Ein persönlicher Eindruck aus kommunikativer Sicht von Stefan Häseli
Es war einst die Idee des WEF, des Weltwirtschaftsforums in Davos, Menschen aus Wirtschaft und Politik, die auf den grossen Bühnen dieser Welt etwas zu sagen haben, in einer lockeren Atmosphäre zusammenzubringen. Jeder kennt das aus dem eigenen Unternehmen: Gute Ideen entstehen oft nicht im Sitzungszimmer, sondern in der Kaffeepause oder bei ungezwungenen Gesprächen am Rand. Genau das war die ursprüngliche Stärke des WEF – und genau darin lag seine kommunikative Glaubwürdigkeit.
Viele Jahre funktionierte dieses Konzept. Mit der Zeit wurde es erweitert, gleichzeitig aber auch verschoben. Die Acts rückten immer stärker in Richtung Politik. Es gehörte quasi zum guten Ton, als Staatspräsidentin oder Staatspräsident in Davos präsent zu sein. Für die Schweizer Regierung war das ebenfalls eine charmante Sache: Auf engem Raum, gewissermassen in der eigenen Stube, die internationale Creme de la creme zu treffen. Das alles hatte – und hat – sehr viel mit Kommunikation zu tun, wenn nicht gar ausschliesslich mit Kommunikation und ihrer Wirkung nach innen und aussen.
Das WEF war Kommunikation pur. Vielleicht ist es das heute noch. Ich war dieses Jahr nicht zum ersten Mal persönlich in Davos und stellte zwei Dinge fest.
Erstens: Alles drehte sich um Donald Trump. Der Geist von Davos wirkte wie eine Inszenierung, in der er sich sichtlich gefiel – denn alles kreiste um seine Person. Eine gefühlte Mehrheit der Teilnehmenden zeigte sich jedoch irritiert vom inoffiziellen World Trump Forum. Das ist nicht nur ein persönlicher Eindruck, sondern ein Fazit aus zahlreichen Gesprächen mit Journalistinnen und Journalisten vor Ort.
Einige sprachen offen davon, dass Davos beziehungsweise das WEF seine Seele verkauft habe – und damit auch einen Teil seiner Glaubwürdigkeit. Die neue Führung des WEF habe sich den Amerikanern unterworfen: Ihre Firmen, ihre Themen dominierten wie nie zuvor. Bei Trumps zweitem Auftritt im grossen Saal prangte am Rednerpult nicht etwa das WEF-Logo, sondern das Emblem des US-Präsidenten. Moderiert wurde der Anlass von Trumps Pressesprecherin. Aus meiner Sicht der Kommunikation ist das ein starkes – und problematisches – Signal. Es untergräbt die Glaubwürdigkeit des Forums und entzieht der ursprünglichen Idee einen Teil ihres Sinn- und Existenzgrundes.
Zweitens: Es drehte sich eben doch nicht alles um Donald Trump – nur bekam davon kaum jemand etwas mit. Es gibt sie nach wie vor, die Side-Events und das Open Forum, an denen hochspannende Gespräche stattfinden. Diese Anlässe sind gut besucht, lösen Denkimpulse aus und verkörpern vielleicht mehr denn je den ursprünglichen Pioniergeist des WEF. Sie sind kommunikativ glaubwürdig, offen und dialogorientiert. Leider laufen sie medial weitgehend unter dem Radar der grossen Öffentlichkeit. Aber: Diese Form der Kommunikation lebt noch – und damit auch ein Rest an Glaubwürdigkeit.
Vielleicht kann man genau darauf aufbauen. Vielleicht ist die Welt in zwölf Monaten wieder eine andere. Und vielleicht rückt dann am WEF wieder das ins Zentrum, worum es ursprünglich ging: echte Kommunikation, gelebte Glaubwürdigkeit und der Austausch auf Augenhöhe – statt einer ausgelagerten Pressekonferenz des Weissen Hauses.
Stefan Häseli
Kommunikationsexperte und Beobachter des WEF Davos
Vortragsredner, Keynote Speaker
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Atelier Coaching & Training AG
Stefan Häseli
Ringstrasse 16a
9200 Gossau
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- Glaubwürdigkeit (Wikipedia)
Glaubwürdigkeit ist ein Maß der Bereitschaft des Adressaten, die Aussage einer anderen Person als gültig zu akzeptieren. Erst im Weiteren wird der Person und ihren Handlungen Glauben geschenkt. Glaubwürdigkeit ist eine attributionale Eigenschaft, die anderen zugeschrieben wird. Vor allem die Rechtswissenschaften, Psychologie, Politikwissenschaft und Kommunikationswissenschaft widmeten sich dem Thema in den letzten Jahrzehnten. Glaubwürdigkeit ist von zentraler Bedeutung für die Wirksamkeit von Handlungsmotiven und spielt daher in der Öffentlichkeitsarbeit, Marktforschung und Meinungsforschung (Public Relations) eine wichtige Rolle. Das Synonym lautet Kredibilität, abgeleitet vom lateinischen Wort credibilis (glaubhaft, glaubwürdig). Englische Ausdrücke sind belief oder credibility. Decken sich das angestrebte Bild und die Rezeption (das Fremdbild) bei der Zielgruppe nicht, spricht man von Credibility Gap (Glaubwürdigkeitslücke) oder Unglaubwürdigkeit. - Kommunikation (Wikipedia)
Kommunikation (lateinisch communicatio ‚Mitteilung‘) ist der Austausch oder die Übertragung von Informationen, die auf verschiedene Arten (verbal, nonverbal und paraverbal) und auf verschiedenen Wegen (Sprechen, Schreiben) stattfinden kann, auch im Wege der computervermittelten Kommunikation. „Information“ ist in diesem Zusammenhang eine zusammenfassende Bezeichnung für Wissen, Erkenntnis, Erfahrung oder Empathie. Mit „Austausch“ ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen gemeint; „Übertragung“ ist die Beschreibung dafür, dass dabei Distanzen überwunden werden können, oder es ist eine Vorstellung gemeint, dass Gedanken, Vorstellungen, Meinungen und anderes ein Individuum „verlassen“ und in ein anderes „hineingelangen“. Dies ist eine bestimmte Sichtweise und metaphorische Beschreibung für den Alltag – bei genaueren Beschreibungen des Phänomens Kommunikation wird die Anwendung dieser Metapher allerdings zunehmend schwieriger. (Für nähere Informationen zum Thema „Wissenschaftlich-theoretische Erklärungsversuche zur Beschreibung von Kommunikation“ siehe Artikel Kommunikationsmodell.) Das Wort „Kommunikation“ wird neben der ursprünglichen Bedeutung als Sozialhandlung auch für andere Vorgänge in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet. Der zunehmende Einsatz von Kommunikationstechnologie führte zum Beispiel dazu, dass auch technische Aspekte in den Kommunikationsbegriff eingingen. Unter Kommunikation werden somit auch „Datenübertragung“, „wechselseitige Steuerung“ und in einfachen Fällen auch „Verbindung“ von Geräten verstanden; in anderen Situationen wiederum wird Kommunikation auf Institutionen oder Unternehmen sowie deren Zielgruppen bezogen. Dann werden nicht länger Lebewesen, sondern stattdessen organisierte Einheiten (oder „Systeme“) als Kommunikatoren (Produzenten und Rezipienten) angesehen. Dies gilt beispielsweise dann, wenn im Zusammenhang mit Journalismus, Publizistik oder Marketing von Kommunikation die Rede ist (vgl. diesbzgl. speziell Kommunikator (Medien)). Kommunikation ist alltäglich und verläuft scheinbar selbstverständlich, sodass sie nicht weiter problematisch erscheint. Für die meisten Situationen reicht dies auch aus; es wäre zu aufwendig, die …