstlerischen Rahmen betrieben.
  • Geburt (Wikipedia)
    Geburt (lateinisch partus und altgriechisch γονή gonḗ), auch Entbindung (der Mutter von einem Kind) oder altertümlich Niederkunft (der Mutter mit einem Kind), ist der Vorgang des den Mutterleib verlassenden Kindes, welcher das Ende einer Schwangerschaft darstellt. Unter physiologischen Bedingungen wird die Geburt vom Fötus eingeleitet. Eine Schwangerschaft dauert beim Menschen durchschnittlich 266 Tage und endet, wenn der Fötus die Gebärmutter der Mutter verlässt. Die meisten Kinder werden innerhalb von jeweils zwei Wochen vor bzw. nach dem errechneten Termin geboren. Auf den Tag genau zum errechneten Termin kommen nur vier Prozent der Kinder zur Welt. Eine baldige Geburt kann sich durch folgende Symptome ankündigen: durch das Einsetzen der Eröffnungswehen (Dauer ungefähr 30–60 Sekunden, alle 10 Minuten) durch einen eventuell leicht blutigen Ausfluss infolge des sich lösenden Schleimpfropfes vom Muttermund (Zeichnungsblutung), teilweise einige Tage vor der Geburt den Blasensprung (das Platzen der Fruchtblase) Durchfall oder Erbrechen In der Medizin beginnt die Geburt, wenn der Muttermund mindestens fünf Zentimeter eröffnet ist und die Wehen regelmäßig und muttermundswirksam sind. Bei Überschreitung des sogenannten errechneten Termins um etwa 14 Tage oder wegen medizinischer Notwendigkeit kann durch eine Geburtseinleitung der Geburtsbeginn künstlich herbeigeführt werden.
  • Geburtsvorbereitung (Wikipedia)
    Mit dem Sammelbegriff Geburtsvorbereitung werden verschiedene Kurse und Angebote für Frauen und Paare in der Schwangerschaft bezeichnet, die sie auf die Geburt körperlich, mental und/oder psychisch vorbereiten sollen oder vor allem Informationen bieten. Kurse mit dieser Bezeichnung werden ab der 25. Schwangerschaftswoche empfohlen (sechster bis siebter Schwangerschaftsmonat) und üblicherweise von Hebammen angeboten, meist in einem Krankenhaus mit Entbindungsstation oder in einer Hebammenpraxis/Geburtshaus. Inhalte und Themen der Geburtsvorbereitungskurse: der Verlauf der Schwangerschaft Schwangerschaftsbeschwerden Bewegungsübungen (Schwangerschaftsgymnastik) Entspannungsübungen und Partnermassagen Vorbereitung des Damms Vorbereitung der Brust Wie spürt man Wehen, vorzeitige Wehen Blasensprung Übertragung des Ungeborenen Gründe die Hebamme anzurufen, Fahrt in die Klinik, Kliniktasche Körpererfahrung durch Atemübungen, Bauchatmung, Flankenatmung, Atmung zur Lungenspitze, Verbindung der drei Atemräume Atemtechniken während der Geburt, Stöhnen, Hecheln Informationen zu möglichen Orten für die Geburt (Krankenhaus, Geburtshaus, Hausgeburt) Informationen zu unterschiedlichen Entbindungstechniken bei der natürlichen Geburt (etwa Lamaze-Technik, Wassergeburt), zu Geburtseinleitungsverfahren und zum Thema Kaiserschnitt Möglichkeiten der Schmerzlinderung bei der Geburt, z. B. Periduralanästhesie (PDA) Besuch des Kreißsaales und der Wochenstation oder des Geburtsraumes eines Geburtshauses Mutterpass Rooming in Stillen Säuglingspflege – hierfür gibt es extra Kurse Beckenbodentraining Stimmungsänderungen Wochenbett, Wochenfluss, Nachwehen Tragen des Säuglings, Babytragetuch Veränderung der Paarbeziehung Sex nach einer Geburt Da immer mehr Väter bei der Geburt anwesend sind, werden solche Kurse auch für Paare angeboten. Aber auch in reinen Frauenkursen findet mindestens ein Partnerabend statt, an dem die werdenden Väter oder andere begleitende Personen vorbereitet werden. Hier sollen sie lernen, wie sie mit ihrer Partnerin atmen können, wo sie wie massieren können und welche Geburtshaltungen es gibt. Die Teilnahmegebühren der Väter an diesen Kursen werden von einer …
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  • Medizin (Wikipedia)
    Die Medizin (von lateinisch medicina) ist die Wissenschaft der Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Krankheiten, Verletzungen und Behinderungen bei Menschen und Tieren. Sie wird von medizinisch ausgebildeten Heilkundigen ausgeübt mit dem Ziel, die Gesundheit zu erhalten oder wiederherzustellen. Dabei handelt es sich meist um Ärzte, aber auch um Angehörige weiterer Heilberufe. Zum Bereich der Medizin gehören neben der Humanmedizin die Zahnmedizin, die Veterinärmedizin (Tiermedizin) und in einem weiteren Verständnis auch die Phytomedizin (Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten und Schädlingen). In diesem umfassenden Sinn ist Medizin die Lehre vom gesunden und kranken Lebewesen. Die Kulturgeschichte kennt eine große Zahl von unterschiedlichen medizinischen Lehrgebäuden, beginnend mit den Ärzteschulen im europäischen und asiatischen Altertum, bis hin zur modernen Vielfalt wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die Medizin umfasst auch die anwendungsbezogene Forschung ihrer Vertreter zur Beschaffenheit und Funktion des menschlichen und tierischen Körpers in gesundem und krankem Zustand, mit der sie ihre Diagnosen und Therapien verbessern will. Die (natur)wissenschaftliche Medizin bedient sich dabei seit etwa 1845 zunehmend der Grundlagen, die Physik, Chemie, Biologie und Psychologie erarbeitet haben. Als Mediziner bezeichnet man eine Person, die Medizin studiert hat.
  • Nabelschnurblut (Wikipedia)
    Als Nabelschnurblutstammzellen bezeichnet man Stammzellen, die aus Nabelschnurblut oder auch Plazentarestblut nach der Abnabelung des Kindes gewonnen werden. Seit Ende der 1980er-Jahre weiß man, dass Nabelschnurblut reich an Stammzellen ist, die in der Lage sind, das blutbildende System wiederherzustellen. Der Grund dafür ist die Wanderung der Blutbildung, die während der fetalen Entwicklung in Leber und Milz ansässig ist, in das Knochenmark. Diese Wanderung erfolgt im letzten Schwangerschaftsdrittel über den Blutkreislauf des Kindes. Dadurch finden sich zum Zeitpunkt der Geburt im Blut des Kindes und damit auch im Restblut von Nabelschnur und Plazenta außergewöhnlich viele Stammzellen. Nabelschnurblutstammzellen wurden 1988 erstmals durch die französische Ärztin Eliane Gluckman in Paris medizinisch genutzt, um ein Kind mit Fanconi-Anämie zu behandeln. Bis 2011 sind über 20.000-mal Nabelschnurblutstammzellen, überwiegend als Fremdtransplantation, zum Einsatz gekommen (→ Stammzelltransplantation), und über 600.000 Spenden waren aufbewahrt. Es wurden bisher ungefähr 50 000 Nabelschnurblut Transplantationen durchgeführt.
  • Schwangerschaft (Wikipedia)
    Die Schwangerschaft (fachsprachlich auch Gestation oder Gravidität, lateinisch graviditas) ist der Zeitraum, in dem eine befruchtete Eizelle im Körper einer werdenden Mutter, genannt Schwangere, zu einem Kind heranreift. Die Schwangerschaft bei Menschen dauert bei normalem Verlauf von der Befruchtung bis zur Geburt durchschnittlich 38 Wochen, mit einer Schwankungsbreite von mehreren Wochen. In den ersten acht Wochen nach der Befruchtung der Eizelle wird das heranreifende Kind als Embryo bezeichnet. Nachdem die inneren Organe ausgebildet sind (ab der neunten Entwicklungswoche), wird die Bezeichnung Fötus (auch Fetus) verwendet.
  • Stammzellen (Wikipedia)
    Als Stammzellen werden allgemein Körperzellen bezeichnet, die sich in verschiedene Zelltypen oder Gewebe ausdifferenzieren können. Je nach Art der Stammzelle und ihrer Beeinflussung haben sie das Potenzial, sich in jegliches Gewebe (embryonale Stammzellen) oder in bestimmte festgelegte Gewebetypen (adulte Stammzellen) zu entwickeln. Stammzellen sind in der Lage, Tochterzellen zu generieren, die selbst wiederum Stammzelleigenschaften besitzen, aber auch solche mit größerer Ausdifferenzierung. Hierzu befähigt sie ein noch nicht vollständig geklärter Mechanismus asymmetrischer Zellteilung. Über das jeweilige Schicksal der Zellen entscheidet dabei vor allem das biologische Milieu, in dem sie sich befinden. Stammzellen werden vor allem durch ihr ontogenetisches Alter und ihr Differenzierungspotenzial unterschieden: die ontogenetisch frühesten Stammzellen sind die pluripotenten embryonalen Stammzellen, aus denen später die primitiven Keimstammzellen sowie die somatischen Stamm- und Progenitorzellen (oder Vorläuferzellen) hervorgehen. Phylogenetisch gehen die Stammzellen auf den letzten gemeinsamen eukaryotischen Vorfahren (LECA) zurück. Auch Pflanzen besitzen Stammzellen. Diese befinden sich an der Spitze des Sprosses im sogenannten Apikalmeristem sowie an den Wurzelspitzen im Wurzelmeristem. Im Gegensatz zu fast allen tierischen und menschlichen Zellen besitzen bei Pflanzen praktisch alle Zellen die Fähigkeit, einen kompletten Organismus zu regenerieren.
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