AFVD im Abseits – doch wer hat schuld ?

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Die EM 2018 findet ohne Titelverteidiger Deutschland statt. Es ist das vorläufige Ende eines Machtgerangels auf Weltebene – mit dem AFVD als Verlierer

AFVD im Abseits - doch wer hat schuld ?
Da war die Welt noch in Ordnung. Robert Huber bei der Ankündigung der Football EM 2018 in Frankfurt

Ein Kommentar von American-Football.com Redakteur Markus Schulz

Es ist vollbracht! Der AFVD hat es geschafft, sich und damit den deutschen American Football international ins Abseits zu stellen. Die Europameisterschaft 2018, die eigentlich in Deutschland hätte stattfinden sollen, findet nun in Finnland statt. Und das gänzlich ohne deutsche Beteiligung, ohne den Titelverteidiger auf dem Gridiron.

Vorausgegangen war ein internationales Machtgerangel innerhalb des Football-Weltverbandes IFAF. Doch anstatt sich dem CAS-Urteil ( Court or Arbitration for Sport, Internationaler Sportgerichtshof ) zu beugen und den Weltverband mit Sitz in New York als neues Oberhaupt im Welt-Football zu akzeptieren und sich anzuschließen, setzt der AFVD mit Präsident Robert Huber in einer Grundsatzerklärung auf das „europäische Sportmodell“. In dieser Erklärung verschanzt sich der deutsche Football-Dachverband, der für über 63.000 Mitglieder zuständig ist, hinter so ehrenvollen Aufgaben, wie dem Kampf gegen das Doping und macht der IFAF zum Vorwurf, keinen geregelten Spielbetrieb in ihren Ländern zu betreiben, als Serviceorganisation Leistungen für Spieler und Trainer gegen Entgelt anzubieten und den Weltverband nach Maßgabe des auf Kapitalgesellschaften basierenden amerikanischen Sportmodells auszurichten.

Doch was ist von dem „europäischen Sportmodell“ für den American Football eigentlich noch übrig? Während es fast alle anderen Verbände Europas schafften, sich der IFAF in New York anzuschließen, stellte sich der AFVD schmollend in die Ecke. Es riecht nach Machtverlust auf internationaler Ebene und das schmeckt dem deutschen American Football Verband überhaupt nicht.

Dabei war der Einfluss des AFVD in den vergangenen Jahren auf internationaler Ebene gestiegen. Huber und sein schwedischer Kollege Tommy Wiking (nebenbei lange Zeit Präsident der IFAF in Paris) hatten massiven Einfluss. Wäre da nicht das Fiasko um die abgesagte Weltmeisterschaft 2015 in Schweden gewesen. Wiking hatte eine große Veranstaltung angekündigt, musste dann aber ein halbes Jahr vorher kleinlaut mitteilen, dass sein Verband die Aufgabe doch nicht würde stemmen können. Infolgedessen trat er als Präsident des Weltverbandes zurück, um nur einen Tag später von seinem Rücktritt nichts mehr gewusst haben zu wollen. Doch den Rücktritt vom Rücktritt kassierte der Internationale Sportgerichtshof CAS im Frühjahr diesen Jahres wieder ein, was massiven Machtverlust für die IFAF in Paris und alle ihre Anhänger bedeutete.

Darunter der AFVD, der nicht in der Lage scheint, den Verlust von Macht und Einfluss wie ein guter Verlierer einzustecken. Stattdessen „steht man zum europäischen Sportmodell“, von dem von den größeren europäischen Verbänden nur noch der AFVD und sein italienisches Pendant übrig geblieben sind. Die Frage, wie es in dieser Konstellation überhaupt für die deutsche Nationalmannschaft weitergehen wird, drängt sich dabei auf. In diesem Sommer, wenn Finnland, Schweden, Dänemark, Großbritannien, Österreich und Frankreich um den EM-Titel kämpfen, ist der Titelverteidiger jedenfalls zum Zuschauen verdammt und mit ihm der deutsche Football-Fan. Fraglich ist, welchen sportlichen Wert eine EM als Einladungsturnier ohne den Titelverteidiger und das zuvor qualifizierte Italien hat.

Der AFVD hat sich derweil schon wieder seiner alltäglichen Arbeit hingegeben und verkündet, dass der German Bowl, der einst vor 30.000 Zuschauern im Hamburger Volkspark ausgespielt wurde und nun im kommenden Oktober zum siebten Mal in Folge im tristen Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion in Berlin ausgetragen wird, bei Sport1 live übertragen wird. Er flüchtet sich also in seine heile Welt der GFL, dem Aushängeschild des europäischen Vereins-Footballs. Dort, wo man noch Herr im eigenen Hause ist.

Doch auch hier ist nicht alles Gold was glänzt. Wie viele einst ruhmreiche Vereine sind in den letzten Jahren aus finanziellen Gründen in der Versenkung verschwunden? Die Hamburg Blue Devils, die Mönchengladbach Mavericks, die Cologne Falcons, um nur wenige zu nennen. Dem AFVD geht es derweil prächtig und er ist offenbar nicht satt zu bekommen. 2013 klagte der AFVD vor dem Kölner Verwaltungsgericht um Sportförderung durch das deutsche Innenministerium (BMI). Das Urteil damals war ernüchternd für den AFVD und hätte – wäre der Sport in Deutschland doch nur bekannter – zu einem Erdrutsch im Verband führen können, doch heimlich, still und leise nahm kaum jemand Notiz von der Klage, geschweige denn vom Urteil.

Das Gericht hatte damals die Klage abgewiesen weil American Football in Deutschland nicht förderungswürdig sei. Eine Begründung war, dass der Verband genug Geld habe, dieses aber nicht einsetze. In Zahlen: Der AFVD verfügte im Haushaltsjahr 2013 über ein Etatvolumen von etwa 580.000 Euro. Davon wurden für den Leistungssport an Eigenmitteln 31.647,67 Euro eingesetzt, während der Verband von den Leistungssportlern selbst Eigenbeteiligungen von 60.955 Euro eingefordert hatte. Walter Reiterer fasste in seinem Kommentar „End of Game“ auf football-austria.com das Urteil am 9. März diesen Jahres wie folgt zusammen: „Kurz gefasst wurde dem deutschen Footballverband darin mitgeteilt, dass seine Funktionäre derart ungewöhnlich hoch für ihre Tätigkeiten entlohnt werden, so man eigentlich davon ausgehen muss, dass dort nichts mehr gefördert werden muss.“ Anders formuliert: Der AFVD scheint als Selbstbedienungsladen seiner Funktionäre gut zu funktionieren. American Football scheint da nur Mittel zum Zweck.

Doch wo bleibt der Widerstand von der Basis? Von Spielern, die mehrmals in der Woche in Trainingseinheiten und Spielen zum überwiegenden Großteil unentgeltlich ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Von all den Ehrenamtlichen in den Vereinen und Landesverbänden, die mit Liebe für ihren Sport einstehen während „oben“ Kasse gemacht wird? Seit zwei Dekaden sitzt Präsident Huber schon an der Macht des deutschen Footballs. Die Entwicklung von American Football in Deutschland in dieser Zeit? Steigende Mitglieder- und Vereinszahlen – ansonsten fristet der Sport weiterhin ein Nischendasein, spielt in der öffentlichen Wahrnehmung keine Rolle. Und das zu Boom-Zeiten dank der Free-TV-Präsenz des großen Schlachtschiffes NFL.

Das Interesse an Wachstum dürfte wohl auch begrenzt sein – denn dann müsste man etwas abgeben: Aufgaben, Termine, Einfluss, vielleicht sogar Geld. Da ist man doch froh, dass die GFL unterdessen von der Firma German Football Partners vermarktet wird. Ein Blick ins Impressum verrät den Inhaber: Robert Huber. Man stelle sich vor, der Deutsche Fußball-Bund würde die Rechte am DFB-Pokal über eine Rechteverwertungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH vermarkten, deren rechtlicher Vertreter der DFB-Präsident selbst ist. Er würde sich wohl nicht mehr lange im Amt halten können.

Mittlerweile äußern sich auch etablierte Nationalspieler wie Simon Gavanda kritisch zu dieser Situation. Gavanda hätte gerne seine internationale Karriere mit der EM im eigenen Land ausklingen lassen. Außerdem hätte das deutsche Team nach der Final – Niederlage gegen Frankreich bei den World Games 2047 noch etwas gut zu machen.

In einer aktuellen Stellungnahme bestreitet Huber, das der Verband über das CAS Urteil und die Bestätigung von Richard McLean als neuen legitimen Präsidenten der IFAF bislang informiert wurde. Und er signalisiert gleichzeitig Gesprächsbereitschaft über eine zukünftige Zusammenarbeit, sobald das Urteil vorliegt. Außer der eigenen Ankündigung von Richard McLean, in welcher er sich auf dieses aktuelle Urteil bezieht, gibt es momentan keine weiteren validen Informationen. Von der CAS selbst wurde bislang dazu noch nichts veröffentlicht. Doch genau die Veröffentlichung dieses Urteils wird von allen American Footballfans sehnsüchtig erwartet, damit endlich Klarheit besteht, wo diese Reise hingehen wird.

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