Gereimte Gedanken über Glauben und Glaubenskritik: Rudolfs von Ems „Barlaam und Josaphat“ neu betrachtet und interpretiert

Eine literaturwissenschaftliche Analyse zeigt, warum ein Versroman des 13. Jahrhunderts bis heute zum Nachdenken über Religion, Weltbilder und die Kraft gereimter Sprache anregt.

Gereimte Gedanken über Glauben und Glaubenskritik: Rudolfs von Ems „Barlaam und Josaphat“ neu betrachtet und interpretiert

Buchcover

Mit seiner literaturwissenschaftlichen Untersuchung des mittelhochdeutschen Versromans „Barlaam und Josaphat“ widmet sich der Wiener Autor Lukas Peters einem der bedeutendsten Werke der deutschsprachigen Literatur des Mittelalters. Er führt insbesondere aus, wie Rudolf von Ems christliche Lehre und ihre Kritik in dichterischer Form miteinander verhandelt, und zeigt, dass der Text nicht nur religiöse Inhalte vermittelt, sondern unterschiedliche Weltanschauungen in einen bemerkenswert differenzierten Dialog treten lässt. Die literaturwissenschaftliche Untersuchung wurde im August 2026 bei GRIN Publishing veröffentlicht.

Stimmungsbarometer:unverb. KI-Analyse*

Zwei Weltbilder im literarischen Wettstreit

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage nach dem „Kern des Christentums“ im Roman sowie nach dem Kern der scharfen Vorwürfe, die von den heidnischen Figuren gegen das Christentum erhoben werden. Dazu analysiert Peters ausgewählte Schlüsselszenen zwischen den Figuren Barlaam, Josaphat, König Avenier und Nachor. Peters’ Auswertung zeigt, dass Rudolf von Ems die christliche Lehre nicht isoliert präsentiert, sondern ihr bewusst starke Gegenpositionen gegenüberstellt. Das Werk lebt vom Spannungsverhältnis zwischen Zustimmung und Kritik, zwischen Glaubensgewissheit und Zweifel. Besonders hebt die Studie hervor, wie ausgewogen Rudolf von Ems die verschiedenen Positionen gestaltet. Die Argumente der Kritiker erscheinen keineswegs als bloße Randbemerkungen, sondern erhalten breiten Raum und rhetorische Kraft. Dadurch entsteht ein literarisches „Abwägen von Pro und Kontra“, das für die mittelalterliche Literatur bemerkenswert ist.

Warum Versromane auch heute noch lesenswert sind

Ein besonderer Schwerpunkt der Veröffentlichung liegt auf der Versform mittelalterlicher Literatur. Während Prosa heute häufig als selbstverständlich gilt, eröffnet gereimte Sprache eigene Möglichkeiten der Reflexion. Durch Rhythmus und Klang lädt sie dazu ein, bei zentralen Gedanken zu verweilen und deren Bedeutung intensiver zu erfassen. Die Untersuchung erforscht die Reimkonstellationen in „Barlaam und Josaphat“ und zeigt, wie eng Form und Inhalt in mittelalterlichen Versromanen miteinander verbunden sind und warum diese Werke auch für heutige Leserinnen und Leser interessante gesellschaftliche und philosophische Perspektiven bereithalten.

Über den Autor

Lukas Peters wurde 1994 in Wien geboren und beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit deutschsprachiger Literatur des Mittelalters. Im Rahmen seines Germanistikstudiums absolvierte er zahlreiche Lehrveranstaltungen zu diesem Schwerpunkt und setzte sich unter anderem mit Rudolfs von Ems „Barlaam und Josaphat“ sowie Wolframs von Eschenbach Parzival auseinander. Zudem schreibt er selbst Verserzählungen; eine Veröffentlichung ist für 2027 geplant. Seine besondere Begeisterung gilt dem Zusammenspiel von Klang, Form und Inhalt in gereimter Literatur.
Mit seiner Studie lädt Peters dazu ein, einen heute wenig bekannten Klassiker der mittelalterlichen Literatur neu zu entdecken. Die Arbeit macht deutlich, dass Fragen nach Wahrheit, Glauben, Zweifel und gesellschaftlichen Wertvorstellungen keineswegs nur historische Themen sind. Gerade im Spannungsfeld widerstreitender Positionen zeigt sich die anhaltende Aktualität eines Werks, das seit rund 800 Jahren gelesen und diskutiert wird.

Informationen zur Veröffentlichung

Titel: Der Kern des Christentums und der Kern der Vorwürfe ans Christentum im Versroman „Barlaam und Josaphat“ von Rudolf von Ems
Autor: Lukas Peters
Textkategorie: Seminararbeit
Fachbereich: Mediävistik
Hochschule: Universität Wien
Erscheinungsdatum: 18.08.2026
Direktlink zur Veröffentlichung: https://www.grin.com/document/1746941
Verlag: GRIN Publishing
Preis E-Book: 15,99 € (ISBN 978-3-38920-135-0)
Preis Taschenbuch: 18,95 € (ISBN 978-3-38920-136-7)

Kostenlose Rezensionsexemplare sind direkt über den Verlag unter presse@grin.com zu beziehen.

GRIN ist ein deutscher Selfpublishing Verlag mit Sitz in München, der seit 1998 wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht und Autor:innen bei der Verbreitung ihrer Manuskripte unterstützt. Das Verlagsprogramm umfasst akademische Arbeiten, Fachbücher und Forschungspublikationen aus zahlreichen Disziplinen, wodurch GRIN mit mehr als 260.000 veröffentlichten Titeln zu den führenden Anbietern für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Publikationen im deutschsprachigen Raum zählt.
Mit dem Ausbau seines Selfpublishing-Angebots begleitet GRIN seit 2025 zudem Autor:innen bei der professionellen Veröffentlichung von Sachbüchern, Ratgebern, Belletristik, Biografien und weiteren Buchprojekten.

Kontakt
GRIN Publishing GmbH
Adriana Kiesel
Waltherstraße 23
80337 München
+49-(0)89-550559-0
+49-(0)89-550559-10
b398237aaff92fcceb1439a0ca1755e2efc5cc44
https://www.grin.com

Themenrelevante Wikipedia-Infos:
  • Barlaam und Josaphat (Wikipedia)
    Barlaam und Josaphat ist ein byzantinischer Roman, der vermutlich um 1000 verfasst wurde. Der Roman besteht aus einer Rahmengeschichte, die vom indischen Prinzen Josaphat handelt, der vom Eremiten Barlaam anhand von Parabeln zum Christentum bekehrt wird. Somit ist die Geschichte von Barlaam und Josaphat die christliche Version der Lebensgeschichte des Siddhartha Gautama Buddha.
  • Christentum (Wikipedia)
    Das Christentum ist eine Weltreligion, die aus dem Judentum hervorging und sich ab dem 4. Jahrzehnt n. Chr. über Judäa hinaus ausbreitete. Ihre Anhänger werden Christen genannt, die Gesamtheit der Christen wird auch als die Christenheit bezeichnet. Von zentraler Bedeutung für das Christentum ist Jesus von Nazaret, ein jüdischer Wanderprediger, der etwa in den Jahren 28–30 n. Chr. auftrat und in Jerusalem hingerichtet wurde. Die Jünger Jesu waren überzeugt, dass er von den Toten auferstanden sei, und bekannten ihn als Sohn Gottes und als den erwarteten Messias. In ihren Bekenntnissen nennen sie ihn Jesus Christus. Der Glaube an ihn ist in den Schriften des Neuen Testaments grundgelegt. Die weitaus meisten Christen glauben an einen Gott (Monotheismus) als eine Trinität, das heißt eine Wesenseinheit aus Vater, Sohn und Heiligem Geist. Daneben existieren innerhalb des Christentums kleinere antitrinitarische Gruppierungen. Die zahlreichen Konfessionen bzw. Kirchen innerhalb des Christentums lassen sich in fünf Hauptgruppen zusammenfassen: die römisch-katholische Kirche, die orthodoxen Kirchen, die protestantischen Kirchen, die anglikanischen Kirchen und die Pfingstbewegung. Mit rund 2,5 Milliarden (2022) Mitgliedern ist das Christentum vor dem Islam (2 Milliarden) und dem Hinduismus (1,2 Milliarden) die weltweit am weitesten verbreitete Religion.
  • Literaturwissenschaft (Wikipedia)
    Literaturwissenschaft ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Literatur. Sie umfasst nach gängigem Verständnis Teilgebiete wie die Literaturgeschichte, die Literaturkritik, die Literaturinterpretation, die Literaturtheorie und die Editionsphilologie. Geschichtlich ist die Literaturwissenschaft hervorgegangen aus der universitären Beschäftigung mit Rhetorik und Poesie, aus der Beschäftigung mit dem Roman als Gegenstand der belles lettres und dem Namen nach, aus der Beschäftigung mit „Literatur“ – bis in das 19. Jahrhundert das Feld der wissenschaftlichen Publikationen. In der literaturwissenschaftlichen Tradition stehen unter anderem die Theaterwissenschaft und die Medienwissenschaft.
  • Mittelalterliche Literatur (Wikipedia)
    Folgende Artikel beschäftigen sich mit der deutschsprachigen Literatur im Mittelalter: Nach Epochen: Althochdeutsche Literatur (siehe auch Klosterliteratur) Frühmittelhochdeutsche Literatur Deutsche Literatur des hohen Mittelalters Dichtung des Spätmittelalters Nach Textgattungen: Minnesang Spruchdichtung und Sangspruchdichtung Höfischer Roman und Artusroman Heldendichtung und Heldenbücher Der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der deutschen Literatur des Mittelalters widmet sich die Germanistische Mediävistik (auch: Altgermanistik).
  • Rudolf von Ems (Wikipedia)
    Rudolf von Ems (* um 1200 in Hohenems/Vorarlberg; † 1254 ?) war ein Epiker des Mittelalters.
  • Versroman (Wikipedia)
    Der Versroman (alternative Bezeichnungen: höfisches Epos bzw. in neuerer Zeit bevorzugt höfischer Roman) ist eine als Roman geschriebene Erzählung in Versform, in erster Linie der höfische Roman des Mittelalters. Vom klassischen Epos der Antike grenzt sich der Versroman als eine Großform der Epik dadurch ab, dass er sich mit der Zwischenstufe der Volksbücher auf der direkten Entwicklungslinie hin zum modernen Roman befindet. Versromane sind u. a.: Floire et Blancheflor Herzog Ernst Lanzelet von Ulrich von Zatzikhoven Mai und Beaflor Reinfried von Braunschweig Parzival, Wolfram von Eschenbach Perceval von Chrétien de Troyes Willehalm von Orlens von Rudolf von Ems Wilhelm von Österreich von Johann von Würzburg
Werbung
connektar.de